Ankommen in Deutschland Weiterhin viel Solidarität für Geflüchtete aus der Ukraine

Tausende Menschen haben sich im Februar für Geflüchtete aus der Ukraine eingesetzt. Fast ein Dreivierteljahr später gibt es immer noch viel Solidarität und Unterstützung für die Ukrainerinnen und Ukrainer. Die Zahl der Helfenden ist nur etwas weniger geworden.

Besucher gehen an einem Hinweisschild der Initiative Ukrainian Coordination Center (UCC) am Eingang zum Amt für multikulturelle Angelegenheiten der Stadt Frankfurt am Main vorbei. Menschen aus der Ukraine wird hier vielfältige Hilfe angeboten.
In Deutschland haben sich viele Unterstützungsstellen für Menschen aus der Ukraine gegründet. Bildrechte: dpa

Innerhalb von Tagen haben Norman Heydenreich und viele andere freiwillige Helfer in Weimar Sachspenden und private Unterkünfte für Geflüchtete aus der Ukraine organisiert. Heydenreich ist Unternehmer und engagiert sich seit Beginn des Krieges für ukrainische Geflüchtete. Zunächst dachten alle, es handle sich um eine Ausnahmesituation. Nun, fast 7 Monate später, ist vielen klar, dass man sich auf dauerhafte Lösungen für die über 850 Ukrainer in Weimar einstellen muss.

Für die Unterstützer und Ehrenamtlichen veränderten sich mittlerweile Aufgaben, sagt Norman Heydenreich: "Wir sammeln natürlich weiter Spenden, das steht aber gar nicht so sehr im Vordergrund. Auch bei der Unterkunftsfrage geht es jetzt weniger darum aktuell, neue Unterkunftsmöglichkeiten zu finden, sondern sich intensiv um diejenigen zu kümmern, die wir untergebracht haben." Einschulungen organisieren, Traumata Bewältigung unterstützen, Vernetzung mit anderen Ukrainern herstellen – das sind die Aufgaben, die für Heydenreich in den letzten Wochen im Fokus standen. Er hat in seinem Haus Platz für vier Familien gemacht, von denen immer noch zwei bei ihm wohnen.

Kein Nachlass der Solidarität

Dirk Adams, Minister für Migration in Thüringen, konnte landesweit beobachten, dass nach drei oder vier Monaten viele Ehrenamtliche Helfer eine Pause brauchten: "Deshalb ist die Hilfsbereitschaft im Kern nicht zurückgegangen, aber die Anzahl der Aktiven, die ist natürlich zurückgegangen. Andere Probleme berühren die Menschen auch und insofern haben wir einen Rückgang, aber immer noch ein sehr hohes Niveau der Hilfsbereitschaft."

Ganz ähnliche Erfahrung hat auch die Arbeiterwohlfahrt in Sachsen gemacht. In den Ballungszentren sei die Bereitschaft zu helfen nach wie vor sehr hoch. In Sachsen-Anhalt haben der Verein Auslandsgesellschaft und das Landesnetzwerk der Migrantenorganisationen die Koordinierungsstelle Engagement Ukraine übernommen. Sprecherin Manja Lorenz von der Auslandsgesellschaft erzählt: "Diese Beobachtung, dass die Solidarität nachlässt, können wir so nicht unterstreichen. Es gibt natürlich immer mal saisonal bedingte Schwankungen oder andere Themen rücken in den Fokus."

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exactly: Guter Flüchtling, schlechter Flüchtling? Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Sprachbarrieren sind eine Herausforderung

So beobachtet es auch Norman Heydenreich in Weimar. Er und seine Mitstreiter wollen nun vor allem die Selbsthilfe unterstützen. Es habe sich ein Verein von Ukrainern in Thüringen gegründet, der in Weimar einen Ableger habe, erklärt Heydenreich. Dies könnte eine wichtige Anlaufstelle für Geflüchtete werden. "Es hat sich gezeigt, dass sehr viele der zu lösenden Probleme auch damit zusammenhängen, dass die Kommunikation verbessert werden muss: zwischen den Ukrainern und Deutschen, aber auch untereinander, die Ukrainer, die schon da sind, mit denen, die neu ankommen."

Flüchtlingshelfer Heydenreich in Weimar ist mit dem anhaltenden Engagement in seiner Stadt zwar grundsätzlich zufrieden, trotzdem freut er sich über jede weitere helfende Hand.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | Das Nachrichtenradio | 20. September 2022 | 06:00 Uhr

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