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Kein gemütlicher Plausch nach Feierabend: Feuerwehrleute bei einem nächtlichen Einsatz in Dresden Bildrechte: Roland Halkasch

EhrenamtFeuerwehr: Ohne Freiwillige geht gar nichts

von MDR AKTUELL

Stand: 22. Juli 2022, 18:48 Uhr

Bei der Feuerwehr zu sein ist kein "Hobby" für eine erholsame Freizeit. Tatsächlich werden Feuerwehren in Deutschland zwar vor allem von Freiwilligen bevölkert. Alle sind aber eingebunden in professionelle Strukturen, professionell ausgebildet und gerüstet, um wie Berufsfeuerwehren, mit ihnen und auch ohne sie helfen zu können.

Die Freiwillige Feuerwehr in Magdeburg-Prester hat im Juni 130-jähriges Bestehen gefeiert. Das heutige System der Feuerwehren in Deutschland ist jedoch viel älter. Es reicht zurück bis in die mittelalterlichen Städte, in denen meist alle erwachsenen Bürger verpflichtet waren, bei Bränden zu helfen.

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Anders als in vielen anderen Ländern basiert das deutsche System der Abwehr von Bränden und anderen Gefahren, ähnlich wie in Österreich, noch immer auf diesen Bürgerwehren und nicht gänzlich auf Berufsfeuerwehren. Diese kamen erst sehr viel später und in den größeren Städten auf.

Auch darum sind Berufsfeuerwehren noch heute in der Minderheit und fast 95 Prozent der Feuerwehrleute in Deutschland sind ehrenamtlich. Sie werden für Einsätze nicht bezahlt, haben andere Berufe, müssen bei Alarm ihre Arbeit aber jederzeit schnell verlassen können, aus der Freizeit oder von zu Haus aus zum Feuerwehrhaus, wo Einsatzkleidung, Ausrüstung und Fahrzeuge sind.

Die Landesfeuerwehrgesetze schreiben vor, dass die Arbeitgeber ihre Mitarbeiter für Feuerwehr-Einsätze freistellen müssen. Die Ausfallzeiten können sie sich von den Kommunen aber erstatten lassen, denn:

Feuerwehr ist kommunale Pflichtaufgabe

Fast alle deutschen Kommunen haben Feuerwehren und insgesamt mehr als 30.000 Feuerwehrhäuser. So kann die Zeit vom Notruf bis zur Ankunft der Helfer auch auf dem Land im Schnitt unter 15 Minuten liegen. Für Städte mit ständigen Wachen sind meist sogar weniger als zehn Minuten vorgesehen.

Feuerwehr beim Waldbrand in Gohrischheide Bildrechte: dpa

Zuständig für die Gefahrenabwehr sind in Deutschland die Länder und für "abwehrenden Brandschutz" die Städte und Gemeinden. Wie diese kommunale Pflichtaufgabe genau ausgestaltet wird, legen Gesetze der Länder fest. Nach diesen müssen Städte ab 100.000 Einwohnern mit nur wenigen Ausnahmen auch eine Berufsfeuerwehr vorhalten.

In Sachsen und Schleswig-Holstein etwa sind sie schon ab 80.000 Einwohnern vorgeschrieben. Zudem müssen Länder und Kommunen demnach auch für die Ausstattung und Ausrüstung aller Feuerwehren sorgen und helfen, dass sich immer genügend freiwillige Leute für diese anstrengende und gefährliche Arbeit zusammenfinden.

Das muss funktionieren, denn die Freiwilligen Feuerwehren "sind in das System der Gefahrenabwehr vollkommen integriert", wie es Kerstin Thöns vom Landesfeuerwehrverband Sachsen e.V. bestätigt: Wer keinen Dienst habe, müsse sich abmelden, damit die Leitstellen stets auf dem aktuellen Stand seien. Ähnlich geregelt ist das in Sachsen-Anhalt und Thüringen.

Mehr als eine Million Feuerwehrleute

In Deutschland gibt es mehr als 23.000 Feuerwehren. Nur etwa 100 sind berufliche, doch insgesamt sind rund eine Million Menschen dabei. Zum Vergleich: Das als Bundesanstalt organisierte Technische Hilfswerk (THW) kommt nur auf etwa 80.000 Leute, davon keine 2.000 hauptberuflich.

Sommer: Feuerwehr löscht brennende Heuballen Bildrechte: IMAGO/KS-Images.de

Mehr hauptamtliche Leute hatten zuletzt allein die acht sächsischen Berufsfeuerwehren – genau 2.222 waren es nach Verbandsangaben, verteilt auf 19 Wachen. Dazu kamen etwa in Sachsen die 419 Gemeinde- und 1.706 Ortsfeuerwehren, damit insgesamt also 42.910 Kameraden und Kameradinnen im Land.

Zudem gibt es bundesweit rund 250.000 Mitglieder in sogenannten Jugendfeuerwehren, aus denen der meiste Nachwuchs kommt und die schon viel an Ausbildung leisten. Sie gelten daher auch als eine Art von Gradmesser für die Lage beim Feuerwehr-Nachwuchs.

Die Berufs- und hauptberufliche Werksfeuerwehren kommen insgesamt auf etwa 50.000 Leute. Deren Feuerwachen sind ständig besetzt und ihre Kräfte können bei Alarm sofort ausrücken. Die größte städtische in Deutschland ist die Berliner Feuerwehr als eigene Behörde seit 1851, mit heute rund 4.000 Leuten in mehr als 30 Feuer- und gut 40 Rettungswachen. Hier sind die rund 1.400 Freiwilligen Feuerwehrleute zur Abwechslung mal eine Minderheit.

Betriebe mit Gefahrenpotenzial wie Chemiewerke und Flughäfen müssen zudem eigene Werksfeuerwehren einrichten und rund um die Uhr im Dienst haben. Mehr als 200 gibt es in Deutschland, und sie zählen zu den etwa 700 ständig besetzten Wachen bundesweit mit gut 320 bei Berufs- und etwa 170 hauptamtlichen bei Freiwilligen Feuerwehren, besetzt mit Berufskräften.

Einsatzspektrum verändert

Was alle diese Feuerwehren leisten, welche Herausforderungen sie zu bewältigen haben und wie ihnen dabei geholfen werden kann, wird hier in einem 3-Fragen-Beitrag von MDR AKTUELL beantwortet:

Tatsächlich hat sich das Einsatzspektrum der Feuerwehren seit dem Mittelalter verändert. Brandbekämpfung ist zwar immer noch tagesaktuell. Heute jedoch stehen jährlich noch rund 100.000 Brandeinsätzen bundesweit schon mehr als 300.000 technische Hilfen vor allem nach Verkehrsunfällen gegenüber, immer öfter aber auch die Abwehr von Umweltschäden.

Professionelle Ausrüstung und Ausbildung

Um ihre oft lebenswichtigen Aufgaben erfüllen zu können, müssen Berufs- wie Freiwillige Feuerwehren professionell ausgerüstet sein. Ihre Fahrzeuge, Schutzkleidung, Ausrüstung und vor allem auch ihre Ausbildung sind daher fast gleich oder sich zumindest sehr ähnlich. Nähere Regelungen dazu trifft beispielsweise die sächsische Feuerwehrverordnung.

Positiv bemerkt hier der sächsische Feuerwehrverband auf MDR-Anfrage, dass das Land "sich sehr um die technische Ausstattung der Freiwilligen Feuerwehren gekümmert" habe und diese "technisch sehr gut aufgestellt" seien. Auch für neue Gefahren wie Wald- und Vegitationsbrände gebe es Konzepte, begleitet von Investitionen in Technik und Ausrüstung. Zudem hätten Landtag und Landesregierung ihre Wertschätzung für das Ehrenamt mit der Zusage finanzieller Förderung im neuen Haushalt unterstrichen.

Sorgen um den Nachwuchs

Doch auch Sachsen hat nach aktuellen Angaben seit 2020 wieder 335 Feuerwehrleute verloren. Bereits 2013 schlugen die Freiwilligen Feuerwehren in Mitteldeutschland Alarm, da es jedes Jahr bis zu 1.000 Mitglieder weniger würden, was schon damals Thema einer Fakt-ist-Sendung des MDR war.

Diese Sorgen haben sich laut dem sächsischen Verband zwar in der Coronavirus-Pandemie überraschend verringert. Demnach sind steigende Mitgliederzahlen in Jugendfeuerwehren und Wartelisten bei der Ausbildung an sich ein gutes Zeichen. Es sei aber fraglich, wie viele später aktiv bleiben, und über die Zahl beruflicher Bewerbungen konnte Sprecherin Thöns nichts sagen. Auch habe die Pandemie den Stau bei den Aus- und Weiterbildungen vergrößert, vieles werde jetzt "mit einem gewissen Druck nachgeholt".

Noch immer nur wenige Feuerwehrfrauen

Das Potenzial beim Nachwuchs könnte auch durch Mädchen und junge Frauen wachsen. Ihr Anteil an den aktiven Feuerwehrleuten lag vor einigen Jahren bundesweit noch unter zehn und in Sachsen noch 2020 bei nur 12,4 Prozent. Zuletzt soll in den Jugendfeuerwehren aber schon jedes dritte Mitglied weiblich gewesen sein, weshalb erwartet werden kann, dass der Frauenanteil in den kommenden Jahren doch steigen wird.

Quelle: MDR (ksc)

Dieses Thema im Programm:MDR FERNSEHEN | MDR um 2 | MDR um 4 | 22. Juli 2022 | 14:00 Uhr

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