Sexualisierte Gewalt Gruppenvergewaltigungen: Jeder zweite Tatverdächtige nicht deutsch

Etwa jeder zweite Tatverdächtige bei Gruppenvergewaltigungen ist laut Bundeskriminalamt nicht deutsch. Das ist viel, wenn man bedenkt, dass viel weniger Nichtdeutsche als Deutsche hier leben. Gründe für diese Zahlen könnte das Frauenbild der Tatverdächtigen sein, weswegen es Experten zufolge wichtig ist, darüber aufzuklären.

Ein Mädchen sitzt am vor einer Wand in Hannover, auf der der Schatten einer Hand groß zu sehen ist.
Bisher gibt es noch keine Untersuchungen dazu, warum häufig Nichtdeutsche an Gruppenvergewaltigungen beteiligt sind. Bildrechte: dpa

704 Gruppenvergewaltigungen wurden dem Bundeskriminalamt 2020 angezeigt. 905 Tatverdächtige werden in diesem Zusammenhang benannt – rund 46 Prozent von ihnen sind nicht deutsch. Das sollte man klar benennen, findet Geert Mackenroth. Er ist der Vorsitzende der Opferschutzorganisation Weißer Ring in Sachsen und sächsischer Ausländerbeauftragter. Er erzählt, dass es auch in Sachsen immer wieder zu Gruppenvergewaltigungen käme.

Das Landeskriminalamt Sachsen teilt MDR AKTUELL auf Anfrage mit, dass 2020 zwölf Gruppenvergewaltigungen angezeigt wurden. Unter den 17 ermittelten Tatverdächtigen sind demnach 13 nicht deutsch. Für Sachsen-Anhalt teilt das hiesige Landeskriminalamt mit, dass 2020 zehn Gruppenvergewaltigungen angezeigt wurden. Zu den Nationalitäten macht es keine Angaben. Anders in Thüringen. Fünf Gruppenvergewaltigungen mit elf Tatverdächtigen werden für 2020 in der Statistik aufgeführt. Zwei Tatverdächtige sind nicht deutsch.

Seit 2015 viele junge Männer aufgenommen

Wie kommt es, dass bei Gruppenvergewaltigungen häufig Nichtdeutsche beteiligt sind? Mackenroth glaubt: "Es sind deswegen gelegentlich oder häufig junge ausländische Männer beteiligt, weil wir natürlich von der Population, die zu uns gekommen ist seit 2015, überproportional viele dieser jungen Männer aufgenommen haben, die oft alleine hergekommen sind, die keine Bindung haben."

Thomas Bliesener ist der Direktor des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen. Auch er sieht, dass bestimmte Herkunftsländer in der Statistik überproportional vertreten sind. Laut ihm sind das vor allem Personen aus muslimisch geprägten Ländern wie Irak, Iran, Syrien und Afghanistan, aber auch aus Ländern der Subsahara.

Bliesener: Frauenbild der Tatverdächtigen könnte eine Rolle spielen

Welche Faktoren genau dazu führen, dass an Gruppenvergewaltigungen oft Nichtdeutsche beteiligt sind, lässt sich aber nicht eindeutig belegen: "Also tatsächlich belastbare Untersuchungen gibt es dazu nicht oder kaum. Wir müssen uns da weitgehend auf Vermutungen stützen und gerade bei den genannten Ländern spielt vermutlich das Frauenbild eine wesentliche Rolle", glaubt Bliesener. Er findet es deshalb wichtig, über Frauenrechte aufzuklären.

Der sächsische Ausländerbeauftragte Geert Mackenroth glaubt nicht, dass das reicht: "Die ganzen Angebote: Frauenrechte in Deutschland, Kulturbesonderheiten hier bei uns und Ähnliches, sind wunderbar und ich finde sie alle ganz toll, aber sie müssen eben auch angenommen werden." Und das sei oft nicht der Fall. Er wünscht sich deshalb vor allem eine rigide Strafverfolgung und die Abschiebung nichtdeutscher Täter.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 03. August 2021 | 06:00 Uhr

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