Bildungsforschung Viele Grundschüler weisen Kompetenzlücken in Deutsch und Mathe auf

Ein Fünftel aller Grundschulabgänger weist erhebliche Mängel in den Fächern Deutsch und Mathematik auf. Bildungsforscher haben aufgrund ihrer Studienergebnisse einen Katalog mit Maßnahmen zusammengestellt, der Kitas und Grundschulen dabei helfen soll, Kinder künftig besser auf die weiterführenden Schulen vorzubereiten.

Ein Schulkind steht nachdenklich vor einer an der Wand aufgehangenen Zahlenreihe.
In Mathe und Deutsch haben viele Grundschüler große Schwierigkeiten. Bildrechte: IMAGO / Thomas Eisenhuth

Bildungsforscher sehen wegen der schlechten Deutsch- und Mathematik-Kompetenzen vieler Viertklässler und angesichts eines relevanten Anteils von Kindern mit Verhaltensauffälligkeiten dringenden Handlungsbedarf. Die "alarmierenden Befunde" entsprechender Studien müssten als Weckruf verstanden werden, schreiben die Wissenschaftler Felicitas Thiel und Michael Becker-Mrotzek in der Zusammenfassung zu einem wissenschaftlichen Gutachten für die Kultusministerkonferenz (KMK), das am Freitag in Berlin vorgestellt wurde.

In dem Gutachten werden 20 Maßnahmen empfohlen, die den Negativtrend an den Grundschulen umkehren sollen. Hintergrund sind der IQB-Bildungstrend, eine Studie, die im Abstand von fünf Jahren die Kompetenzen bei Viertklässlern repräsentativ untersucht, und die Kindergesundheitsstudie (Kiggs) des Robert Koch-Instituts.

Integration ist zusätzliche Herausforderung

Der Grundschule gelinge es in vielen Fällen nicht, grundlegende Kompetenzen an alle Kinder zu vermitteln, schreiben die SWK-Vorsitzenden Thiel und Becker-Mrotzek. Die Wissenschaftler sehen die Verantwortung jedoch nicht nur bei den Schulen: Es müsse in Rechnung gestellt werden, dass sich die Rahmenbedingungen für Bildung in den Einrichtungen in den vergangenen Jahren deutlich verändert hätten, heißt es in dem Gutachten.

Das gelte beispielsweise für den wachsenden Anteil an Kindern, deren Familiensprache nicht Deutsch sei. Das betrifft demnach jedes fünfte Kind in der Gruppe der Drei- bis Sechsjährigen. "Auch die Inklusion von Kindern mit besonderem Förderbedarf sowie die Integration neu zugewanderter Kinder stellen neue Anforderungen an Grundschullehrkräfte", heißt es weiter.

20 Prozent der Fünftklässler haben Schwierigkeiten in Deutsch und Mathe

Die Studien hatten gezeigt, dass etwa jeder fünfte Viertklässler Mindeststandards in Deutsch und Mathematik nicht erreicht und fast jedes vierte sieben- bis zehnjährige Kind ein erhöhtes Risiko für psychische Auffälligkeiten zeigt.

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Die Experten schlagen unter anderem vor, bereits in der Kita sprachliche und mathematische Kompetenzen stärker zu fördern, empfehlen Mindeststundenkontingente für Deutsch und Mathematik an den Grundschulen und regelmäßige Überprüfungen der Kinder durch "standardisierte Diagnoseverfahren" sowie eine stärkere Kooperation zwischen Eltern und Schule etwa durch halbjährliche verbindliche Entwicklungsgespräche.

Das Schulprogramm jeder Grundschule sollte zudem Konzepte zur Förderung "sozial-emotionaler Kompetenzen" enthalten. Grundschulen mit hohem Anteil an Kindern aus sozial schlechter gestellten Familien sollten zudem besonders gefördert werden, heißt es in dem Gutachten. Schulleitungen seien dazu angehalten, mehr Zeit in die Personal- und Schulentwicklung zu investieren, bei Bedarf sogar mithilfe einer Assistentenstelle.

Das Grundschulthema gehört momentan neben dem Lehrkräftemangel zu den brennendsten Themen der Bildungspolitik, denn es drohen langfristige negative Effekte: Grundschüler, die beim Übergang auf die nächsthöhere Schule nicht richtig lesen, verstehen, rechnen und schreiben können, werden es auch auf dem weiteren Bildungsweg bis hin zum Abschluss schwerer haben und wahrscheinlich auch im Leben insgesamt. In Zeiten von Arbeitskräfte- und Fachkräftemangel ist die Gesellschaft aber mehr denn je auf Nachwuchs mit guter Bildung und Ausbildung angewiesen.

dpa(amu)

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | Das Nachrichtenradio | 09. Dezember 2022 | 10:00 Uhr

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