Unwetter-Folgen Flutgebiete: Hilfsorganisationen rechnen mit längerem Einsatz

Mehr als 180 Tote, Dutzende Vermisste und viel zerstörte Infrastruktur - auch rund zwei Wochen nach der Flutkatastrophe sind Organisationen vor Ort noch viel mit akuter Hilfe beschäftigt. Die Caritas rechnet mit einem Einsatz von bis zu zwei Jahren.

THW-Helfer errichten in Bad Neuenahr eine Behelfsbrücke.
THW-Helfer errichten in Bad Neuenahr eine Behelfsbrücke. Bildrechte: dpa

Nach der Flut in Teilen Deutschlands stellen sich Hilfsorganisationen auf einen längeren Einsatz ein. Caritas International-Sprecher Dariush Ghobad sagte dem ZDF, der Einsatz könne bis zu zwei Jahre dauern. Durch Flutkatastrophen in den vergangenen Jahrzehnen hätten die Helfer gewisse Erfahrungswerte, was in den ersten zehn Tagen, den ersten sechs Wochen oder den kommenden Monaten erforderlich sei, erklärte Ghobad.

Aufräumarbeiten mit schwerem Gerät

Momentan sei akute Unterstützung durch Nahrungsmittel, Wasser- und Stromversorgung nötig. Wichtig seien auch finanzielle Zuschüsse für Geräte wie Bautrockner. Zudem organisiere man mit anderen Einrichtungen Urlaubsangebote für Kinder und Jugendliche. Sie müssten aus der schrecklichen Realität mal rauskommen.

Unterdessen werden rund 130 Bundeswehrsoldaten aus Havelberg in Sachsen-Anhalt in die Hochwassergebiete versetzt. Einsatzorte sind dem Landeskommando zufolge Bad Neuenahr in Rheinland-Pfalz und Rheinbach in Nordrhein-Westfalen. Bei den Aufräumarbeiten soll schweres Gerät helfen: Die Soldaten haben Räum- und Pionierpanzer sowie Planierraupen und andere Baumaschinen dabei. Der Einsatz ist vorerst für zwei Wochen geplant. Der Bundeswehr zufolge helfen derzeit etwa 2.000 Soldatinnen und Soldaten im Katastrophengebiet.

Malteser: Bis zu 12.000 Essensrationen täglich

Die Malteser haben nach einer ersten Zwischenbilanz bis zu 12.000 Essensrationen täglich ausgegeben. In den gut zwei Wochen wurden nach Angaben der Hilfsorganisation insgesamt 2.170 Helferinnen und Helfer an 32 Einsatzschwerpunkten in NRW und Rheinland-Pfalz eingesetzt.

Rund zwei Drittel der Hilfe leisteten sie der Bilanz zufolge im Bereich Sanitätsdienst und Betreuung. Die meisten Helfenden seien ehrenamtlich engagiert und hätten ihren Urlaub dafür genutzt oder seien von ihren Arbeitgebern freigestellt worden.

Jeder Fünfte nahm den Angaben zufolge zum Einsatzabschluss psychosoziale Nachbetreuung in Anspruch. Malteser-Präsident Georg Khevenhüller erklärte, man werde den Wiederaufbau in Abstimmung mit den Kommunen und Behörden sowie anderen Hilfsorganisationen langfristig unterstützen.

Mehr als 71 Millionen Euro bei ARD Spendenaktion

Bei der ARD Spendenaktion "Wir halten zusammen" ist die Summe unterdessen auf 71,3 Millionen Euro gestiegen. Auftakt war vorige Woche Freitag eine Fernseh-Gala. Der Betrag geht an die "Aktion Deutschland Hilft". Dort gingen seit dem 15. Juli insgesamt 149 Millionen Euro ein. Zum Vergleich: Beim Tsunami 2004 waren innerhalb von drei Monaten 126 Millionen Euro zusammengekommen.

Spenden für die Katastrophenhilfe Jeder, der möchte, kann schon jetzt für die Hilfe in den Flutgebieten spenden. Die ARD arbeitet dafür mit dem Bündnis "Deutschland hilft" zusammen.

Aktion Deutschland hilft

Kennwort: "ARD / Hochwasser"

IBAN für das Spendenkonto zur Hochwasserhilfe:

DE62 3702 0500 0000 1020 30

Quelle: dpa, KNA, AFP

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 30. Juli 2021 | 10:00 Uhr

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