Whatsapp-Kettenbrief Droht Eltern eine Strafe, wenn sie ihre Kinder nicht gegen Corona impfen lassen?

Angeblich sollen Eltern, die ihre Kinder nicht gegen Covid-19 impfen lassen wollen, künftig mit Geldstrafen oder sogar Zwangshaft bestraft werden. Auf Whatsapp kursiert ein derartiges Schreiben, das vom Bundesgesundheitsministerium stammen soll. Was ist da dran?

Auf einem Handy-Bildschirm ist das Symbol des Messengers WhatsApp zu sehen, über den oft Kettenbriefe verschickt werden.
Auf WhatsApp kursieren derzeit Gerüchte über eine angebliche Impfpflicht für Kinder und Strafen für Eltern. Bildrechte: IMAGO

Auf Whatsapp wird derzeit ein angebliches internes Schreiben des Bundesgesundheitsministeriums oft geteilt. Der Titel des Briefs:

Diskussionspapier zu Maßnahmen gegen Erziehungsberechtigte die bzgl. der Covid-19-Impfung ihrer Schutzbefohlenen eine ablehnende Verweigerungshaltung einnehmen

Whatsapp-Kettenbrief

Behauptung: Das Bundesgesundheitsministerium will Eltern bestrafen, die ihre Kinder nicht gegen Covid-19 impfen lassen und es will Kinder zwangsimpfen lassen.

Das Papier ist, so heißt es, "nur zur internen Verwendung" bestimmt und beschreibt einen Katalog an Strafmöglichkeiten, die von Verwarn- und Bußgeldern bis zu Zwangshaft und Zwangsimpfung von Kindern und Jugendlichen reichen.

Dieser Maßnahmenkatalog soll angeblich in einer Sitzung des Gesundheitsausschusses des Bundestags Anfang Juni diskutiert werden. Bei Zustimmung soll ein passendes Gesetz auf den Weg gebracht werden.

Ein angebliches Schreiben des Bundesgesundheitsministerium, das als WhatsApp-Rundbrief verschickt wurde.
In diesem Kettenbrief ist von Strafen für Eltern die Rede, wenn sie ihre Kinder nicht gegen Covid-19 impfen lassen wollen. Bildrechte: MDR

Analyse 1: Layout – Wie sieht das Schreiben aus?

Bei solchen Briefen lohnt es sich, zuerst immer einen Blick auf den Text an sich zu werfen. So zeigen Überschrift und Präambel einige Rechtschreib- und Kommafehler:

Präambel: sobald [wird groß geschrieben] geeignete Impfstoffe für diese Personengruppe freigegeben sind [Komma fehlt] ist das Impfen von Kindern und Jugendlichen gegen Covid-19 geplant. Leider zeigt sich die Tenden [-z fehlt] in Umfragen und sozialen Medien, das [dass mit -ss] viele Erziehungsberechtigte nicht bereit sind, Ihre [wird kleingeschrieben] Schutzbefohlenen gegen Covid-19 impfen zu lassen, daher [das wäre eigentlich ein neuer Satz] ist es notwendig, geeignete Maßnahmen zu ergreifen [Komma fehlt] um die Impfbereitschaft zu erhöhen oder die Impfung notfalls durchzusetzen.

Fehler in diesem Ausmaß sind ein Indiz, dass ein Schreiben nicht von einer Bundesbehörde stammt.

Briefkopf und Schriftart

Ein Blick auf den Briefkopf enthüllt auf den ersten Blick nichts Ungewöhnliches: Auf der Seite des Bundesgesundheitsministeriums ist oben links das gleiche Emblem mit Reichsadler und vertikalem, schwarz-rot-goldenem Balken zu sehen.

Die Bundesregierung verwendet jedoch für ihre Webseiten und offiziellen Schreiben ein eigenes sogenanntes Corporate Design, also hat sich auf bestimmte Grafiken und Schriftarten wie BundesSerif und BundesSans festgelegt. Auf die hat nicht jeder Zugriff. Deshalb ist es auffällig, dass bis auf den Schriftzug "Bundesministerium für Gesundheit" der Rest des Briefs in einer anderen Schriftart verfasst ist.

Analyse 2: Inhalt – Was steht in dem Schreiben?

Eine kurze Suche auf der Seite des Deutschen Bundestages ergibt, dass der im Brief erwähnte "Gesundheitsausschuss im Bundestag" in Wahrheit "Ausschuss für Gesundheit" heißt. Im Schreiben steht, dass die nächste Sitzung des Ausschusses am 1. Juni stattfinden soll. Auf der offiziellen Bundestagsseite ist für diesen Tag kein Treffen angesetzt – zu finden sind lediglich Einträge für Sitzungen am 27. Mai und am 7. Juni.

Zeit, beim Bundesgesundheitsministerium selbst nachzufragen, ob dieses Schreiben tatsächlich aus dem Ministerium stammt. Nein, teilte eine Sprecherin auf Anfrage von MDR AKTUELL mit. Es handele sich um eine Fälschung. Sie bestätigte zudem, dass Briefe des Ministeriums anders aussähen als das vorliegende Schreiben. Außerdem habe Bundesgesundheitsminister Jens Spahn mehrfach erklärt, dass es keine Impfpflicht für Kinder geben werde, sondern eine Impfung in jedem Fall freiwillig bleibe.

Fazit: Die Behauptung ist falsch.

Das angebliche Schreiben des Bundesgesundheitsministeriums stammt nicht aus dem Ministerium. Es ist eine Fälschung. Es gibt keine Planungen zu einem Strafkatalog für impfunwillige Eltern. Es ist keine Impfpflicht für Kinder und Jugendliche geplant. Übrigens gibt es im Zusammenhang mit Covid-19 auch keine gesetzlich geregelte Impfpflicht für Erwachsene in Deutschland.

Und wie steht es um die praktische Voraussetzung für die Impfung von Kindern und Jugendlichen? Derzeit ist in Deutschland nur der Impfstpff von Biontech/Pfizer für Jugendliche ab 16 Jahren zugelassen. Die Europäische Arzneimittelbehörde EMA prüft eine Zulassung des Biontech-Vakzins ab zwölf Jahren. Der Impfstoffhersteller Moderna hat angekündigt, Anfang Juni einen Antrag bei der EMA auf Zulassung seines Impfstoffs ebenfalls ab zwölf Jahren zu stellen.

Quelle: MDR AKTUELL

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 25. Mai 2021 | 16:45 Uhr

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