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Volle Stationen und der ständige Kampf ums Überleben der Patienten – das war Alltag für viele Pflegekräfte in den Hochphasen der Corona-Pandemie. Bildrechte: dpa

Corona-PandemieBisher kein Abgang von Pflegekräften

von Kristin Kielon, MDR AKTUELL

Stand: 21. August 2021, 06:14 Uhr

In den Hochphasen der Corona-Pandemie haben Pflegekräfte Unglaubliches geleistet und gelten zurecht als Heldinnen und Helden der Pandemie. Doch schon lange vor Corona gab es einen Mangel an Pflegekräften. Die Befürchtung: Die Pandemie könnte dazu führen, dass viele Pflegekräfte ihren Beruf aufgeben. Zwar trifft diese Befürchtung bisher nicht zu, dennoch werden mehr Gehalt sowie bessere psychologische Unterstützung für Pflegekräfte gefordert.

Die Meldungen in den Medien klangen im Frühjahr dramatisch: Tausende Pflegekräfte hätten während der ersten Corona-Welle die Krankenhäuser verlassen. Das zeigten Zahlen der Arbeitsagentur. Aber ist die Situation wirklich so dramatisch? "Wir sind dieser Frage natürlich auch nachgegangen und haben dann sehr schnell festgestellt, dass diese Botschaft so nicht zutrifft, denn die Zahlen, die damals veröffentlicht wurden, waren ein sehr untypischer Zeitraum", erklärt Gerald Gaß, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Krankenhausgesellschaft.

Pflegekräfte am Ende ihrer Kräfte

Es gebe da eine Wellenbewegung: Für die Abgänge im Frühjahr kämen im Herbst neue Absolventinnen und Absolventen hinzu. So sei die Personalsituation auch während der Pandemie gewesen. "Natürlich gibt es Einzelfälle, wo Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sagen, für uns war diese Belastung in der Pandemie persönlich so hoch, dass ich jetzt eine Auszeit brauche oder vielleicht sogar tatsächlich aus dem Beruf ausscheide", erzählt Gaß. Allerdings gebe es insgesamt nicht weniger Pflegekräfte – auch die Krankenhäuser würden das nicht melden.

Doch das könnte sich noch ändern, denn die Personalsituation in den Kliniken sei für das Pflegepersonal kaum auszuhalten, sagt Christine Vogler vom Deutschen Pflegerat. Es seien viele wirklich am Ende ihrer Kräfte. Das zeigte auch eine Befragung der Berufsverbände. Demnach überlegten 15 bis 30 Prozent der Pflegekräfte, ihre Arbeitszeiten zu reduzieren oder den Job zu verlassen, so Vogler. Viele Pflegenden würden demnach noch so lange bleiben, bis die akute Not und die Pandemie vorbei ist.

Traumatische Erfahrungen auf den Intensivstationen

Wie kann dieser drohende Exodus der Pflegekräfte gestoppt werden? Die Berufsverbände plädieren für eine bessere Bezahlung: 4.000 Euro Einstiegsgehalt lautet die Forderung. Unter dieser Summe möchte sie nicht mehr sprechen, sagt auch Pflegeratspräsidentin Vogler. Zum Vergleich: In Mitteldeutschland liegt das mittlere Einkommen von Pflegekräften im Krankenhaus bei derzeit rund 3.200 Euro.

Die geforderte Summe erscheint Friedrich München deshalb doch etwas hoch. Er ist stellvertretender Geschäftsführer der Krankenhausgesellschaft Sachsen. Er sagt, auch in Sachsen seien die Pflegekräfte noch nicht aus den Kliniken geflohen. Allerdings sieht auch er die Gefahr. Geld allein löse das Problem jedoch nicht. "Mit den Pflegekräften, mit denen ich gesprochen habe, die auch auf der Intensivpflege tätig sind, spielt nicht so sehr das Geld eine Rolle, sondern die zum Teil traumatischen Erfahrungen der hohen Sterbequote auf den Intensivstationen", erzählt München.

Bald 300.000 Pflegekräfte zu wenig

Die Pflegekräfte bräuchten deshalb mehr psychologische Unterstützung, findet München. Und er ergänzt: Selbst wenn die Kliniken 4.000 Euro monatlich zahlen wollten, ginge das derzeit nicht. Der Grund: Mit der Pflegereform wurden die Personalkosten aus den Fallpauschalen der Krankenkassen herausgenommen. Die Kliniken müssen das nun extra mit den Kassen verhandeln. Das sollte eigentlich mehr finanzielle Flexibilität schaffen. Doch laut München stellen die Krankenkassen sich jetzt quer: "Hier haben wir so einen Kleinkrieg mit den Krankenkassen in den Budgetverhandlungen, der dieses politische Versprechen ein bisschen zur Makulatur macht."

Und das ist ein Problem, denn Pflegekräfte werden dringend mehr gebraucht. Allein in den nächsten zehn Jahren gehen laut Pflegerat fast ein Drittel in Rente. Bundesweit fehlten dann mehr als 300.000 Pflegekräfte. Allein in Sachsen, so kalkuliert die Arbeitsagentur, fehlten bis 2030 mehr als 20.000 Pflegerinnen und Pfleger.

Dieses Thema im Programm:MDR AKTUELL RADIO | 21. August 2021 | 06:14 Uhr

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