Tarifkonflikt Bundesweite Kita-Warnstreiks am Frauentag

In mehreren Bundesländern gab es am Dienstag Warnstreiks an Kitas. Auch in Sachsen und Sachsen-Anhalt gab es Protestaktionen. Hintergrund ist der Tarifkonflikt mit den kommunalen Arbeitgebern, nach Angaben der Gewerkschaften auch der Weltfrauentag und die Bezahlung von Frauen.

Demonstration zum Kita-Warnstreik
Am Weltfrauentag haben Verdi und die GEW zu Warnstreiks aufgerufen. (Archivfoto) Bildrechte: dpa

In mehreren Bundesländern hat es am Dienstag Warnstreiks an Kitas gegeben. Aktionen gab es am Morgen unter anderem in Bayern, Hamburg, Niedersachsen und Bremen. Auch in Sachsen hatten Gewerkschaften zu Arbeitsniederlegungen aufgerufen. Laut Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) schrieben sich hier 800 Erzieherinnen und Erzieher in Streiklisten ein. Hunderte kamen auch zu Kundgebungen. In Halle beteiligten sich nach Angaben der GEW rund 250 Menschen an dem Ausstand.

Mit dem Warnstreik wollten die Gewerkschaften Druck auf die kommunalen Arbeitgeber machen. Am 21. März beginnt die zweite Runde der Tarifverhandlungen.

Mehr Geld und bessere Bedingungen

Bei den ersten Verhandlungen hätten die Arbeitgeber kein Entgegenkommen bei den Entlastungen gezeigt, hatte Verdi-Vizechefin Christine Behle vergangene Woche gesagt. Nach zwei Jahren der besonderen Herausforderungen durch die Coronavirus-Pandemie fühlten sich die rund 330.000 Beschäftigten nicht ernst genommen.

Schlechte Arbeitsbedingungen und geringere Gehälter sorgen Verdi zufolge für einen seit Jahren sich zuspitzenden Fachkräftemangel. In den Verhandlungen fordert die Gewerkschaft deshalb eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen und der Bezahlung, zudem Zeit für die Vor- und Nachbereitung pädagogischer Arbeit und einen Rechtsanspruch auf Qualifizierungen.

Bei dem Warnstreik ging es nach den Worten von Behle aber auch um die Gleichstellung von Frauen im Arbeitsleben. In den sozialen Berufen seien zu 83 Prozent Frauen beschäftigt. Daher rufe die Gewerkschaft am Weltfrauentag dazu auf.

Sachsen: Warnstreiks in den Städten

Die Linke in Sachsen forderte im Vorfeld, die Landeszuschüsse für Kitas deutlich anzuheben, um die Kommunen überhaupt in die Lage zu versetzen, in den laufenden Tarifverhandlungen eine Einigung zu erzielen.

Neben Verdi und GEW hatte auch der Sächsische Erzieherverband die Erzieherinnen und Erzieher zum ganztätigen Warnstreik aufgerufen. Das teilte der SEV gemeinsam mit dem dbb Beamtenbund am Freitag mit. In Leipzig waren Beschäftigte der Kinder- und Jugendhilfe, der Heilerziehungspflege und der Behindertenhilfe zum Warnstreik aufgerufen. In Dresden sollte es den Kita-Eigenbetrieb der Stadt treffen – sowie städtische Kitas auch in Chemnitz.

Die Chefin des Kita-Betriebs in Dresden, Sabine Bibas, kritisierte den Zeitpunkt als "sehr unsensibel": In der Ukraine sei Krieg und "wir bereiten uns gerade auf die Ankunft von Flüchtlingen mit ihren Kindern vor". Auch die Einschränkungen durch die Coronavirus-Pandemie gebe es weiter, weshalb das jetzt "und zum Auftakt der Tarifverhandlungen" aus ihrer Sicht den Eltern nicht zu vermitteln sei. Die Stadt Dresden hatte im Vorfeld angekündigt, auf ihrer Internetseite über die Auswirkungen des Streiks zu informieren.

Paul Schmidt, in Sachsen der Verdi-Bezirksfachbereichsleiter, verteidigte bei MDR AKTUELL den Warnstreik am Frauentag: Man wisse, dass das nicht überall auf Begeisterung stoße, habe aber diesen Tag gewählt, um Druck wegen der Entlohnung von Frauen zu machen. Das sei nötig, weil die Arbeitgeber sich bisher "nur Kleinigkeiten" vorstellen könnten, es aber nicht wieder zu wochenlangen Streiks kommen solle.

Sachsen-Anhalt: Konzentration auf Halle

In Sachsen-Anhalt konzentrierte sich der Warnstreik auf Halle. Dort beteiligten sich nach Angaben der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) bis zum Mittag rund 250 Menschen an der Aktion. Verdi-Landesbezirksleiter Oliver Greie sagte, der Tag sei nicht ohne Grund gewählt. Es seien überwiegend Frauen in der Kinderbetreuung, der Sozialarbeit und bei der Betreuung von Behinderten tätig. Sie verdienten bessere Bezahlung, bessere Arbeitsbedingungen und eine angemessene Wertschätzung.

Eine Frau mit einem Plakat mit der Aufschrift 'Eine Erzieherin ist wie ein Dessous: Spitzenqualität für ein Hauch von Nichts!' nimmt an Warnstreik teil.
Die Arbeitsbedingungen gerade von Erzieherinnen sollen verbessert werden. Bildrechte: dpa

Thüringen: "Kämpferische Mittagspause"

In Thüringen gab es keine Aufrufe zu den Warnstreiks. In Jena wurde allerdings unter dem Motto "Überlastet, Ungesehen, Un(ter)bezahlt" zur "kämpferischen Mittagspause" eingeladen und für den Nachmittag zu einer Kundgebung "Her mit dem ganzen Leben – raus zum 8. März".

MDR, dpa, AFP (ksc)

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 08. März 2022 | 06:30 Uhr

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