Kongress Arbeiten während der Pandemie

Teresa Liebig
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Die Arbeit nimmt bei den meisten Menschen einen großen Teil des Lebens ein, aber wahrscheinlich denken nur wenige intensiv über ihre Arbeitsbedingungen nach. Am Mittwoch beginnt ein digitaler Kongress, der sich mit vielen Fragen rund um Arbeitsschutz und Arbeitsbedingungen beschäftigt. Auf der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Arbeits- und Umweltmedizin geht es um Arbeiten in der Pandemie, psychische Belastungen am Arbeitsplatz und das Impfen.

Toralf Herschel, Referent Stadtverwaltung Leipzig, in einer Videokonferenz mit Kollegen
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Hans Drexler hat eine Devise beim Arbeiten: Zwischen 18 Uhr abends und sieben Uhr morgens liest er zwar E-Mails, verschickt selbst aber keine Mails an Mitarbeitende. Der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Arbeits- und Umweltmedizin will Kolleginnen und Kollegen nicht in die möglicherweise unangenehme Situation bringen, außerhalb der Kern-Arbeitszeiten antworten zu müssen. Solche Situationen könnten während der Corona-Pandemie häufiger entstehen.

Arbeiten von zu Hause, ohne feste Anwesenheitszeiten im Büro hat zugenommen. Mobiles Arbeiten sei deshalb eins der Schwerpunktthemen auf der Jahrestagung der Gesellschaft für Arbeits- und Umweltmedizin, sagt Hans Drexler: "Was neu hinzugekommen ist, ist natürlich das mobile Arbeiten und die Flut an Videokonferenzen. Das sind ganz neue Arbeitsformen. Hier wird man schon begleiten müssen, wie schaffen wir es, Arbeitszeit und Freizeit voneinander abzugrenzen, dass der Arbeitnehmer nicht 14 Stunden am Tag arbeiten muss?"

Pausenzeiten im Home Office nur schwer einhaltbar

Pauschale Empfehlungen seien dabei allerdings wenig hilfreich, weil da jeder Mensch anders sei: "Man wird die Resilienz der einzelnen Arbeitnehmer, die Widerstandsfähigkeit, steigern müssen, indem man ein Bewusstsein schafft: Achte auf deine Gesundheit. Schau, wie du deine Arbeit organisierst, aber vergiss bitte auch nicht deine Erholungsphasen", erklärt Drexler.

Das ist leichter gesagt als getan, sagt hingegen Anja Piel vom Bundesvorstand des Deutschen Gewerkschaftsbunds. Laut ihr schaffen es etwas ein Fünftel der mobil Beschäftigten nicht, vereinbarte Pausen- und Ruhezeiten einzuhalten. "Wir fordern als DGB, dass auch im Homeoffice Arbeitszeiten lückenlos erfasst werden müssen. Manchmal wird dann so ein Gespenst kreiert, dass man dann Stechuhren zuhaue brauche, das ist natürlich totaler Quatsch. Arbeitszeit lässt sich auch über Apps und in einer Cloud erledigen, also die zu erfassen und die festzumachen", stellt Piel klar.

Impfungen in Betrieben werden vorbereitet

Neben neuen Arbeitsformen wird auch das Impfen  gegen Covid-19 Thema auf dem Kongress sein, und zwar Impfungen durch Betriebsärztinnen- und ärzte. Hier müssten jetzt Weichen gestellt werden, sagt der Mediziner, Hans Drexler: "Wir müssen jetzt die Strukturen und Prozesse schaffen, dass zu dem Zeitpunkt, wenn wir vom Impfmangel in den Impfüberschuss kommen, dass wir dann dort im Betrieb denjenigen die Impfung anbieten, die deshalb nicht zum Hausarzt gehen würden."

Der Präsident der Gesellschaft für Arbeits- und Umweltmedizin rechnet damit, dass man im Verlauf des Sommers von einem Impfmangel in ein Impfüberangebot kommen werde. Das ändere sich auch nicht durch den aktuellen Impfstopp von Astrazeneca, sofern das Vakzin wieder zugelassen werde: "Dann wird es aber wichtig sein, dass der Arzt adäquat aufklärt, weil die Öffentlichkeit ja massiv verunsichert worden ist über diesen Impfstoff und das bereits seit Wochen."

Sobald in den Betrieben geimpft werden kann, hätte möglicherweise auch Thüringen einen Teil dazu beigetragen im Rahmen des Projekts "Gesund arbeiten in Thüringen". Hierbei dienten kleine und mittelständische Unternehmen im Freistaat als Modelle, um herauszufinden, wie beispielsweise Covid-19 Impfungen in Betrieben durchgeführt werden könnten.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 17. März 2021 | 06:54 Uhr

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