Kriminalitätsstatistik 2021 Weniger Einbrüche, mehr sexuelle Gewalt gegen Kinder

Tim Herden
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Rund fünf Millionen Straftaten sind im vergangenen Jahr in Deutschland registriert worden. Gegenüber dem Vorjahr bedeutet das einen Rückgang von fast fünf Prozent. Ursache für den Rückgang, gerade bei Diebstahl und Einbruch, waren nach Ansicht des Bundeskriminalamtes die Corona-Maßnahmen. Dafür gibt es aber einen dramatischen Anstieg bei sexueller Gewalt gegen Kinder und bei Cyberkriminalität.

Joachim Herrmann, Holger Münch und Nancy Faeser stellen vor der Bundespressekonferenz die Polizeiliche Kriminalstatistik 2021 vor.
Bayerns Innenminister Joachim Herrmann, BKA-Präsident Holger Münch und Bundesinnenministerin Nancy Faeser bei der Vorstellung der Kriminalitätsstatistik 2021. Bildrechte: dpa

Ginge es nach der Zahl der Krimis im deutschen Fernsehen wäre Deutschland ein Land, geplagt von Mord und Totschlag. Aber die Statistik des Bundeskriminalamtes (BKA) zeigt ein anderes Bild: Allein bei diesen Gewaltdelikten ist die Zahl 2021 um 12 Prozent auf 2.111 Fälle zurückgegangen. Allerdings sind die professionellen Ermittler bei weitem immer noch nicht so erfolgreich wie die Fernsehkommissare. Die Aufklärungsquote lag bei 58,7 Prozent. Insgesamt wurden knapp 1,9 Millionen Tatverdächtige in der Polizeilichen Kriminalstatistik erfasst, knapp ein Drittel waren nichtdeutscher Herkunft wie auch im Jahr davor.

Weniger Einbrüche, weniger Diebstähle

Durch die Corona-Pandemie und Maßnahmen wie Homeoffice sanken besonders die Wohnungseinbrüche um fast ein Drittel. Aber auch einfache Körperverletzung, Verstöße gegen das Waffengesetz oder Diebstahl von Fahrrädern nahmen deutlich ab. Das Bundeskriminalamt führt das auf Einschränkungen der Mobilität, der Präsenz im öffentlichen Raum und auch die Veränderung von Tatgelegenheiten während der Pandemie zurück.

Verstärkt Straftaten gegen Polizeibeamte

Stark nahm dagegen auch durch die Ablehnung der Corona-Maßnahmen die Zahl der Delikte gegen Vollstreckungs- und Polizeibeamte zu. Insgesamt stieg die Zahl der betroffenen Beamten um 3.800 auf insgesamt 89.094 Opfer. Vor allem die Tatbestände der Bedrohung (+ 22,4 Prozent) sowie gefährlichen und schweren Körperverletzung (+ 11 Prozent) verzeichneten deutliche Zuwächse. 

Dramatischer Anstieg bei sexueller Gewalt gegen Kinder 

Für das BKA bedenklich ist die anhaltend dramatische Entwicklung bei sexueller Gewalt gegen Kinder und der Verbreitung von Bildern und Filmen, auf denen sexuelle Gewalt an Kindern zu sehen ist. Zwar gab es in den letzten Jahren spektakuläre Ermittlungserfolge, doch auch hier spielte Corona möglicherweise eine Rolle. Die mangelnde öffentliche Aufmerksamkeit durch Quarantänemaßnahmen in Schulen und Kindereinrichtungen könnte den Anstieg bei sexuellem Missbrauch von Kindern begünstigt haben. Hier wurden 15.507 Fälle registriert, 1.000 mehr als 2020. Davon konnten 13.317 aufgeklärt werden, immerhin eine Aufklärungsquote von knapp 86 Prozent.

US-Behörden unterstützen bei Ermittlungen

Der Anstieg beim Straftatbestand Kinderpornografie hängt besonders mit Erfolgen amerikanischer Behörden zusammen, die ihre Erkenntnisse den deutschen Polizeibehörden zur Verfügung stellen. Damit gab es mehr als eine Verdopplung der Zahl der Straftaten von 18.761 im Jahr 2020 auf 39.171 im vergangenen Jahr.

Faeser will Druck auf Täter mit Hilfe von KI erhöhen

Nancy Faeser (SPD), Bundesinnenministerin
Bekämpfung von Kindesmissbrauch hat für Bundesinnenministerin Nancy Faeser oberste Priorität. Bildrechte: dpa

Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) kündigte an, die "Bekämpfung des sexuellen Missbrauchs von Kindern und der Verbreitung von abscheulichen Missbrauchs-Fotos und Videos über das Internet" zu verstärken. So solle die Daten-Auswertung unter anderem durch das BKA deutlich verbessert werden, "auch durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz".

Mein Ziel ist klar: Kein Täter darf sich sicher fühlen.

Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD)

Sorge über zunehmende Veröffentlichungen unter Kindern und Jugendlichen

Sicher ist eine Aufklärungsquote von fast 92 Prozent im Bereich der Verbreitung von Missbrauchsdateien über das Internet ein Erfolg. Aber Sorge bereitet der Polizei der Trend unter Kindern und Jugendlichen, ohne Kenntnis der strafrechtlichen Konsequenzen jugendpornografische Bilder in Chats wie WhatsApp, Instagram, Snapchat, Facebook zu verbreiten.   

Nur wenige gelöste Fälle von Cyberkriminalität

Erneut angestiegen sind auch die Fallzahlen im Deliktbereich Cybercrime um 12,3 Prozent auf 146.363 Straftaten. Hier liegt allerdings die Zahl der aufgeklärten Fälle mit knapp 30 Prozent weit unter dem Durchschnitt. Die Täter sind meist für die Ermittler nicht zu erreichen, weil sie im Ausland leben oder im Netz ihre Identität verschleiern können. Dabei bleiben Straftaten beim Warenkreditbetrug der häufigste Tatbestand.  

BKA-Chef: Entwicklung in ein "digitales Dunkelfeld"

Sowohl BKA-Präsident Holger Münch als auch der Chef der Innenministerkonferenz (IMK), der bayerische Ressortchef, Joachim Hermann, sehen in der Bekämpfung der Cyberkriminalität die größten Herausforderungen für die Zukunft. Münch zufolge gibt es eine beschleunigte strukturelle Veränderung der Kriminalität "aus einem analogen Hellfeld in ein digitales Dunkelfeld".

Um Schritt zu halten, müssen wir den digitalen Wandel in der Polizeiarbeit vorantreiben.

Hermann kündigte zudem an, Hass und Hetze im Internet stärker zu verfolgen.

Quellen: IMK, BKA, Tim Herden

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 05. April 2022 | 15:30 Uhr

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