Digitaler Unterricht Lehrerausbildung in der Pandemie "überspringt zehn Jahre"

MDR-Volontär 2019/2021 Robin Hartmann
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Rund die Hälfte des Präsenzunterrichts ist in den Schulen in Deutschland seit März 2020 ausgefallen, mahnt der Lehrerverband. Die neuen Lernformen Homeschooling und Distanzunterricht sind da zwar eine Hilfe, haben aber auch ihre Tücken – wie zusammenbrechende Server oder überforderte Lehrkräfte. Deshalb müssen die Lehramtsstudierenden besser auf solche Situationen vorbereitet werden. Auch die sächsischen Lehramts-Unis müssen die Ausbildung anpassen.

Eine Lehrerin sitzt mit ihren drei Kindern im Wohnzimmer, unterrichtet ihre Schüler einer Berufsschule im Distanzunterricht und hilft ihren Kindern bei ihren Aufgaben für die Schule.
Unterrichten per Videokonferenz – für viele Lehrkräfte war das eine enorme Umstellung und Herausforderung. Bildrechte: dpa

14 Monate Corona-Pandemie haben die Schulen ordentlich durchgeschüttelt. Wechselunterricht, Distanzunterricht, Tele-Learning – Lernformen, die vorher nur wenige kannten, sind plötzlich in aller Munde. Das Geschehen an den Schulen wird dabei auch von den sächsischen Universitäten genau verfolgt. An den Technischen Universitäten in Dresden und Chemnitz sowie an der Uni Leipzig wird die nächste Generation von Lehrerinnen und Lehrern ausgebildet. Sie sollen noch besser auf Lehrkonzepte abseits von Frontal- und Präsenzunterricht vorbereitet sein, auch um mit Ausnahmesituationen wie der aktuellen umgehen zu können.

Digitaler Unterricht als neues Uni-Modul

Laut Jürgen Ronthaler, Direktor des Zentrums für Lehrerbildung und Schulforschung an der Universität Leipzig, ist das ein rasanter Fortschritt: "Also ich nehme an, in zehn Jahren wären wir möglicherweise auch soweit, wenn wir es regulär entwickelt hätten, aber wir überspringen da in dem Kompetenzerwerb und der Entwicklung gerade zehn Jahre."

Viele der neuen Unterrichtsformen würden jetzt in den Unis verwendet werden, da auch das Lehramtsstudium nicht mehr in Präsenz stattfinde. Die Erfahrungen, die die Studierenden in der Universität sammelten, könnten sie direkt bei ihren Praxiseinsätzen an den Schulen anwenden. Zwar seien die Ausbildungspläne der Universitäten aufgrund der Pandemie nicht umgestellt worden, allerdings sei die Digitalisierung des Unterrichtes ein Thema, welches jetzt besonders im Fokus stehe.

So wird laut Ronthaler ab Herbst ein neues Modul für Lehramtsstudierende Pflicht: "Da kriegen die Studentinnen und Studenten als eine zweistündige Vorlesung" – mit medienpädagogischen und Digitalisierungskonzepten sowie Hardware-Wissen. "Und dazu gibt's dann noch Seminare." Diese zentrale Veranstaltung, die für alle Lehramtsstudierenden Pflicht werde, ziele insbesondere auf die Grundvermittlung von Kompetenzen zum digitalen Unterrichten ab.

Präsenzunterricht findet weiterhin statt

Dennoch würden auch in Zukunft digitale Konzepte Unterrichtsräume nicht komplett ablösen, sagt Meike Breuer, Direktorin des Zentrums für Lehrerbildung an der TU Chemnitz. In Chemnitz werden Grundschullehrer und Grundschullehrerinnen ausgebildet. Ihr Beruf unterscheide sich noch ein bisschen stärker von dem der anderen Lehramtsstudierenden. Denn Grundschüler müssten erstmal das Lernen lernen, Erfahrungen im Klassenverband sammeln, sich auch von Mitschülern Dinge abschauen.

Das auf Distanz zu vermitteln, sei sehr schwierig, sagt Breuer: "Zudem spielt in den jüngeren Klassen natürlich auch die Bindung an die Lehrkraft noch eine ganz andere Rolle, weil man eben nicht nur Lehrkraft ist, sondern auch eine zentrale Bezugsperson, gerade in den Anfangsklassen." Da sei der persönliche Kontakt noch einmal viel wichtiger als in höheren Klassen. Technische Neuerungen seien daher ein wichtiges Mittel um den Unterricht zu ergänzen. Aber eine gänzlich durchdigitalisierte Lehre ohne den Klassenverband sieht an den sächsischen Universitäten auch in Zukunft niemand kommen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 20. Mai 2021 | 06:12 Uhr

1 Kommentar

Storch Heiner vor 22 Wochen

Corona macht möglich wovon davor nur manche traumten. Schule und Studium von dahom, Schulverweigerer und cronisch Schwänzende sehnen sich plötzlich nach Schule und MitschülerInnn - ein Traum für viele Lehrer die schon an ihrer Berufung zweifelten.
Wie war was unsere klug und weitsichtige Kanzlerin Anfang 2020 sagte:
nach Corona wird user aller Leben ein anderes sein, billig wird es nicht

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