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MDRfragt - Das Meinungsbarometer für Mitteldeutschland

Befragung: Zwei Drittel für Impfpflicht bei Gesundheits- und Bildungspersonal

von MDRfragt-Redaktionsteam

Stand: 20. Juli 2021, 05:00 Uhr

Eine mögliche Impfpflicht in Deutschland wird zurzeit heiß diskutiert. Der Großteil der MDRfragt-Mitglieder ist sich einig: Zwei Drittel sagen "ja" zur Impfpflicht für das Personal im Gesundheitswesen und in Schule und Kitas. Bei der Impfpflicht für alle gehen die Meinungen allerdings stärker auseinander. Hier stimmt nur etwas über die Hälfte zu. Das ist das Ergebnis der aktuellen Befragung von MDRfragt, an der sich knapp 24.000 Menschen aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen beteiligt haben.

Rund zwei Drittel der Befragungsteilnehmerinnen und -teilnehmer würden eine Impfpflicht für bestimmte Berufsgruppen befürworten. So sind 67 Prozent für eine Impfpflicht für Gesundheits- und Pflegepersonal und 65 Prozent für eine Impfpflicht für Personal an Schulen und Kitas. Bei einer generellen Impfpflicht für alle, die sich impfen lassen können, sind die Zustimmungswerte allerdings geringer. Diese befürworten nur 53 Prozent.

Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die unterschiedlichen Ansichten werden auch in den Kommentaren deutlich, die uns MDRfragt-Mitglieder geschickt haben:

In der DDR gab es eine Impfpflicht. Dadurch konnten viele Krankheiten eingedämmt oder gar ausgerottet werden, die leider nach der Wende wieder zurückgekommen sind, z.B. TBC, Masern usw.

39-jähriger Teilnehmer aus Leipzig

Die Verantwortung sollte bei jedem selber liegen. Mit einer Impfpflicht erreicht man nur noch mehr Unruhe und züchtet noch mehr Querdenker heran.

52-jährige Teilnehmerin aus der Börde

Jeder ist selbst Herr/Frau/Divers über seinen Körper. Selbstbestimmungsrecht, wie es das Grundgesetz vorschreibt, sollte unantastbar sein!

35-jähriger Teilnehmer aus Leipzig

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Wie stehen Sie zum Impfen?

Mehr Anreize fürs Impfen gefordert

Die Impfkampagne ist aktuell ins Stocken geraten. Es gibt mittlerweile mehr Impfstoff als Interessenten für eine Impfung. Ein Großteil ist der Ansicht, dass die Bundesregierung mehr dafür tun sollte, damit sich Menschen freiwillig impfen lassen:

Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Generell gegen mehr Engagement der Bundesregierung, damit sich mehr Menschen für eine Impfung entscheiden, sind 26 Prozent.

Kinderimpfung: Rund ein Drittel befürwortet sie

Aktuell gibt es von der Ständigen Impfkommission (Stiko) keine allgemeine Empfehlung für die Impfung von Kindern zwischen 12 und 16 Jahren. Eltern können ihre Kinder aber freiwillig impfen lassen. 35 Prozent aller MDRfragt-Teilnehmerinnen und -Teilnehmer befürworten die Impfung von Kindern gegen das Coronavirus. Je rund ein Fünftel findet dagegen, sie sollte erst vorgenommen werden, wenn es Langzeitstudien gibt oder wenn es eine allgemeine Empfehlung seitens der Stiko gibt. Generell dagegen sind 20 Prozent.

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Hierzu haben uns viele Kommentare unserer Mitglieder erreicht:

Covid macht um die Jugend keinen Bogen. Wenn das neue Schuljahr anders laufen soll, sind Impfungen dringend notwendig.

68-jähriger Teilnehmer aus Sächsische Schweiz-Osterzgebirge

Da bekannt ist, dass Jugendliche und Kinder keine schweren Verläufe haben, ist die Diskussion hinfällig.

35-jähriger Teilnehmer aus Leipzig

Erwachsene sollten den Mut haben, sich zum Schutz der Kinder impfen zu lassen und nicht umgekehrt.

73-jähriger Teilnehmer aus Bautzen

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Braucht es mehr Impfanreize?

Eltern zögerlicher bei Impfung ihrer Kinder

Diejenigen, die derzeit selbst Eltern eines Kindes zwischen 12 und 16 sind, haben wir gefragt, ob sie ihr Kind impfen lassen werden:

Viele der Eltern haben uns ihre Meinung als Kommentare geschrieben:

Kinder stellen keine Gefährdung dar, warum sollen sie dann einen mRNA-Impfstoff erhalten? Zumindest nicht, bevor definitiv geklärt ist, ob es Auswirkungen auf die Fruchtbarkeit gibt.

45-jähriger Vater aus dem Erzgebirgskreis

Das Risiko an Corona zu erkranken, ist um ein Vielfaches höher, als Nebenwirkungen durch eine Impfung. Ich verstehe die Stiko nicht, sie setzt unsere Kinder einem zu großen Erkrankungsrisiko mit Corona aus, anstatt Verantwortung zu übernehmen.

48-jährige Mutter aus dem Landkreis Leipzig

Es gibt keine Studien zu den möglichen Nebenwirkungen und wie die Impfung langfristig auf den Körper wirkt, zumal unklar ist, in welchen Abständen nachgeimpft werden muss. Letztlich ist das Ganze meines Erachtens nach ein Experiment am lebenden Objekt.

49-jähriger Vater aus dem Burgenlandkreis

Maskenpflicht beim Einkaufen: Knappe Mehrheit lehnt den Wegfall ab

Seit Freitag besteht in Sachsen keine Maskenpflicht mehr beim Einkaufen bei einer Inzidenz unter 10. Auch andere Bundesländer diskutieren darüber. Die knappe Mehrheit (55 %) findet es nicht richtig, dass die Maskenpflicht beim Einkaufen wegfällt. 45 Prozent befürworten es.

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In Thüringen und Sachsen-Anhalt ist die Ablehnung des Wegfalls der Maskenpflicht deutlich größer als in Sachsen, wo diese Entscheidung bereits getroffen wurde.

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Dass das Thema für Diskussionsstoff sorgt, wird auch in den Kommentaren unserer Teilnehmerinnen und Teilnehmer deutlich:

Aufgrund der großen Bedeutung von Aerosolinfektionen halte ich die Maskenpflicht für eine recht einfache und wenig einschneidende, aber sehr effektive Maßnahme, um die Pandemie einzudämmen. Die Wiederherstellung der Möglichkeit zur uneingeschränkten Pflege sozialer Kontakte hat für mich höhere Priorität, als die Abschaffung der Maskenpflicht.

24-jähriger Teilnehmer aus Halle

Ich werde immer einen Mund-Nasen-Schutz in Geschäften und anderem öffentlichen Raum (innen und außen) tragen.

39-jähriger Teilnehmer aus Leipzig

Ich bin seit April 2x mit Biontech geimpft. Deshalb möchte ich meine rechtliche Freiheit zurück.

70-jährige Teilnehmerin aus dem Vogtlandkreis

Hälfte will Mund-Nasen-Schutz in Geschäften künftig weiterhin tragen

Auch, wenn keine Pflicht zum Tragen mehr besteht, will rund die Hälfte (52 %) der MDRfragtMitglieder, die an der Befragung teilgenommen haben, weiter einen Mund-Nasen-Schutz beim Einkaufen tragen. 46 Prozent schließen das für sich aus.

Mehrheit lehnt neuen Lockdown bei steigenden Infektionszahlen ab

Die Mehrheit (58 %) lehnt einen weiteren Lockdown auch bei stark ansteigenden Infektionszahlen ab. 41 Prozent würden ihn befürworten.

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Mit 67 Prozent ist vor allem die Gruppe der 30- bis 49-Jährigen dagegen. Bei den jüngsten und ältesten Befragungsteilnehmerinnen und -teilnehmern sind die Anteile derjenigen, die ihn befürworten und derjenigen, die ihn ablehnen würden, ungefähr ausgeglichen.

Zuversicht bezüglich Corona-Ende wieder deutlich gesunken

Nachdem im Juni erstmals seit einem Jahr wieder die Mehrheit der MDRfragt-Mitglieder optimistisch war, dass die Corona-Krise bald überstanden ist, hat sich nun wieder eine Trendwende vollzogen: Derzeit sind fast zwei Drittel (64 %) pessimistisch, was das Ende der Corona-Krise angeht. Lediglich 36 Prozent zeigen sich aktuell zuversichtlich.

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Die Befragungsergebnisse zum Herunterladen

Über diese BefragungDie Befragung vom 15.-19.07.2021 stand unter der Überschrift: "Impfdruck erhöhen, Sorglosigkeit oder Lockdown: Wie weiter mit der Delta-Variante?"

An der Befragung haben 23.981 Menschen teilgenommen. Aktuell sind bei MDRfragt 46.708 Menschen aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen angemeldet.

Verteilung nach Altersgruppen:
16 bis 29 Jahre: 420 Teilnehmende
30 bis 49 Jahre: 4.238 Teilnehmende
50 bis 64 Jahre: 10.078 Teilnehmende
65+: 9.245 Teilnehmende

Verteilung nach Bundesländern:
Sachsen: 12.262 (51 Prozent)
Sachsen-Anhalt: 6.097 (25 Prozent)
Thüringen: 5.622 (23 Prozent)

Verteilung nach Geschlecht:
Männlich: 52 Prozent
Weiblich: 47 Prozent

Die Befragungen sind nicht repräsentativ, aber sie werden nach statistischen Merkmalen wie Geschlecht, Bildung und Alter gewichtet. Die Gewichtung ist eine Methode aus der Wissenschaft bei der es darum geht, die Befragungsergebnisse an die real existierenden Bedingungen anzupassen. Konkret heißt das, dass wir die Daten der Befragungsteilnehmer mit den statistischen Daten der mitteldeutschen Bevölkerung abgleichen.

Wenn also beispielsweise mehr Männer als Frauen abstimmen, werden die Antworten der Männer weniger stark, die Antworten der Frauen stärker gewichtet. Die Antworten verteilen sich dann am Ende so, wie es der tatsächlichen Verteilung von Männern und Frauen in der Bevölkerung Mitteldeutschlands entspricht.

Dabei unterstützt ein wissenschaftlicher Beirat das Team von "MDRfragt". Mit dem MDR Meinungsbarometer soll ein möglichst breites Stimmungsbild der Menschen in Mitteldeutschland eingefangen werden – mit möglichst vielen Teilnehmenden.

Dieses Thema im Programm:MDR FERNSEHEN | MDR Aktuell | 20. Juli 2021 | 21:45 Uhr