#MDRklärt Impfstoff-Zulassung und Impfdurchbrüche: Antworten auf aktuelle Corona-Fragen

Rund um die Pandemie haben täglich viele Nutzerinnen und Nutzer Fragen zum Thema Corona. Ersetzt ein gutes Immunsystem die Corona-Impfung? Stimmt es, dass vor allem Geimpfte das Virus verbreiten? Oder: Wie sicher war das Zulassungsverfahren? MDRklärt hat die Antworten zusammengetragen.

Impfen und Co.: Meinungen von User*innen zu Corona im Fakten-Check
Nutzerinnen und Nutzer haben immer noch viele Fragen zu Corona und Impfungen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK/IMAGO / Bihlmayerfotografie

Ersetzt ein fittes Immunsystem eine Corona-Impfung?

Fakt ist, auch junge, gesunde Menschen mit einem völlig intakten Immunsystem können an Corona erkranken. Insofern bietet das körpereigene Schutzsystem keine Sicherheit vor einer Infektion.

"Es gibt Hinweise darauf, dass eine funktionierende Immunabwehr direkt nach der Ansteckung eine Rolle spielt", sagt Carsten Watzl, Immunologe an der TU Dortmund. Doch sicher könne man nicht sein. Das Immunsystem sei – wenn überhaupt – nur einer von vielen Faktoren, die noch gar nicht alle bekannt seien.

#MDRklärt Impfen und Co.: Meinungen von Nutzerinnen und Nutzern zu Corona im Check

Impfen und Co.: Meinungen von User*innen zu Corona im Fakten-Check
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK/IMAGO / Bihlmayerfotografie
Impfen und Co.: Meinungen von User*innen zu Corona im Fakten-Check
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK/IMAGO / Bihlmayerfotografie
Eine Studie der Charité Berlin und des Max-Delbrück-Centrums zeigt, dass das Corona-Virus einen Mechanismus des Immunsystem benutzt, der eigentlich zur Abwehr da ist. Das Virus entere immer mehr Zellen, um sich dort zu vermehren.  Immunologe Carsten Watzl sagte tagesschau.de, in diesem Stadium ist nicht mehr das Virus der Bösewicht, sondern das Immunsystem selbst". Deshalb werden in dieser Phase der Erkrankung auch immununterdrückende Medikamente zur Behandlung gegeben.
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
#2 Vor allem Geimpfte verbreiten das Virus.   In der Summe ist das Risiko, dass Menschen trotz Impfung PCR-positiv werden und das Virus übertragen, auch unter der Deltavariante deutlich vermindert.  Es muss jedoch davon ausgegangen werden, dass Menschen nach Kontakt mit SARS-CoV-2 trotz Impfung PCR-positiv werden und dabei auch infektiöse Viren ausscheiden. Dabei können diese Menschen Symptome haben oder nicht.  Allerdings lässt der Impfschutz über die Zeit nach und die Wahrscheinlichkeit, trotz Impfung PCR-positiv zu werden, nimmt zu.
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
#3 Der Impfstoff hat nur eine Not-Zulassung.  04.06.2021, 12:08 Uhr Corona: So läuft das Zulassungsverfahren für Impfstoffe ab br24 Bedingte Markzulassung vs. Notfallzulassung Eine bedingte Marktzulassung gilt nur für ein Jahr und kann erneuert werden. Sie unterliegt einer engmaschigen Kontrolle, bis eine reguläre Zulassung erteilt wird. Dabei werden weitere Daten gesammelt und die Sicherheit des Impfstoffs überwacht. Der Hersteller muss durch weitere Studien zeigen, dass das Nutzen des Impfstoffs das Risiko von Nebenwirkungen weiterhin übersteigt.  Eine bedingte Zulassung ist von einer sogenannten "Notfallzulassung" (falsch: "Notzulassung") zu unterscheiden. Bei der Notfallzulassung handelt es sich nicht um eine Zulassung des Impfstoffs, sondern um eine "Zulassung der vorübergehenden Anwendung eines nicht zugelassenen Impfstoffs". Eine (bedingte) Marktzulassung dauert in der Regel auch länger als eine Notfallzulassung. Diese Unterschiede haben auch Auswirkungen auf die Haftung. Bei einer bedingten EU-Marktzulassung haftet der Pharmakonzern. Er ist für den Impfstoff und die sichere Verwendung zuständig. Eine bedingte Marktzulassung gilt nur für ein Jahr und kann erneuert werden. Bei einer Notfallzulassung sind die betreffenden EU-Mitgliedstaaten verpflichtet, den Pharmahersteller aus der Haftung auszunehmen.
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
#4 Ich warte auf einen Tot-Impfstoff, der ist sicherer.  Coronavirus: Wie sicher sind die Totimpfstoffe? Stand: 09.11.2021 16:03 Uhr Wirksamkeit: mRNA-Impfstoffe schützen besser als Totimpfstoffe Wie sicher und wirksam der Totimpfstoff tatsächlich ist, müssen erst noch Studien zeigen. Erste kleine Vergleichsstudien zwischen Valneva und AstraZeneca aus Großbritannien zeigen zumindest einen relativ guten Schutz vor Krankenhauseinweisungen durch den Totimpfstoff.
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Texttafel: "Mehr Erklärgrafiken und -videos auf Instagram @mdrklaert"
MDR/Maximilian Fürstenberg

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE am 10.11.2021 | 19:00 Uhr
Bildrechte: MDR/Max Schörm
Alle (6) Bilder anzeigen

Wie sicher sind die Corona-Impfstoffe?

Manche Menschen haben Bedenken, was die Corona-Impfung angeht, gerade, was fehlende Langzeitstudien betrifft. An den genbasierten mRNA-Impfstoffen, die auf einer neuartigen Technologie beruhen, arbeiten Forscher aber schon seit Jahrzehnten.

Die Corona-Pandemie beschleunigte die Entwicklung enorm: Plötzlich gab es viel mehr Geld, Wissenschaftler stürzten sich weltweit auf das Thema. Auch andere Vektor-Impfstoffe kamen rasch auf den Markt. In Deutschland seien über 100 Millionen und weltweit über sechs Milliarden Dosen an Corona-Impfstoffen verabreicht worden, sagt Watzl dazu.

Daher kenne man bereits mögliche seltene Nebenwirkungen bei Vektor-Impfstoffen wie Sinusvenenthrombosen. Dabei kommt es zu einem Verschluss bestimmter Venen im Gehirn. Die gesundheitlichen Risiken bei Covid-Infektionen seien jedoch viel, viel größer als bei Impfungen, sagt Dirk Brockmann von der Berliner Humboldt-Universität.

Warum kann man trotz Impfung an Corona erkranken?

Im Kampf gegen die Corona-Pandemie bieten alle bisher in Europa zugelassenen Impfstoffe einen hohen Schutz. Je nach Impfstoff verringern die mRNA-Präparate von Biontech/Pfizer und Moderna die Gefahr, an Covid-19 zu erkranken, gegen ursprüngliche Corona-Varianten um bis zu 95 Prozent.

"Impfstoffe gegen das Coronavirus Sars-CoV-2 verhindern, an Covid-19 zu erkranken, und bieten einen hochwirksamen Schutz vor schweren Krankheitsverläufen", heißt es bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Ihr Nutzen überwiege mögliche Risiken bei weitem. Doch selbst wenn die Impfstoffe das Risiko, an Covid-19 zu erkranken, deutlich reduzieren, gibt es keinen hundertprozentigen Schutz. 

Wie bei anderen Viren auch kann es zu sogenannten Impfdurchbrüchen kommen. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich jemand trotz vollständiger Impfung mit dem Coronavirus infiziere und Symptome entwickle, sei "niedrig, aber nicht Null", betont das Robert-Koch-Institut (RKI). Dass Impfstoffe bei jüngeren Menschen in der Regel effizienter wirken, hat Forschenden zufolge vor allem mit der im Alter nachlassenden Immunreaktion zu tun. Diese sei nach der Impfung "deutlich verzögert" und erreiche nicht das Niveau von Jüngeren, teilte die Berliner Charité in einer Studie mit.

Verbreiten nur geimpfte Personen das Virus?

In der Summe ist das Risiko, dass Menschen trotz Impfung PCR-positiv werden und das Virus übertragen, auch unter der Deltavariante deutlich vermindert. Es muss jedoch davon ausgegangen werden, dass Menschen nach Kontakt mit SARS-CoV-2 trotz Impfung PCR-positiv werden und dabei auch infektiöse Viren ausscheiden. Dabei können diese Menschen Symptome haben oder nicht.

Zudem lässt der Impfschutz über die Zeit nach und die Wahrscheinlichkeit, trotz Impfung PCR-positiv zu werden, nimmt zu. Das Risiko, das Virus möglicherweise auch unbemerkt an andere Menschen zu übertragen, muss durch das Einhalten der Infektionsschutzmaßnahmen zusätzlich reduziert werden.

Macht die schnelle Zulassung des Corona-Impfstoffs das Präparat unsicher?

Anders als etwa in Großbritannien oder den USA gab es in der EU keine Notfallzulassung. Stattdessen setzt Europa auf eine sogenannte bedingte Marktzulassung. Der Unterschied: Bei einer bedingten Marktzulassung wird umfassender geprüft und die Hersteller tragen mehr Verantwortung für die Sicherheit des Medikaments.

Angesicht der Pandemie-Lage wurde der Zulassungsprozess für die Corona-Impfstoffe allerdings beschleunigt – es gilt ein sogenanntes Rolling-Review-Verfahren. Dabei können Arzneimittelhersteller schon vor dem vollständigen Zulassungsantrag einzelne Berichte über die Qualität, Unbedenklichkeit und Wirksamkeit ihres Präparats einreichen. Es werden also bereits während der Entwicklung neue Erkenntnisse geprüft, nicht erst ganz am Ende.

Das macht das Verfahren schneller, aber nicht unsicherer: "Ein Rolling Review und ein beschleunigtes Bewertungsverfahren bedeuten nicht, dass es Abstriche hinsichtlich der Sorgfalt bei der Prüfung geben wird", schreibt das für Impfstoffe und Arzneimittel zuständige Paul-Ehrlich-Institut.

MDR/Hannes Leonard

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 10. November 2021 | 17:00 Uhr

1 Kommentar

Nelke vor 11 Wochen

Jahrzehnte der gepflegten Langsamkeit und schlimmer Unfähigkeit sind vorbei ! Nun dauern Entwicklung und Test eines neuartigen Impfstoffs nicht mehr mindestens 5 bis 6 Jahre wie in den Jahrzehnten zuvor. Die schöne neue Welt ist endlich da. Allerdings wundere ich mich über die bewußt naive Frage, ob ein fites Immunsystem eine Corona-Impfung ersetzt. Diese Frage stellen sich so wohl die Wenigsten. Die interessierende Frage ist, wie sich eine so hohe Impfquote mitten in der Pandemie auf die Evolution des SARS-Cov-2 Virus auswirkt. Als zunächst die Älteren ab 60+ weitgehend geimpft waren, verlagerte sich der Schwerpunkt ernsterer Erkrankungen auf die jüngeren Jahrgänge. Bemerkenswert ist der Satz
"Doch sicher könne man nicht sein. Das Immunsystem sei – wenn überhaupt – nur einer von vielen Faktoren, die noch gar nicht alle bekannt sind." Zugleich wird aber täglich gebetsmühlenartig die Aussage wiederholt, Langzeitschäden könne es gar nicht geben. Gibt es nicht oder wird nicht anerkannt ?

Mehr aus Deutschland

Ein Gabelstapler transportiert etwas. 1 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Politologe Werner Patzelt 4 min
Bildrechte: dpa