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Wer raucht, kann sein Leben verkürzen – vor allem wer früh damit anfängt. Bildrechte: dpa

WeltnichtrauchertagMehr Deutsche rauchen und die Tabakindustrie schadet der Umwelt

von MDR AKTUELL

Stand: 31. Mai 2022, 13:19 Uhr

In Deutschland hat der Anteil der regelmäßig rauchenden Menschen jetzt wieder zugenommen – möglicherweise auch als Folge der Coronavirus-Pandemie. Die WHO kritisiert am Weltnichtrauchertag vor allem den Tabak-Anbau und die Industrie.

Der Anteil der Raucher in Deutschland steigt. Wie aus der Langzeitstudie "Deutsche Befragung zum Rauchverhalten (Debra)" hervorgeht, lag er zuletzt bei Menschen über 14 Jahren bei fast 33 Prozent.

Rund 18 Prozent davon gelten laut Statista Global Consumer Survey als "starke Raucher", ähnlich wie in Österreich. Laut WHO-Definition gilt als stark rauchend, wer mehr als 20 Zigaretten am Tag konsumiert.

Folge der Coronavirus-Pandemie

Laut Debra-Leiter Daniel Kotz, Epidemiologe und Suchtforscher an der Uni-Klinik in Düsseldorf, handelt es sich bei der wieder steigenden Raucherquote wahrscheinlich auch um eine Auswirkung der Coronavirus-Pandemie. Vorher habe der Anteil der Raucherinnen und Raucher in der deutschen Bevölkerung ab 14 Jahren noch bei 26 bis 27 Prozent gelegen, Ende 2021 aber schon bei fast 31 Prozent. Das sei eine erschreckende Entwicklung, sagte Kotz.

Wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden zum Weltnichtrauchertag mitteilte, starben 2020 rund 75.500 Menschen in Deutschland an den Folgen des Rauchens, zumeist an Krebs, und häufiger als früher auch Frauen.

WHO: Tabak schadet der Umwelt

Die Weltgesundheitsorganisation wirft derweil der Tabakindustrie vor, einer der "größten Umweltverschmutzer der Welt" zu sein. Ein WHO-Bericht fordert, die Industrie für Umweltschäden und Zigarettenkippen zur Kasse zu bitten.

Zigarettenhersteller seien für den Verlust von etwa 600 Millionen Bäumen jährlich verantwortlich – fünf Prozent der weltweiten Entwaldung. Anbau von Tabak blockiere 200.000 Hektar Land, heißt es im WHO-Bericht. Und weil der meiste Tabaks in ärmeren Ländern angebaut werde, wo das Ackerland und Wasser oft knapp seien, bremse er dort die Nahrungsmittelproduktion.

Die Herstellung von Tabakprodukten verbraucht laut WHO zudem 22 Millionen Tonnen Wasser weltweit jährlich und produziere 84 Millionen Tonnen Kohlendioxid. Durch geschätzte 4,5 Billionen Zigarettenkippen pro Jahr gelangten "mehr als 7.000 giftige Chemikalien" in die Umwelt.

Dabei gebe keine Beweise, dass etwa Filter beim Rauchen einen gesundheitlichen Vorteil bieten. Die WHO fordert darum, Zigarettenfilter als Einwegplastik zu behandeln und ein Verbot in Betracht zu ziehen.

Hohe gesellschaftliche Kosten

Weiter heißt es von der WHO dazu, dass bis zu einem Viertel aller Tabakbauern an der so genannten Grüner-Tabak-Krankheit erkranken, einer Vergiftung durch das über die Haut aufgenommene Nikotin. Wer den ganzen Tag mit Tabak hantiere, nehme täglich das Nikotin von 50 Zigaretten auf. Besorgnis erregend sei das für die vielen Kinder im Tabakanbau. Am Rauchen selbst sterben laut WHO pro Jahr geschätzt acht Millionen Menschen.

Der Bericht weist auch auf soziale Kosten hin, abgesehen von den durch gesundheitliche Schäden. Jedes Jahr zahlt China laut WHO umgerechnet etwa 2,6 Milliarden US-Dollar für die Beseitigung von Tabakabfällen, Indien rund 766 Millionen, Brasilien und Deutschland jeweils rund 200 Millionen. Die WHO fordert, dass die Industrie als Verursacher dafür zahlen solle.

mit AFP/dpa (ksc)

Dieses Thema im Programm:MDR AKTUELL RADIO | 31. Mai 2022 | 08:30 Uhr