Müttergenesungswerk Beratungsstellen für Mutter-Kind-Kuren völlig überlastet

14. Mai 2023, 11:39 Uhr

Aus Anlass des Muttertages hat das Müttergenesungswerk auf die Belastungen aufmerksam gemacht, die Mütter schultern müssen. Nicht zuletzt durch drei Jahre Corona-Pandemie seien viele am Limit ihrer Belastbarkeit. Gesetzlich ist geregelt, dass Mütter mit ihren Kindern eine Vorsorge- oder Rehabilitationskur in Anspruch nehmen können. Das Müttergenesungswerk hat dafür Beratungsstellen, doch die kommen mit der Arbeit kaum noch hinterher.

Das 1950 gegründete Müttergenesungswerk ist für viele Frauen die erste Anlaufstelle, wenn sie Unterstützung brauchen, um ihren Alltag als Mutter meistern zu können. Deutschlandweit betreibt das Müttergenesungswerk über 1.300 Beratungsstellen. Hier ist die Nachfrage in den letzten Jahren so sehr gestiegen, dass die Aufgaben kaum noch bewältigt werden könnten, sagt Geschäftsführerin Yvonne Bovermann.

Gerade besonders bedürftige Menschen, die es nicht immer ganz einfach hätten, brauchten viel Beratung. Da reichten die oft sonst üblichen und ausreichenden zwei bis drei Beratungsstunden oft nicht aus. Diese Menschen benötigten oft bis zu zehn Beratungstermine, weil sie bei jedem Schritt begleitet werden müssten.

Wir merken, dass gerade besonders bedürftige Menschen, Menschen, die es nicht immer ganz einfach haben, viel Beratung brauchen.

Yvonne Bovermann Müttergenesungswerk

Bovermann erklärt, dass eine derartige stationäre Maßnahme für viele Menschen etwas sehr Ungewöhnliches sei. Die Beantragung, vielleicht auch die Auseinandersetzung mit dem Arbeitgeber und in den Schulen, auch die Auseinandersetzung mit der Krankenkasse, brauche viel, viel Unterstützung.

Bedarf an Kuren steigt stetig

Im Sozialgesetzbuch ist geregelt, dass Mütter und inzwischen auch Väter Anspruch auf eine Kur haben, je nachdem zur Vorsorge oder Rehabilitation. Die Kosten dafür übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen. Diese registrieren nach drei Jahren Corona-Pandemie einen enormen Bedarf. Das stellt auch die Caritas in ihren Beratungsstellen fest, wie Margot Jäger berichtet.

Es sei so, dass die Beratungsstellen für die Kuren der Müttergenesung ausschließlich aus Mitteln der Kirche finanziert würden und es zunehmend schwerer falle, mit den zur Verfügung stehenden Mitteln und Beratungsstunden den Ansturm in den Beratungsstellen zu bewältigen, der gerade nach Corona nochmal ganz deutlich zugenommen habe.

VdK verweist auf großen Beratungsbedarf

Beim Sozialverband VdK sind solche Probleme auch bekannt. Viele Betroffene wissen oft nicht, was ihnen an Unterstützung zusteht, sagt Annemarie Schoß, die beim VdK für Frauen- und Familienpolitik zuständig ist.

Für Menschen, die sich sonst nicht so viel mit Sozialleistungen befassten, sei es einfach immer sehr kompliziert, Anträge zu stellen. Viele wüssten auch gar nicht, wo sie das einreichen müssten und wie so was normalerweise ablaufe. Da seien gerade niedrigschwellige Beratungseinrichtungen total wichtig, wo Frauen hingehen könnten und informiert würden, welchen Anspruch sie hätten und was sie tun könnten, wenn ein Widerspruch komme.

Keine öffentlichen Mittel für Beratungsstellen

Öffentliche Mittel für die Beratungsstellen gibt es keine. Träger wie die Caritas oder das DRK müssen alles aus eigener Tasche zahlen. Hier müssten politisch die Weichen neu gestellt werden, sagt Yvonne Bovermann vom Müttergenesungswerk, und betont, man fordere die Politik auf, dass die Beratung finanziert werde. Denkbar sei ein Mix aus Krankenkassen und kommunaler Beratungsleistung. Es gebe Schwangerenberatung und es gebe auch Familienberatung. Die hätten aber meistens einen anderen Schwerpunkt.

Man fordere dazu auf, dass mitgedacht werde und man mit in die finanzierten Beratungsleistungen aufgenommen werde. Blieben Veränderungen hier aus, seien Beratungsstellen in absehbarer Zeit gezwungen, ihre Arbeit zumindest teilweise einzustellen. Das wäre eine fatale Entwicklung, so Bovermann.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | MDR AKTUELL | 14. Mai 2023 | 05:00 Uhr

2 Kommentare

Kritische am 15.05.2023

Sachse14442: Nein, es geht um belastete Mütter. Wahrscheinlich gibt es unter den Migrantenfamilien sogar einen besonders hohen Anteil an belasteten Müttern. Diese werden aber mehrheitlich keine Kur beantragen, weil sie von der Möglichkeit nichts wissen oder denken, dass sie diese Belastung als Frau und Mutter eben klaglos tragen müssen. Das Hauptproblem besteht nicht zwischen den Nationen, sondern zwischen Arm und Reich. Reiche Familien können mehr kompensieren mit mehr Wohnraum, Homeoffice (eine Verkäuferin oder Raumpflegerin können nicht ins Homeoffice, eine Steuerberaterin schon), Personal und Entlastung bei Hausarbeit, Haus mit Garten, Sport, Reisen, Unternehmungen und nicht zuletzt auch der Kompetenz, sich Hilfe zu holen. Wer das nicht hat, bricht irgendwann zusammen, egal ob Deutsch oder nicht.

Sachse14442 am 14.05.2023

Es geht ja nur um Deutsche...

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