ÖPNV Kommunen fordern dauerhaft günstiges Nahverkehrs-Ticket

Angesichts der großen Nachfrage nach dem 9-Euro-Ticket fordern die Kommunen, dass es auch nach August ein bundesweit gültiges und vergünstigtes Nahverkehrs-Ticket geben soll. Über eine mögliche Finanzierung herrscht unter Experten aber bisher keine Einigkeit. Zudem bräuchte der ÖPNV wohl dringend eine Investition in Schienen, Züge und Personal.

Fahrgäste auf dem Hauptbahnhof in Magdeburg
Auch auf dem Magdeburger Hauptbahnhof hat sich die Einführung des 9-Euro-Tickets mit höheren Fahrgastzahlen bemerkbar gemacht. Bildrechte: dpa

Der Städte- und Gemeindebund hat ein unbegrenzt gültiges Billigticket für den Nahverkehr gefordert. Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg sagte dem "Handelsblatt", da das 9-Euro-Ticket im August ende, müsse perspektivisch darüber nachgedacht werden, ein bundesweit gültiges und vergünstigtes Ticket folgen zu lassen.

Wir brauchen keinen kurzen ÖPNV-Sommer, sondern ein flächendeckendes ÖPNV-Land.

Gerd Landsberg Deutscher Städtebund

Dazu braucht es Landsberg zufolge dringend eine solide Finanzierungsbasis, denn eine dauerhaft günstige Tarifstruktur dürfe auf keinen Fall in Angebotskürzungen münden. Erst mit einer dauerhaften Mittelerhöhung durch Bund und Länder entstünden die notwendigen Spielräume, um mehr Busse und Bahnen fahren zu lassen und auch tarifliche Angebote deutlich zu verbessern.

Wer sollte so ein Nahverkehrs-Ticket bezahlen?

Ähnlich äußerte sich der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv). Interimschefin Jutta Gurkmann sagte dem "Handelsblatt", es brauche konstant günstige Ticketpreise, um den Nahverkehr zu stärken und Fahrgäste zu halten: "Die Bundesregierung sollte deshalb ein Preismoratorium für Busse und Bahnen beschließen und in einen kundenfreundlichen ÖPNV und attraktive Angebote investieren."

Straߟenbahnen fahren durch die Innenstadt.
Straßenbahn in der Erfurter Innenstadt Bildrechte: dpa

Als zusätzliche Möglichkeit der Finanzierung regte der vzbv eine "Nutznießer-Finanzierung" an. Dies würde bedeuten, Arbeitgeber, Einzelhändler oder Private, deren Immobilien etwa durch einen guten ÖPNV-Anschluss an Wert gewinnen, an der Finanzierung zu beteiligen. Zum Thema Finanzierung sagte Städtebund-Chef Landsberg, darüber sollten sich Bund und Länder vor dem Hintergrund der Erfahrungen mit dem 9-Euro-Ticket verständigen.

Zurückhaltend zu einem umfassenden Billigticket äußerte sich vor diesem Hintergrund die Wirtschaftsweise Veronika Grimm. "Denkbar wäre etwa, jungen Menschen ein extrem günstiges Angebot zu machen", sagte die Ökonomin dem "Handelsblatt". So gewöhnten diese sich an die Nutzung öffentlicher Verkehrssysteme, die dann mit zunehmendem Ausbau auch attraktiver würden. "Mit einem Angebot für alle, auch die Zahlungskräftigen, reduziert man ja nur den finanziellen Spielraum, ohne dass man große Effekte erzielen dürfte."

9-Euro-Ticket: Riesenandrang in Zügen

Auch bedingt durch das Pfingstwochenende ist der Reiseverkehr mit dem 9-Euro-Ticket in Mitteldeutschland stark angelaufen. So waren im Regionalverkehr der Bahn viele Züge voll und einige sogar überfüllt. Wie die Bundespolizei dem MDR mitteilte, musste etwa in Stendal ein Regionalzug in Richtung Uelzen komplett geräumt werden. Er sei zu voll gewesen und nur wenige Reisende wären freiwillig ausgestiegen. Auf dem Leipziger Hauptbahnhof kam es nach Angaben einer Reporterin der Deutschen Presse-Agentur zu Verspätungen. So sei eine Regionalbahn nach Weimar komplett überfüllt gewesen.

Noch bis Ende August können Bürgerinnen und Bürger in Deutschland für 9 Euro ÖPNV und viele Regionalzüge der Deutschen Bahn nutzen. Das Angebot ist eine Entlastungsmaßnahme angesichts der derzeit hohen Lebenshaltungskosten. Sie soll auch Aufschluss über die Nutzung des ÖPNV liefern.

Quelle: MDR, dpa, AFP (cga)

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 05. Juni 2022 | 12:00 Uhr

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