Umwelt Klimabewusstes Leben für Ostdeutsche vor allem eine Kostenfrage

Klimabewusstes Leben ist für viele Menschen im Osten vor allem eine Kostenfrage. Zu diesem Schluss kommt eine bundesweite Studie im Auftrag des Energieversorgers EnviaM. Vorstandschef Lowis sagte MDR AKTUELL, die Einstellung zum Klimaschutz habe vor allem mit der Frage zu tun, wofür man sein Geld ausgeben könne. Noch immer gebe es ein Kaufkraft-Gefälle zwischen Ost und West.

Demonstration auf dem Fahrrad von Fridays for Future Dresden und Verkehrswende Dresden.
Der Untersuchung zufolge gaben drei Viertel aller befragten 16- bis 26-Jährigen an, ein großes Interesse am Klimaschutz zu haben. Bei den Älteren seien es 36 Prozent. Bildrechte: imago images/Thomas Eisenhuth

Das Bild vom Ostdeutschen als Klimamuffel ist überholt, sagt Stephan Lowis, Vorstandschef des Chemnitzer Energieversorgers EnviaM. Das Unternehmen führt regelmäßig Umfragen zum Klimabewusstsein durch.

Ein unzutreffendes Klischee

Lowis sagt: "Das Klischee, dass die Ostdeutschen am Klimaschutz nicht interessiert sind, ist aus unserer Sicht unzutreffend. Denn gerade die jüngere Generation – das hat unsere jüngste Studie gezeigt – zeigt hier ein hohes Interesse und ganz hohes Engagement für Klimaschutz."

Demnach gaben drei Viertel der 16- bis 26-Jährigen an, ein großes Interesse am Klimaschutz zu haben. Hier gab es keinen Unterschied zwischen Ost und West. Bei den Älteren gebe es zwar noch Unterschiede, aber auch die fielen gering aus, so Lowis. Dass der Klimawandel von allen Problemen am schnellsten angegangen werden muss, fanden im Westen etwa rund 41 Prozent. Im Osten waren es 36 Prozent.

Auch das Umweltbundesamt befragt die Deutschen alle zwei Jahre zum Umweltbewusstsein. 2018 gab es hier noch einen Unterschied von sieben bis acht Prozentpunkten zwischen Ost und West, sagt Fachbegleiterin Angelika Gellrich. Die Westdeutschen schrieben dem Klimaschutz einen etwas höheren Stellenwert zu.

Klimaschutz vor allem Kostenfrage

Gellrich erklärt: "In unseren aktuellen Zahlen sehen wir, dass dieser Unterschied, den wir 2018 gesehen haben, etwas geringer geworden ist. Also wir haben bei der Frage danach, wie wichtig der Umwelt- und Klimaschutz aus Sicht der Menschen ist, einen Unterschied von rund vier Prozentpunkten zwischen Ost- und Westdeutschen. Also Westdeutsche sagen zu rund 65 Prozent, dass sie den Umwelt- und Klimaschutz für sehr wichtig halten und Ostdeutsche zu rund 61 Prozent."

Dass es bei den Älteren in bestimmten Punkten noch leichte Unterschiede gebe, liege womöglich zum Teil auch an der DDR-Sozialisation, sagt Gellrich. Klimaschutz erfordere viel Eigeninitiative, die sei in der DDR aber politisch nicht so gewollt gewesen. Vor allem aber sei Klimaschutz auch eine Kostenfrage.

Gellrich sagt: "Ökologisch produzierte Lebensmittel kaufen oder in eine Wohnung oder ein Haus ziehen, was einen guten energetischen Standard hat, das sind einfach Kostenpunkte, die sich Menschen mit niedrigen und unteren Einkommen vielleicht nicht einfach leisten können."

Kaufanreize und Kaufkraft

Das gelte beispielsweise auch für die CO2-Preise für Wärme und Verkehr, ergänzt EnviaM-Chef Lowis: "Einfach aufgrund der Tatsache, dass es in Ostdeutschland immer noch ein Kaufkraft-Gefälle zum Westen gibt. Also das hat mehr was mit dem 'Wofür kann ich mein Geld ausgeben' zu tun als mit der generellen Akzeptanz."

Ähnlich beim Thema E-Autos: Trotz Zuschüssen seien die Kosten noch deutlich höher, als wenn man sich ein gebrauchtes Verbrennerauto zulege. Lowis findet deshalb, Kaufanreize wie die EU-Auto-Prämie seien zu pauschal. "Da gibt es natürlich einen bundesweiten Kaufanreiz. Die Idee wäre, diesen vielleicht auch an die Kaufkraft zu koppeln, sodass vielleicht in Ostdeutschland nochmal ein zusätzliches Signal entstehen könnte", so Lowis.

Zudem müsse der konkrete Nutzen von Klimaschutzmaßnahmen, beispielsweise auch beim CO2-Preis, besser kommuniziert werden.

Eine Grafik zeigt die Erde, auf der ein Kraftwerk, eine Sonne und zwei Bäume zu sehen sind. 1 min
Bildrechte: MDR/Maximilian Schörm

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 01. August 2021 | 06:00 Uhr

Mehr aus Deutschland