Elektroschock-Pistole Nur SEK darf in Mitteldeutschland Taser einsetzen

Nicht nur in den USA, sondern auch hierzulande kann die Polizei Taser nutzen. Doch es gibt Unterschiede zwischen den Bundesländern. In Rheinland-Pfalz zum Beispiel bekommt derzeit jeder Streifenwagen einen Taser. Anderswo ist die Elektroschock-Pistole nur bestimmten Polizisten vorbehalten und selten im Einsatz – so etwa in Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt, wo nur das Sondereinsatzkommando SEK Taser einsetzen darf.

Ein Polizeibeamter demonstriert einen Schuss mit einem Distanzelektroimpulsgerät (DEIG oder auch Taser).
Bisher darf nur das Sondereinsatzkommando der Polizei, das SEK, solche Taser einsetzen. Bildrechte: dpa

Elektroschocks mit mehreren Tausend Volt aus dem Taser machen einen Angreifer binnen Sekunden handlungsunfähig. Solche Distanzelektroimpulsgeräte – kurz DEIG – seien besonders gut dafür geeignet, eine Person mit bis zu sieben Metern Abstand außer Gefecht zu setzen, sagt der Landesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei Sachsen, Hagen Husgen.

SEK setzt Taser nur selten ein

Das Gerät beschreibt Husgen wie eine Art Pistole. Schieße man ab, lösen sich zwei Kabel, die sich in der Kleidung des Gegenübers verfangen und über die Haut den Elektroimpuls abgeben.

Ein Polizeibeamter hält im Rahmen der Pressekonferenz des Polizeipräsidenten einen Taser 7 in der Hand.
Sieht fast aus wie eine Spielzeugpistole, ist aber ein Taser. Bildrechte: dpa

Aber die Geräte kann nicht jeder Polizist einsetzen: In Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen darf ausschließlich das SEK, das Spezialeinsatzkommando der Polizei, solche Taser nutzen.

Nachfragen von MDR AKTUELL haben ergeben, dass sie auch nur äußerst selten zum Einsatz kommen. In ganz Mitteldeutschland wurden die Geräte in den vergangenen Jahren maximal drei Mal pro Jahr genutzt – und zwar für einen eng begrenzten Einsatzzweck, wie die Landespolizei Sachsen schriftlich mitteilt:

Seit 2002 dürfen Taser bei der Polizei Sachsen ausschließlich durch das Spezialeinsatzkommando eingesetzt werden. Eine darüber hinaus gehende Ausstattung ist nicht vorgesehen. Der Taser soll unterhalb der Schwelle des Schusswaffeneinsatzes als Distanzeinsatzmittel die Gefährdung von Polizeibediensteten beim Einschreiten gegen bewaffnete Personen minimieren und möglichst den Einsatz von in den Folgen schwerwiegenderen Einsatzmitteln oder Waffen verhindern.

Landespolizei Sachsen

GdP spricht sich für Taser-Einsatz aus

Die Gewerkschaft der Polizei möchte diese Möglichkeiten auch für Polizistinnen und Polizisten im alltäglichen Streifendienst. Vor allem bei körperlichen Angriffen, etwa mit Messern, wäre es hilfreich, wenn jeder Streifenwagen eines der Geräte hätte, sagt Gewerkschafter Husgen: "Wir sind der Meinung, dass das Distanzelektroimpulsgerät eine sehr gute Möglichkeit wäre auch für den Polizeibeamten auf der Straße, also nicht nur für das SEK, weil es eine Einsatzlücke schließen würde zwischen dem Schlagstock und zwischen Pfefferreizspray und der Schusswaffe, die wahrscheinlich schwere Folgen nach sich ziehen würde." Der Taser könne Beamten in bestimmten Situationen helfen.

Elektroschocks können tödlich enden

Doch Kritiker warnen: Sind die Taser einmal eingeführt, würden die Hemmschwellen sinken und das Gerät würde häufiger genutzt werden. Steigende Zahlen aus Rheinland-Pfalz, wo Streifenbeamte die Taser bereits einsetzen, belegen diese These. Waren es 2020 noch rund 430 Fälle, sind die Geräte bereits im ersten Halbjahr 2021 schon 380 Mal eingesetzt worden.

Und das ist nicht ungefährlich. Im Zuge von Taser-Einsätzen sind bereits Menschen gestorben. US-Forscher sagen, dass das Risiko für Komplikationen insbesondere bei Menschen mit Herzproblemen oder Intoxikationen – also bei Alkohol- und Drogenkonsum – höher sei.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 28. Dezember 2021 | 06:00 Uhr

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