recap So wenig macht Deutschland für Radfahrer

26. Mai 2023, 20:19 Uhr

Deutschland will bis 2030 Fahrradland werden, das steht im Nationalen Radverkehrsplan 3.0. Doch bislang spüren viele Fahrradfahrer davon wenig und fühlen sich im Straßenverkehr nicht sicher. Warum gibt es nicht genug Radwege? Und wie kann Deutschland überhaupt noch zum Fahrradland werden?

Gerade im ländlichen Raum greifen viele Menschen doch lieber zum Auto als zum Rad. Warum? Sie fühlen sich auf dem Fahrrad nicht sicher oder brauchen für die Strecke mit dem Rad deutlich länger. Oft ist der Grund dafür, dass die Infrastruktur für Fahrradfahrer eher schlecht ist.

Die Radwege sind recht lückenhaft geführt. Sie sind oft in schlechtem Zustand. Sie führen an uneinsichtigen Wegen entlang, haben oft Kopfsteinpflaster dabei oder Schlaglöcher, was dann recht schnell schwierig wird.

Karen Rike Greiderer Radfahrerin aus Brandenburg

Radwege nur zwischen den größeren Städten

Ein Problem ist der schleppende Ausbau. In Sachsen-Anhalt zum Beispiel liegen zwischen Halle, Merseburg, Querfurt und Eisleben viele kleine Gemeinden, die mit dem Auto gut erreichbar sind. Durchgängige Radwege gibt es dort jedoch selten. Isabell Gall vom ADFC, dem Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club, nennt es einen "Flickenteppich". Es gebe kein wirkliches Netz.

Es liegt häufig daran, dass Radwege begleitend an Staats- und Bundesstraßen, also außerorts, eigentlich nur dann gebaut werden, wenn die Straße neu ausgebaut wird.

Isabell Gall Expertin für Radverkehr im ländlichen Raum beim ADFC Sachsen

Doch warum gibt es so wenige Radwege? Am fehlenden Bedarf kann es zumindest nicht liegen. In Deutschland gibt es etwa so viele Fahrräder wie Einwohner, also etwa 83 Millionen - die Verkaufszahlen steigen. Dazu fahren 80 Prozent der Deutschen gelegentlich mit dem Rad, 40 Prozent würden gerne häufiger mit dem Rad unterwegs sein. Ein großes Problem ist jedoch die komplizierte Planung. Das Verkehrsministerium in Sachsen-Anhalt teilte MDR recap dazu mit, es sei ein "mehrstufiger, komplexer Prozess". In dem Land gibt es rund 11.000 Kilometer Straße und 1.400 Kilometer Radwege. In den vergangenen fünf Jahren seien 89 Kilometer neu gebaut worden.

Das Sächsische Verkehrsministerium nennt Zwischenschritte für einen neuen Radweg: So müssten erst mehrere Varianten einer Route geplant werden. Dazu müsse man Genehmigungen einholen, prüfen, wie viele Menschen den Weg überhaupt nutzen würden oder eventuelle Grundstücke kaufen – wie das landwirtschaftlich genutzte Feld nebenan. Am Ende dauere allein dieser Prozess im Schnitt acht Jahre.

30 Jahre Planung für einen Radweg

Ein extremes Beispiel kommt aus dem Raum Grimma: Seit 30 Jahren fordern die Großbardauer einen sicheren Radweg entlang der Staatsstraße 11 nach Grimma. Lehrer Tim Lippert nennt die Straße auch für Autos schon sehr gefährlich. Die Fahrbahn sei eng und es gebe viele Lkw.

Warum brauchen wir einen Radweg? Weil wir eine große Schülerschaft haben, ein Kollegium haben, was den Weg von Grimma tatsächlich eher mit einem Fahrradweg bestreiten würde, wenn es denn einen gäbe. Lasst uns bitte einen Fahrradweg bauen.

Tim Lippert Lehrer in Grimma

Die Gemeinde hatte dem Neubau des Radwegs zunächst zugestimmt. Das Landesamt für Straßenbau und Verkehr stellte 2007 auch einen Vorentwurf vor und zugleich einen Baubeginn frühestens 2011 in Aussicht. Doch seitdem gibt es ein ewiges Hin und Her.

Mehr über den Kampf um einen Radweg nach Grimma und welche Städte ein Vorbild sein könnten, klären wir in der aktuell recap-Folge.

Dieses Thema im Programm: recap bei youtube | 26. Mai 2023 | 17:00 Uhr

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Bildrechte: picture alliance/dpa | Rolf Vennenbernd

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