recap Lange Fahrt zur Klinik? Warum immer mehr Geburtsstationen schließen

07. Oktober 2022, 16:18 Uhr

Nach Recherchen des Vereins Motherhood e.V. sind in Deutschland in den letzten 15 Jahren etwa ein Viertel der Geburtsstationen geschlossen worden - vor allem in kleineren Kliniken im ländlichen Raum. Für werdende Mütter bedeutet das immer längere Anfahrtswege. Gründe für die Schließungen gibt es viele.

Geburtshilfestationen in Schleiz, Greiz, Leisnig oder Hildburghausen - immer wieder kommen Meldungen aus kleinen Kliniken, dass die Geburtshilfe vorübergehend oder dauerhaft geschlossen werden muss. Allein in Mitteldeutschland haben in den letzten fünfzehn Jahren mehr als 20 Geburtsstationen dichtgemacht. Bundesweit waren es mehr als 230, die meisten davon in Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein.

Die Folge für werdende Mütter: Immer längere Anfahrtswege. Braucht eine Schwangere zum Beispiel in der Stadt Halle im Schnitt nur fünf Minuten zur nächsten Klinik, so zeigt es der Krankenhausreport von 2016, kann es in dünn besiedelten Regionen wie der Altmark im Norden von Sachsen-Anhalt eine Dreiviertelstunde bis eine Stunde dauern.

Es wird sicherlich nicht so sein, dass in Zukunft Schwangere nur noch in Großstädten entbinden können, sondern auch in ländlichen Regionen. Aber wir müssen ehrlich sein, in ländlichen Regionen erreicht man Fachärzte, erreicht man Kliniken einfach langsamer.

Dennis Häckl Gesundheitsökonom Uni Leipzig

Das Bundesgesundheitsministerium hat als Ziel eine 40-Minuten-Frist, innerhalb der eine Schwangere eine Klinik erreicht haben sollte. Der Verein Motherhood e.V., der sich für sichere Geburten einsetzt, schätzt aber auch diese Zahl als zu hoch ein. Doch warum schließen die Stationen überhaupt?

Wenig Personal, hohe Kosten

Ein Grund ist der Personalmangel. Es fehlen immer mehr Hebammen sowie Fachärztinnen und -ärzte. So musste 2021 auch die Geburtshilfe in Hildburghausen in Thüringen schließen, da der Chefarzt nach Suhl wechselte und sich kein Nachfolger finden konnte. Natürlich liegt das auch an den Arbeitsbedingungen.

Als Hebamme trägt man viel Verantwortung für Mutter und Kind und das sollte adäquat entlohnt werden.

Hebamme Jennny

Teilweise müssen Geburtshelferinnen bis zu drei Geburten gleichzeitig betreuen, wie generell in der Pflege gehören viele Überstunden sowie Nacht- und Wochenenddienste dazu.

Eine Geburt muss sich wirtschaftlich lohnen

Ein weiterer wichtiger Punkt, warum gerade Kliniken im ländlichen Raum schließen: Die Kosten. Geburten sind für viele Kliniken ein Minusgeschäft. Was heißt das für die Schwangeren und wie können die langen Fahrten verhindert werden? Das und mehr seht ihr in der neuen Folge von Recap.

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Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | recap – bei Youtube | 07. Oktober 2022 | 17:00 Uhr

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