recap Russische Propaganda wirkt – vor allem im Osten

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In der Ukraine führt Russland einen Angriffskrieg, in Deutschland einen Propaganda-Krieg. Fake News und Desinformation funktionieren dabei besonders gut im Osten. Warum ist das so und was können wir dagegen tun?

Ein junger Mann blickt in einen Laptop, seine Brillengläser reflektieren eine russische Flagge.
Bildrechte: MDR/dpa

Ob Hasskommentare bei Youtube, Fake-News in pro-russischen Telegram-Gruppen oder komplett gefälschte Nachrichten-Websites: Russische Propaganda versucht auf vielen Wegen und Kanälen, auch bei uns in Deutschland Fakten zu verdrehen und unsere Demokratie zu untergraben.

Zustimmung für russische Verschwörungsserzählungen nimmt zu

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler von "CeMAS" (Center für Monitoring, Analyse und Strategie) haben im Oktober eine Befragung zu russischen Verschwörungserzählungen durchgeführt. Eine abgefragte Aussage war: "Die NATO hat Russland so lange provoziert, dass Russland in den Krieg ziehen musste." Im Westen stimmten dieser Aussage 16 Prozent zu, im Osten waren es mit 33 Prozent mehr als doppelt so viele.

Es gibt eine unterschiedliche historische Beziehung zu Russland, unterschiedliche emotionale Bande zu Russland in Ost und West.

Pia Lamberty, Sozialpsychologin

Auch den anderen in der Studie abgefragten pro-russischen Erzählungen wurde im Osten eher zugestimmt. Woher kommen diese unterschiedlichen Haltungen? Studienleiterin Pia Lamberty erklärt dazu: "Es gibt eine unterschiedliche historische Beziehung zu Russland, unterschiedliche emotionale Bande zu Russland in Ost und West. Auch Anti-Amerikanismus spielte in der DDR nochmal eine andere Rolle als in Westdeutschland".

Wie wirkt russische Propaganda?

Doch die CeMAS Studie zeigt auch: Seit April ist die Zustimmung zu Verschwörungserzählungen in ganz Deutschland angestiegen. Es zeigt sich: russische Propaganda funktioniert – nicht nur im Osten. 

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Collage: Putin vor Kreml und RT deutsch Schriftzug 42 min
Bildrechte: IMAGO /UPI Photo

Wie russische Propaganda funktioniert, lässt sich am Fall "Friedrich Merz" erklären. Der CDU-Chef sagte Ende September in einem BILD-TV-Interview: "Wir erleben mittlerweile einen Sozialtourismus dieser Flüchtlinge: nach Deutschland, zurück in die Ukraine, nach Deutschland, zurück in die Ukraine."

Merz legte damit nahe, ukrainische Geflüchtete würden das deutsche Sozialsystem ausnutzen. In der aktuellen recap-Folge zeichnen wir den Weg dieser Falschbehauptung nach. Dass er mit seinen Aussagen Propaganda auf den Leim gegangen ist, musste auch Friedrich Merz einsehen – und ruderte schließlich zurück.

Was können wir tun?

Wenn auch Politikerinnen und Politiker russische Narrative übernehmen, ist klar: Wir müssen uns vor Desinformationen schützen. Ein wichtiges Gegenmittel ist das "Factchecking". Bei recap zeigen wir außerdem auf, wie man im Austausch mit dem "schwierigen Onkel", der am Kaffeetisch oder in der Whatsapp-Gruppe Propaganda weiterverbreitet, reagieren kann.

 

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | recap – bei Youtube | 11. November 2022 | 17:00 Uhr

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