Ermittlungen Rechtsextremismus-Verdacht bei Wachbataillon der Bundeswehr

Das Bundesverteidigungsministerium geht wegen des Verdachts auf Rechtsextremismus gegen Angehörige des Wachbataillons der Bundeswehr vor. Ermittelt werde auch wegen "sexualisierter Gewalt" und fragwürdiger Rituale. Im Fokus steht eine Gruppierung namens "Wolfsrudel". Das rund 1.000 Mann umfassende Bataillon gilt eigentlich als Aushängeschild der Bundeswehr.

Ehrenformation und Stabsmusikkorps der Bundeswehr im Kanzleramt
In der 2. Kompanie des Wachbataillons soll es zu rechtsextremen Vorfällen gekommen sein. Bildrechte: IMAGO / Jürgen Heinrich

Das Verteidigungsministerium untersucht einen neuen Extremismusverdacht im Wachbataillon der Bundeswehr. Wie das Ministerium am Freitag den Obleuten im Bundestag mitteilte, geht es dabei um rechtsextremistische Vorfälle sowie um Gewalt und sexuelle Übergriffe. Genannt werden auch "abartige Trink- und Aufnahmerituale". Im Fokus steht einem Bericht des "Spiegels" zufolge eine Gruppierung aus sechs Soldaten innerhalb der 2. Kompanie, die sich "Wolfsrudel" nenne.

Zeuge spricht von rassistischen Beschimpfungen

Ein Angehöriger der Kompanie habe die Vorgänge angezeigt, ein weiterer habe sie inzwischen als Zeuge bestätigt, sagte ein Ministeriumssprecher. Dem "Spiegel" zufolge hatte der Zeuge konkret beschrieben, dass zum Beispiel der Anführer der Gruppe andere Soldaten mit ausländischen Wurzeln rassistisch beschimpft habe.

Innerhalb dieser Gruppe werde beispielsweise auch ein T-Shirt getragen mit einer abgebildeten Schwarzen Sonne und der Aufschrift auf der Vorderseite "Sonnenstudio 88" und auf der Rückseite "Wir sind braun", zitiert der "Spiegel" .

Betroffenheit im Ministerium - "Null Toleranz"

Das Verteidigungsministerium kündigte an, dem Verdacht mit "aller Härte" nachzugehen und zeigte sich zutiefst beschämt. Jeder Verdachtsfall sei einer zu viel.

Wir dulden keinen Extremismus - es gilt Null Toleranz bei jeglichen Straftaten.

Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums

Wachbataillon gilt als Aushängeschild

Die Kompanie, die sonst etwa Staatsgästen militärische Ehren erweist oder bei staatlichen Festakten auftritt, wurde zunächst von diesen Aufgaben entbunden. Das Wachbataillon der Bundeswehr zählt knapp 1.000 Soldaten. Es gilt als Aushängeschild der Bundeswehr. Neben den protokollarischen Ehrendiensten ist es für die Sicherung der Dienstsitze der Bundesregierung zuständig.

Frühere rechtsextreme Vorfälle

Zuletzt hatte der Kontakt eines Soldaten des Wachbataillons zur sogenannten Identitären Bewegung für Schlagzeilen gesorgt. Das Ministerium machte nun auch bekannt, dass sich in diesem Jahr ein Mannschaftssoldat des Bataillons in der Wehrmachtsuniform eines Kameraden habe fotografieren lassen. Beiden sei die Ausübung des Dienstes untersagt worden.

dpa/AFP (kkö)

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 08. Oktober 2021 | 13:00 Uhr

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