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Auch die AfD profitierte von der Pandemie. Die Maßnahmen boten ihr eine Platform für ihre Regierungskritik. Bildrechte: dpa

Mercator-Studie 2021Corona-Krise ein Einfallstor für Rechtspopulisten

von MDR AKTUELL

Stand: 01. Dezember 2021, 15:41 Uhr

Die Corona-Pandemie hat Rechtspopulisten in ganz Europa Rückenwind verschafft. Das ist ein zentraler Befund einer Studie des Mercator Forums Migration und Demokratie an der TU Dresden. Ein Forschungsteam hatte dafür Beiträge populistischer Parteien in zwölf Ländern analysiert.

Rechtspopulistische Parteien haben während der Corona-Pandemie ihr Profil schärfen können. Das geht aus der aktuellen Jahresstudie des Mercator Forums Migration und Demokratie (MIDEM) der TU Dresden hervor. Wo bereits entsprechende Strömungen etabliert seien, seien sie "noch rechtspopulistischer geworden", sagte der MIDEM-Direktor Hans Vorländer, am Mittwoch bei der Vorstellung der Studie. Dafür analysierte ein Forschungsteam die Social-Media-Kanäle rechter Parteien in zwölf europäischen Ländern.

Krisenzeiten sind Einfallstore für Populisten

"Krisenzeiten sind immer Einfallstore für Unzufriedenheit und Protest", erklärte Vorländer. In solchen Zeiten hätten politische Kräfte leichtes Spiel, Sorgen, Ängste und Ressentiments zu schüren sowie Eliten, Institutionen oder gar ein ganzes System an den Pranger zu stellen. So sei es auch schon in der Migrationskrise gewesen.

Zwar würden Rechtspopulisten das Thema Corona meist nicht häufiger ansprechen als andere Parteien, doch die Art der Kommunikation hebe sich von der anderer Parteien deutlich ab. So seien staatliche Maßnahmen zur Pandemiebekämpfung zu einer Projektionsfläche für polemisch und emotional aufgeladene Regierungskritik geworden. Rechtspopulistische Parteien blieben damit ihrer "Anti-Establishment Haltung" treu, sagte der MIDEM-Chef. Sie inszenierten sich als "einzige Alternative" zu bestehenden Parteien und als "Bewahrer einer individuellen Freiheit".

Corona ist zweites wichtiges Thema der AfD

Bei der Frage, wie mit der Pandemie umzugehen sei, bildete sich der Studie zufolge in Deutschland eine Konfliktlinie mit der AfD auf der einen und allen weiteren im Bundestag vertretenen Parteien auf der anderen Seite. Corona sei für die AfD neben Migration zum zweiten wichtigen Thema geworden, das zum Teil auch dominierte.

Dabei habe die Partei im Mai 2020 eine Kehrtwende von Forderungen nach Schutzmaßnahmen hin zur verstärkten Kritik ebendieser vollzogen. Allerdings differenziert die Analyse auch klar, dass Corona generell nicht unbedingt ein Gewinnerthema für Rechtspopulisten gewesen sei, sagte Vorländer. Die Parteien hätten jedoch versucht, bestehende populistische Einstellungen aufzugreifen und mit ihrer Systemkritik weiter zuzuspitzen, so der MIDEM-Chef.

Kaum Verschwörungserzählungen verbreitet

Verschwörungserzählungen werden der MIDEM-Studie zufolge auf den offiziellen Kanälen rechtspopulistischer Parteien weniger verbreitet. Stattdessen würden sie auf rechtsextremen Plattformen oder über Accounts von Einzelpersonen geteilt. Die Parteien versuchten jedoch, sich der Unzufriedenheit von Teilen der Bevölkerung mit dem Krisenmanagement zu bemächtigen und eine Spaltung der Gesellschaft voranzutreiben. "Hier ist ein Einfallstor sicherlich geöffnet", sagte der MIDEM-Direktor.

Mercator Forum Migration und Demokratie (MIDEM)Das MIDEM ist ein interdisziplinäres Forschungszentrum der Technischen Universität Dresden in Kooperation mit der Universität Duisburg-Essen und gefördert durch die Stiftung Mercator. Es untersucht nach eigenen Angaben Formen, Instrumente und Prozesse politischer Verarbeitung von Migration in demokratischen Gesellschaften.

Die Jahresstudie 2021 hat die Social-Media-Kommunikation rechtspopulistischer Parteien in zwölf europäischen Ländern analysiert. Darunter Dänemark, Deutschland, Frankreich, Italien, Niederlande, Polen, Tschechien und Ungarn. Die Studie wertet Facebook-Daten der offiziellen Kanäle rechtspopulistischer Parteien aus.

Quelle: dpa/KNA (sra)

Dieses Thema im Programm:MDR AKTUELL | MDR AKTUELL RADIO | 01. Dezember 2021 | 15:00 Uhr