Veteranenverband Mehr Bundeswehr-Einsatzkräfte mit Kriegstraumata als angenommen

Der Veteranenverband Combat geht davon aus, dass jede fünfte Bundeswehr-Einsatzkraft nach dem Einsatz psychische Probleme hat. Das liege nicht nur an den Bedingungen vor Ort, sondern auch einem mangelnden Rückhalt in der Gesellschaft. Der Verband fordert ein höheres Engagement von Politikerinnen und Politikern. Dazu gehöre auch, der Gesellschaft Einsätze besser zu erläutern.

Deutsche ISAF Soldaten patrouillieren 2003 in Kabul.
Deutsche Soldaten in Kabul im Jahr 2003. Viele haben ein Trauma von ihrem Einsatz in Afghanistan mitgebracht. Bildrechte: IMAGO / Stefan Trappe

Die Zahl der Bundeswehrsoldaten mit Kriegstraumata ist nach Einschätzung des Veteranenverbandes Combat deutlich höher als offiziell angegeben. Der stellvertretende Vorsitzende, Rüdiger Hesse, sagte MDR AKTUELL, in seiner Arbeit beobachte er, dass rund 20 Prozent der Soldatinnen und Soldaten nach einem Einsatz psychische Probleme bekommen. Das Verteidigungsministerium geht offiziell von zwei bis drei Prozent aus.

Psychische Verwundungen

Physische Verletzungen seien für Außenstehende leicht zu verstehen, erklärt Hesse. Bei den psychisch Verwundeten sei es viel schwieriger, weil die Probleme einem Dritten viel schwieriger darzustellen seien.

Auch selbst müssten sich die Betroffenen erst psychische Probleme eingestehen. Neben den Einsätzen würde auch der mangelnde Rückhalt in der Gesellschaft an den Veteranen nagen. Das fange schon bei einem höflichen Desinteresse an dem Einsatz der Soldatinnen und Soldaten. Nach der Rückkehr fehle teils die Anerkennung von Politikern. Der Staat müsse sich stärker hinter die Einsatzveteranen stellen und der Gesellschaft die Einsätze besser erklären.

Hesse: Afghanistan-Einsatz klar gescheitert

Deutsche Soldaten grüߟen am Observationspunkt Juliet 92 in Char Darah in Kundus einen vorbeifahrenden Schützenpanzer Marder, 2010
Deutsche Soldaten in Char Darah in Kundus. Bildrechte: dpa

Zum Afghanistan-Einsatz sagte Hesse, der Einsatz sei klar gescheitert. Da müsse nicht drum herum geredet werden. Viele Soldatinnen und Soldaten würden Verbitterung und Wut empfinden, ob ihre Bemühungen und alles Leiden umsonst gewesen seien. Die Politik habe es sich nicht leicht gemacht, Afghanistan zu verlassen. Sie habe sich aber öfter hinter internationale Floskeln versteckt und scheue sich vor einer öffentlichen gesellschaftlichen Diskussion über Sicherheits- und Verteidigungspolitik.

Der Verein hat bundesweit rund 500 Mitglieder und betreibt nach eigenen Angaben Aufklärung über die Einsätze von Bundeswehr an Schulen und Unis, berät die Politik und hilft Veteranen die Erlebnisse und seelischen Belastungen in ihren Einsätzen zu verarbeiten.

Quelle: MDR

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | 22. August 2021 | 06:00 Uhr

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