Stiftung Friedensdialog Studie: Mehrheit hält Welt für ungerecht

Was leisten Religionen in Zeiten einer Pandemie? Eine Studie der Stiftung Friedensdialog hat sich unter anderem mit dieser Frage beschäftigt. Unter dem Titel "Glaube – Nachhaltigkeit – Gerechtigkeit" untersuchte sie die Einstellungen der Deutschen zu Fragen von Nachhaltigkeit und globaler Gerechtigkeit. Demnach sehen vor allem junge Menschen den Beitrag der Religionen zu diesen Themen positiv, während ältere Menschen eher eine kritische Einschätzung teilen.

Eine Frau mit einem schwarzen Kreuz auf der Stirn macht ein Selfie
Eine Frau mit einem Kreuz auf der Stirn macht ein Selfie. Vor allem junge Menschen sagen, dass ihr Glaube während der Corona-Pandemie stärker geworden ist. Bildrechte: dpa

Vier von fünf Deutschen halten die Welt für nicht gerecht. Das geht aus einer Studie im Auftrag der Stiftung Friedensdialog hervor, die ihren Sitz am Bodensee hat. Bei der Studie mit dem Titel "Glaube – Nachhaltigkeit – Gerechtigkeit" ging es um die Frage, welche Rolle Religion bei den Themen Corona, Klima und gerechte Welt spielt.

Auch dass Religionen einen positiven Beitrag zu einer gerechteren Welt leisten können, sieht die Mehrheit der Befragten nicht. Nur zwölf Prozent stimmten dem zu. Dabei nehmen eher junge Menschen Religion als positiv wahr. 57 Prozent finden, dass Religionen sich stärker dafür einsetzen sollten, dass ärmere Länder einen besseren Zugang zu ausreichend Impfstoff gegen Covid-19 erhalten.

Religionen vor allem sinnstiftend

Nur noch einem Drittel der Deutschen sind Religionen generell "wichtig" oder gar "sehr wichtig", 61 Prozent halten sie für "nicht oder überhaupt nicht wichtig" Die Aufgabe der Religionen sehen die Befragten dabei aber vor allem in der Sinnstiftung und Seelsorge. Nur etwas mehr als ein Viertel sieht Religionen in der Rolle als politischer oder gesellschaftlicher Akteur.

Die Studien-Teilnehmer wurden auch zum Beitrag der Religionen zu bestimmten aktuellen Themen befragt: 31 Prozent sehen einen positiven Beitrag der Religionen zur Bekämpfung der Armut, 28 Prozent sehen dies beim Thema Einsatz für Frieden und 21 Prozent bei Gerechtigkeit so. Nur 14 Prozent der Befragten sehen allerdings bei einer der wichtigsten aktuellen Herausforderung – der Bekämpfung des Klimawandels – einen positiven Beitrag der Religionen. Auch hier spielt das Alter der Befragten eine Rolle: Bei den 18- bis 29-Jährigen liegt der Wert bei immerhin 20 Prozent.

Mehr als die Hälfte der Befragten glaubt der Studie zufolge, dass Religionen negativ zur Gleichstellung beitragen.

Viele nicht gläubige Menschen im Osten

Rund 35 Prozent der im Rahmen der Studie Befragten bezeichnen sich selbst als als "überhaupt nicht gläubig". Besonders hoch ist deren Anteil mit 56 Prozent in den ostdeutschen Bundesländern. Im Osten halten nur elf Prozent der Befragten Religion für "sehr wichtig". Zum Vergleich: Im Süden des Landes liegt der Wert bei 20 Prozent. Rund 46 Prozent der Befragten aus dem Osten gab an, dass Religion auch für die Elterngeneration nicht wichtig ist.

Allerdings ist im Osten der Anteil der Befragten am geringsten, die die Welt für "nicht gerecht" halten (77 Prozent). Im Norden halten 85 Prozent der Befragten die Welt für "nicht oder eher nicht gerecht".

Pandemie hat kaum Einfluss auf Glaube

Für die Mehrheit der Befragten hat sich der Glaube durch die Pandemie nicht verändert (75 Prozent stimmen dieser Aussage zu). Insbesondere junge Deutsche (12 Prozent) gaben aber an, dass ihr Glaube stärker geworden ist.

Dass ihr Glaube während der Pandemie schwächer geworden ist, gaben vor allem Befragte aus den östlichen Bundesländern an (13 Prozent).

Menschen stehen 2020 mit Abstand in einer Kirche. 29 min
Bildrechte: IMAGO / Karina Hessland

Studie der Stiftung Friedensdialog

Die Studie "Glaube – Nachhaltigkeit – Gerechtigkeit" wurde vom Meinungsforschungsinstitut YouGov im Auftrag der Stiftung Friedensdialog erstellt. Dazu wurden 2.074 Deutsche ab 18 Jahre befragt. Die Ergebnisse sind repräsentativ für die Bevölkerung in Deutschland.

Anlass der Studie ist die Weltkonferenz der Religionsführer, die im Oktober 2021 in Lindau am Bodensee stattfindet. Dabei werden sich rund 950 Teilnehmer verschiedener Glaubensrichtungen mit den Themen Frieden und Sicherheit, Umweltschutz sowie Humanitäre Arbeit beschäftigen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 23. September 2021 | 10:00 Uhr

7 Kommentare

Eulenspiegel vor 3 Wochen

Also ich denke die Religionen sind etwas gutes und positives. Das schlimme haben die Herrschenden daraus gemacht in dem sie dies Religionen für ihre egozentrischen Machtziele missbrauchten.

part vor 3 Wochen

Religion und Glaube stellte in archaischen Gesellschaftsformen noch Verbundenheit mit der Natur dar und deren Achtung. Später erwuchs daraus eine Diktaturform in den ersten Klassengesellschaften, eben zum Erhalt der Gesellschaftsform. Die Prediger kümmerten sich sehr oft recht wenig um ihre Heilslehren und lebten ins Saus und Braus, jedoch oft später ohne Vererbungstitel. Religiosität ist vererbbar nach wissenschaftlichen Studien, also ein Bestandteil der Evolution des Menschen. Karl Marx bezeichnete die Religion als Opium für die Menschheit, womit er wohl zumeist den manipulierenden Charakter in der Gesellschaft benennen wollte, der die Aufklärung des Menschen unterdrückte. Heute darf jeder für sich selbst entscheiden, woran er glaubt, obwohl die beiden Staatskirchen in der BRD weiterhin Millionen an Staatsgeldern bekommen, deren Zuwendung in der Weimarer Republik als beendenswert beschlossen wurde, mit Umsetzung durch die Bundesländer. Und ich mag keinen Aberglauben!!!

B.B. vor 3 Wochen

Aber der Glaube war ständig da. Die meisten glaubten zumindest das Ihr Trabbi am morgen anspringt und der Sozialismus siegt.
Eine Atheistische Lehrerin sagte in unserer Klasse "Die 10 Gebote sind vielleicht die ersten Humanistischen Gesetze die sich die Menschen gaben". Nach über 65 Lebensjahren muss ich sagen RICHTIG. Wir finden sie In den Verfassungen , unserem Grundgesetz und in den Religionen Weltweit wieder. Nur wir Menschen scheren uns einen Dreck darum. Vor allem die, denen es zu gut geht und denen damit die Demut fehlt zuzugeben nichts zu wissen.

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