Klimafreundliches Fahren Sollte auf allen Landstraßen Tempo 70 gelten?

Wenn man mit dem Auto über Land fährt, ereignet sich oft folgende Situation: Man hat gerade erst auf 100 km/h beschleunigt und schon muss man wieder abbremsen auf 70 km/h. Kurz danach geht es dann wieder schneller – und so weiter. Umweltfreundlich ist dieser Fahrstil nicht. Eine Geschwindigkeitsbegrenzung außerorts auf 70 km/h könnte das ändern. Doch das ist gar nicht so einfach.

Ein Verkehrszeichen weist auf Tempo 70 hin
Geschwindigkeitsreduzierungen auf Landstraßen müssen durch eine Gefahrenstelle begründet sein. Bildrechte: dpa

Christian Penzholz fährt die Verbindungsstraße von Espenhain nach Störmthal entlang – virtuell am Computer. Er leitet das Straßenverkehrsamt des Landkreises Leipzig. Jede Straße wird regelmäßig abgefilmt. "Jetzt sind wir hier an der Einmündung vorbei und haben hier einen relativ langen Abschnitt, der super einsehbar ist, gerade verläuft, keine Gefälle oder Kurven drin. Wenn wir hier die 70 beibehalten würden, fangen die Leute an, auf ihrer Pedalerie Tango zu tanzen", erzählt Penzholz. Nach der Reduzierung auf 70 km/h darf hier also wieder Gas geben werden – bis zum nächsten Kreuzungsbereich.

Unsinnig findet das Udo Becker und typisch für das Autoland Deutschland. Der Professor für Verkehrsökologie an der TU Dresden sagt: "Jeder weiß, dass extra beschleunigen, dann wieder abbremsen und wieder beschleunigen, Energie kostet. Das macht kein Mensch mit dem Fahrrad, weil dann müsste er ja selber dann strampeln. Das kostet eben dann Benzin und Diesel." Das schaffe keinen Zeitgewinn, aber der Verbrauch verdopple oder verdreifache sich sogar.

70 km/h würde Emissionen sparen

Besser wäre es aus Sicht von Becker deshalb, eine konstante Geschwindigkeit auszuschildern. Also zum Beispiel lieber immer 70 km/h. Dann müsste an Kreuzungen, Einmündungen oder anderen Gefahrenbereichen nicht mehr extra abgebremst werden. Das würde Emissionen, Verkehrsschilder und Geld sparen: Bei einer gleichmäßigen Fahrweise würde im Durchschnitt 20 bis 25 Prozent weniger Benzin verbraucht.

Seine Landstraßen einfach nur noch mit 70-km/h-Schildern bestücken, kann Christian Penzholz vom Straßenverkehrsamt aber nicht. Die Straßenverkehrsordnung schreibt nun mal vor: Außerorts gelten 100 km/h. "Eine Geschwindigkeitsreduzierung ist per se nur aufgrund bestimmter Umstände machbar", erklärt Penzholz.

Und jedes einzelne Geschwindigkeitsschild, dass die 100 aussetzt, muss im Zweifel einer gerichtlichen Prüfung standhalten. Es müsste also die STVO geändert werden. Das Bundesverkehrsministerium beantwortet die Fragen von MDR AKTUELL dazu nur allgemein: Man fördere Projekte zur intelligenten Verkehrssteuerung und wolle den Verkehr möglichst optimal fließen lassen.

Überholen bei Tempo 70 schwierig

Christian Penzholz sagt, Fahrzeugschlangen würden gerade dort, wo 100 km/h gelten, vermieden: "Speziell in unproblematischen Streckenabschnitten muss es auch die Möglichkeit geben, langsamere Fahrzeuge, wie jetzt zum Beispiel gerade in der Erntezeit Traktoren, Mähdrescher, Lkws und so weiter, überholen zu können." Und das solle eben möglichst zügig geschehen.

Beschwerden über die Geschwindigkeitsschilder außerorts gebe es beim Landkreis Leipzig nicht. Die Menschen drängten eher innerorts auf Verkehrsberuhigung und 30er-Zonen.

Auf Landstraßen einfach von sich aus langsamer als erlaubt und damit gleichmäßiger zu fahren, das will auch Verkehrsökologe Udo Becker auf keinen Fall empfehlen: "Denn das würde dafür sorgen, dass Sie von hinten richtig aggressiv angegangen werden und dann überholt Sie dann auch noch ein schneller Autofahrer direkt vor der Kurve." Becker zumindest hofft, dass sie sich irgendwann ändern.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 22. August 2021 | 07:11 Uhr

113 Kommentare

part vor 45 Wochen

Der ganze Beitrag ist Unsinn, denn die Realität lässt heute schon auf Bundesstraßen oder Landstraßen keine anderen Geschwindigkeiten zu, weil alle verstopft ist mit LKW und es an Überholspuren mangelt.

Soldaten Norbert vor 45 Wochen

Und das ist wieder das Thema des MDR. Wenn. ich sehe, welche Aufmerksamkeit hier A. Baerbock erfährt, wurde ich mich über gar nichts mehr. Der MDR sollte mal seine Wirkung überdenken. Gleichbehandlung aller Parteien ? Hmmmm

MDR-Team vor 45 Wochen

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