Die laute Minderheit: Ärzte gegen Corona-Maßnahmen

Falsche Masken-Atteste oder Auftritte bei Demos von Corona-Skeptikern und -Leugnern. Auch wenn nur wenige Mediziner die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie kritisieren – es hat eine enorme Wirkung auf die Gesellschaft.

Demonstranten verschiedener Gruppierungen wie etwa der Initiative Querdenken 711 protestierten mit einer Groߟdemonstration in Berlin gegen die bestehenden Maߟnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie.
Der Arzt und Bundestagsabgeordnete der AfD, Robby Schlund, hat sich bei einer Demo in Berlin mit einem solchen Plakat fotografieren lassen. Bildrechte: imago images/Future Image

Die Demonstranten sind in weiße Ganzkörper-Anzüge gehüllt. Die Gesichter sind teils komplett von Masken verdeckt. Einige halten an diesem Abend Anfang Februar eine Kerze in der Hand. Vor den Gegnern des Lockdowns auf dem Markt in Weida steht der Arzt und AfD-Bundestagsabgeordnete Robby Schlund und schimpft über die staatlichen Corona-Maßnahmen.

"Man hat eine sinnlose Lockdown-Thematik ins Leben gerufen. Und wo sind wir", fragt der Mann. "Immer noch im Lockdown, obwohl andere Länder wie Polen oder Russland ab heute alles aufmachen. Weil die Werte runtergehen. Wir wollen noch bis in den April weitermachen", so Schlund weiter.

Plakat mit Drosten und Lauterbach als Häftlinge

Es ist nicht das erste Mal, dass der AfD-Mann gegen die Corona-Maßnahmen und -Politik demonstriert. Schlund wurde bei einer Querdenken-Demo in Berlin im August 2020 mit Plakaten fotografiert. Darauf waren Virologe Christian Drosten und SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach in Häftlingskleidung abgebildet. Auf den Bildern stand: "Schuldig." Aufgrund dieses Fotos führt die Thüringer Landesärztekammer gegen den Arzt ein berufsrechtliches Verfahren. Er ist seit mehr als 20 Jahren Arzt und betreibt eine Privatpraxis für Orthopädie. Der Bundestag hat die Immunität von Robby Schlund als Abgeordneter aufgehoben.

AfD | Dr. Robby Schlund
Der Bundestag hat die Immunität von Robby Schlund als Abgeordneter aufgehoben. Bildrechte: Robby Schlund

"Die Plakate sind nicht von mir", sagt Schlund, als MDR exakt ihn auf die Vorwürfe anspricht. Er habe dort nur ein Foto gemacht, weil es seinen Bereich als Gesundheitspolitiker betroffen habe. Das sei im Nachhinein dann anders gedreht worden. Er habe auch mit dem Karl Lauterbach gesprochen und der SPD-Politiker habe seine Entschuldigung akzeptiert. Karl Lauterbach spricht gegenüber MDR exakt am Telefon von einer "halbgaren Entschuldigung". Er erkenne kein "wirkliches Bereuen".

Immunität von Politiker  der AfD aufgehoben

Der AfD-Politiker ist der Auffassung, dass sein Verhalten von der Meinungsfreiheit gedeckt sei. Mit solchen und ähnlichen Fällen hat der Präsident der sächsischen Landesärztekammer seit Monaten zu tun. Eric Bodendieck bezweifelt, ob das Hochhalten von Plakaten allein zu berufsrechtlichen Folgen führt. Doch bei der anstehenden Prüfung gegen Schlund gehe es  um mehr: "Wenn dann fortgesetzt solche Sachen da sind, muss man natürlich die Frage stellen, wird der Arzt seiner gesellschaftspolitischen Funktion noch gerecht. Bundestagsabgeordneter hin, Bundestagsabgeordneter her." Ein Arzt habe bei allgemeinen politischen Auftritten eine Vorbildfunktion. Diese habe "er absolut missbraucht und missachtet".

Insgesamt prüfen die Landesärztekammern in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen über 80 Verdachtsfälle von Medizinern und Ärzten, die im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie stehen. Ihnen wird häufig vorgeworfen, dass sie falsche Atteste zur Maskenbefreiung ausstellen, keinen Mund-Nasen-Schutz in der Praxis tragen oder dass sie die Gefahren des Coronavirus leugnen oder herunterspielen.

Anzeige wegen Volksverhetzung gegen Ärztin

Ein weiteres Beispiel: Gerlind Läger. Bei öffentlichen Reden hat sie Corona als Grippe bagatellisiert. Der Mundschutz sei kontraproduktiv und gegen die Regierung sollte man Widerstand leisten. "Es kann mir keiner erzählen, dass die Maske gesundheitsförderlich ist", sagte die Ärztin auf einer Kundgebung Ende vergangenen Jahres. "Ich sage Euch, steht auf. Zeigt Rückgrat. Schützt unsere Kinder, Alten, die können sich auch kaum wehren." Solche Auftritte könnten als private Meinungsäußerung keine berufsrechtlichen Folgen haben.

Doch aus anderen Gründen liegt Lägers Fall nun aber bei der Staatsanwaltschaft: "Es gibt einen Fall, den wir in Sachsen zur Anzeige gebracht haben", sagt der Chef der Landesärztekammer Bodendieck. Dabei sei der Mund-Nasen-Schutz mit dem Judenstern verglichen worden. "Das ist aus unserer Sicht überhaupt nicht haltbar, sondern erfüllt nach unserer Sicht den Tatbestand der Volksverhetzung." Eine Strafanzeige sei notwendig gewesen.

Wenn Ärzte gesundheitliche Gefahren bagatellisieren

Auf einer bundesweiten Unterschriftenliste mit 300 Ärzten taucht der Name von Gerlind Läger ebenfalls auf, wie Recherchen von MDR exakt ergeben haben: "Ärzte stehen auf" heißt die Initiative, die in einem offenen Brief an das Bundeskanzleramt fordert, die aus ihrer Sicht skurrilen Corona-Maßnahmen sofort einzustellen. Es ist nicht die einzige Ärzte-Gruppe, die sich formiert hat.

Diese Gruppen der Corona-Leugner, Masken-Verweigerer und Lockdown-Gegner unter den Ärzten stelle eine absolute Minderheit dar, sagt Präsident Bodendieck. Doch leider sei dies auch eine sehr laute. "Wenn fortgesetzt, bewusst und aktiv Kolleginnen und Kollegen in dieser Richtung unterwegs sind, dann muss ich persönlich an der Eignung für den Beruf zweifeln."

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR exakt | 17. Februar 2021 | 20:15 Uhr

243 Kommentare

Wessi vor 34 Wochen

@ Tacitus ...ach auf einmal?Sind es nicht Sie, die sonst immer Dr.Lauterbach als Epidemologe seine Qualifikation absprechen wollen? Prof.Wiesendanger ist Physiker....!Die Wahrheit beugen nenne ich das.Respektive....wenn Physiker (mal ganz abgesehen von den dubiosen Quellen die W. selbst zugibt) über das Virus befinden können...ja, überlassen Sie das Urteil doch Frau Dr.Merkel! Hab' ich jetzt was Falsches gesagt?

Wessi vor 34 Wochen

@ Tacitus ...es wundert mich, daß Sie beharrlich immer wieder Ihre Halbwahrheiten oder sinds gar "Lügen"?, behaupten.Da ist die Verharmlosung des Virus mit einer Art Gleichstellung zur Grippe, das sind Ihre Unwahrheiten über Dr.Lauterbach und es gäbe noch vieles andere mehr!Ist das die Tendenz Ihrer politischen Richtung?Die fakenews, meine ich, oder nur unverfroren?Und Ihre arrogante Schlußfolgerung über die Untersuchung am UKE hat schon was Dreistes.Die untersuchenden Pathologen aller in HH verstorbenen Menschen (das sind Ärzte, keine Tacitusse) sagen genau NICHT das, was sie sich hier herausnehmen zu behaupten.Ich hoffe ich konnte das jetzt klären, Münchhausen!

Wessi vor 34 Wochen

@ Brigitte Schmidt ..Leute wie Sie haben es schwer mit Mehrheitsmeinung,gell? Meiner Meinung nach sollte solchen Ärzten wie Schlund+Lägerganz schnell die Zulassung der Krankenkassen entzogen werden.Sie verbreiten nämlcih erstens Unsinn+zweitens gefährden sie die Gesundheit von vielen."Volksverhetzer" sollten verurteilt werden.Wir leben NICHT im "Land, das wird man wohl noch sagen dürfen"!Wir leben in einem REchtsstaat.In einem Rechtstaat werden die GEsetze und Regeln von der Mehrheit aufgestellt+nicht von der laut krähenden Minderheit.

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