Tourismus Urlaub an der Ostsee: Bitte halten Sie Abstand!

Nun geht es doch: Urlaub in Deutschland und Europa. Doch auf Mallorca ist gerade erst die Partymeile am "Ballermann" geschlossen worden – zur Einhaltung der Corona-Regeln. Davor hatte man sich auch an der Ostsee gesorgt. Doch wie sieht es jetzt aus – im Norden am Meer?

Urlaub am Strand, an der Ostsee – nun ist das doch möglich. Bei einigen Touristen auf Rügen macht sich Erleichterung breit: "Es sind Kindheitserinnerungen. Das Meer, der Wind, die Wellen, es ist einfach alles", sagt Barbara Werner-Winkler, die mit ihrem Mann aus Wurzen in Sachsen dorthin gereist ist.

Mann und Frau
Barbara Werner-Winkler und ihr Mann genießen ihren Urlaub nach dem anstrengenden Lockdown. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Nach dem Frühling unter dem Stress des Corona-Lockdowns tue den Beiden der Urlaub einfach gut. "Man braucht das irgendwo, um wieder klar zu werden im Kopf", sagt Barbara Werner-Winkler. Sie und ihr Mann hätten in der Krise viel arbeiten müssen. "Deswegen tut das jetzt besonders gut, hier zu sein und sich mal durchpusten zu lassen."

Binz ist wieder voller Urlauber

Die Seebrücke im Ostseebad Binz ist auch bereits wieder voller Urlauber. Das war vor wenigen Wochen noch undenkbar. Erst zu Pfingsten lief der Tourismus wieder an – eine der wichtigsten Einnahmequellen des Landkreises Vorpommern-Rügen. Zuerst waren die Plätze auf 60 Prozent Auslastung gedeckelt, seit Mitte Juni sind 100 Prozent der Betten freigegeben – unter Auflagen.

Die Betten waren schnell ausgebucht. Einige Touristen aus Nordrhein-Westfalen (NRW) mussten deshalb umdisponieren. "Wir wollten ja etwas früher, aber da war schon ausgebucht", sagt ein Paar aus Gütersloh, das gerade Urlaub an der Ostsee macht. Dabei hätte ihnen Corona fast doch noch einen Strich durch die Rechnung gemacht. Denn Gütersloh ist aufgrund der Infektionslage rund um eine Schlachtfabrik von Tönnies ein Corona-Risikogebiet. Sie hätten eigentlich nicht anreisen dürfen.

"Das wäre sehr schade gewesen", sagt das Pärchen. Doch das Hotel sei kooperativ gewesen und habe mitgeteilt: Mit einem aktuellen und negativen Corona-Test würde es gehen. "Das haben wir dann auch gemacht und waren dann glücklich, dass wir kommen durften."

Bürgermeister stört Sorglosigkeit der Touristen

Menschen gehen einen Steg entlang
Die Seebrücke im Ostseebad Binz ist bereits wieder voller Urlauber. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Für manche ist der Urlaub offenbar auch "Urlaub von Corona". Doch auf der Fähre nach Hiddensee ist der Andrang so groß. Der Mindestabstand wird trotz zahlreicher  Hinweise stellenweise nicht eingehalten. Vor sechs Wochen befürchtete der Bürgermeister von Hiddensee, Thomas Gens (parteilos), dass mit den Touristen auch die Corona-Welle auf die Insel kommt: "Diese ganze Corona-Infektion ist ja entstanden durch den Ischgl-Effekt oder auch die Faschings-Hochburgen in NRW. Und da ist ein bisschen unsere Sorge, dass das etwas zu früh sein kann." Doch die schlimmsten Befürchtungen haben sich nicht bewahrheitet.

Bisher gab es keine einzige Infektion auf Hiddensee. Aber: Die Saison hat gerade erst begonnen. Auch deshalb stört Bürgermeister Gens die aktuelle Sorglosigkeit der Urlauber. "Ich würde mir wünschen, dass viele immer im Kopf haben, dass das Virus eben keinen Urlaub macht." Denn etwa eine "Hotspot-Fähre" wäre nicht gut. Bislang dürfen auf die Insel auch noch keine Tagestouristen aus anderen Bundesländern als Mecklenburg-Vorpommern einreisen.Die Zahlen sprechen dafür, dass der Infektionsschutz funktioniert. Im gesamten Landkreis Vorpommern-Rügen wurde nur ein einziger Tourist positiv auf das Corona-Virus getestet.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | exakt | 15. Juli 2020 | 20:15 Uhr

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