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Familien sollen Weihnachten gemeinsam feiern können. Bildrechte: imago images/MiS

Weihnachtsfest

Wirtschaft kritisiert freiwillige Quarantäne

von Jessica Brautzsch, MDR AKTUELL

Stand: 01. Dezember 2020, 07:22 Uhr

Weihnachten mit der Familie soll trotz der Corona-Pandemie stattfinden. Das haben Bund und Länder beschlossen. Bis zu zehn Personen dürfen zusammenkommen, Kinder unter 14 Jahre nicht eingerechnet. Um die Wahrscheinlichkeit zu senken, sich bei so einer Familienfeier zu infizieren, empfehlen Bund und Länder, sich vor dem Weihnachtsfest in eine "freiwillige Quarantäne" zu begeben. Für Arbeitnehmer kann das bedeuten, sich unbezahlt freistellen zu lassen oder Urlaub zu nehmen.

Die Weihnachtszeit gestaltet sich nicht nur im privaten Bereich als eine besonders geschäftige. Für viele Unternehmen kommt am Ende des Jahres nochmal eine richtige Stoßzeit. So auch bei dem Unternehmen Kirpal Energietechnik, erzählt Geschäftsführer Kristian Kirpal: "Also grundsätzlich ist es bei uns so, dass wir auch vor Jahresende wesentlich mehr Arbeitsaufkommen haben als im normalen Jahresverlauf, und auch eine Vielzahl von unseren Kunden erwartet, dass wir auch zwischen den Feiertagen arbeiten und erreichbar sind und die Aufträge umsetzen."

Produktion nicht aufrecht zu erhalten

Auch aus anderen Branchen kennt Kirpal, Präsident der Industrie- und Handelskammer (IHK) zu Leipzig, diese Situation. Etwa aus dem Dienstleistungsbereich oder natürlich dem Einzelhandel. Aus seiner Sicht sei eine freiwillige Quarantäne in der Wirtschaft gerade vor Weihnachten "realitätsfern". Skeptisch ist auch sein Thüringer Kollege, Ralf Pieterwas. Pieterwas ist der Hauptgeschäftsführer der IHK Südthüringen. Und befürchtet auch ohne "freiwillige Quarantäne" eine stark reduzierte Belegschaft in den Unternehmen: "Wir rechnen, seitdem die neue Verordnung jetzt in Kraft tritt, damit, dass in den Landkreisen aufgrund der Inzidenzwerte Schulen und Kitas geschlossen werden. Und die Unternehmen schon erhebliche Ausfälle haben werden durch Fachkräfte, die zur Kinderbetreuung zu Hause bleiben müssen."

Mit der zusätzlichen "freiwilligen Quarantäne" sei die Produktion in Unternehmen dann einfach nicht mehr aufrecht zu erhalten. Kristian Kirpal von der IHK zu Leipzig zweifelt zudem daran, ob den Menschen bewusst sei, was "freiwillige Quarantäne" bedeute: "Das ist in der Politik wirklich immer die Formulierung: Freiwillige Quarantäne – darüber sollte man vorher nachdenken. Weil das heißt tatsächlich: Unbezahlte Freistellung. Und ich glaube nicht, dass das die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter tatsächlich so wollen."

Keine flächendeckende Lösung

Nicht nur in der freien Wirtschaft, sondern auch beim Städte- und Gemeindebund gibt es Zweifel, wie umsetzbar eine "freiwillige Quarantäne" ist. Zwar hält sie Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg prinzipiell für eine vernünftige Empfehlung. Doch: "Wir wissen alle, vor Weihnachten gibt es viel zu erledigen und Quarantäne hieße ja, wenn man es ernst nimmt, ich gehe gar nicht raus. Also da bin ich nicht so zuversichtlich. Natürlich haben wir in den Verwaltungen schon viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Homeoffice. Aber das geht für weite Bereiche natürlich auch nicht." Etwa für die Mitarbeiter des Ordnungsamts, der Gesundheits- oder Bürgerämter, sagt Landsberg.

Und die müssten ihren Dienst eben trotzdem ausüben. "Freiwillige Quarantäne" könne dementsprechend keine flächendeckende Lösung sein. Dennoch sind sich sowohl IHK als auch der Städte- und Gemeindebund einig, dass sich in Ausnahmefällen entsprechende Lösungen mit Arbeitgebern finden ließen.

Dennoch: In den meisten Fällen dürfte dem Arbeitnehmer nur die Möglichkeit bleiben, Urlaub zu nehmen.

Dieses Thema im Programm:MDR AKTUELL RADIO | 01. Dezember 2020 | 07:07 Uhr

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