Erzbistum Köln Päpstliche Auszeit für Kardinal Woelki

Der katholische Kölner Kardinal Woelki bleibt im Amt. Papst Franziskus gewährte ihm aber eine Auszeit bis März. Ob das Ruhe in die Aufarbeitung der früheren Fälle von sexuellem Missbrauch im Erzbistum bringt, ist fraglich.

Der Dom in Köln
Missbrauchsvorwürfe und Gutachten dazu belasten das katholische Erzbistum Köln, die größte Diözese in Deutschland. Bildrechte: dpa

Der Kardinal des katholischen Erzbistums, Rainer Maria Woelki, wird nicht abberufen. Diese Entscheidung von Papst Franziskus wurde am Freitag bekannt. Woelki kann demnach auf eigenen Wunsch eine Auszeit von Mitte Oktober bis zum Beginn der Fastenzeit Anfang März nehmen. Bis dahin werde Weihbischof Rolf Steinhäuser als Administrator eingesetzt, teilte der Vatikan mit.

Vatikan: "Nichts vertuscht"

Kardinal Rainer Maria Woelki, Erzbischof von Köln, kommt zu einer Pressekonferenz.
Woelki auf dem Weg einer Pressekonferenz Bildrechte: dpa

Bei Woelki "hat sich kein Hinweis darauf ergeben, dass er im Umgang mit Fällen sexuellen Missbrauchs rechtswidrig gehandelt hat", hieß es in dem Schreiben aus Rom. Die Behauptung, der Kardinal habe etwas vertuschen wollen, sei widerlegt.

Dennoch habe Woelki bei der Aufarbeitung vor allem auf der Ebene der Kommunikation "auch große Fehler gemacht". Das habe viel dazu beigetragen, dass es im Erzbistum zu einer Vertrauenskrise gekommen sei. Gleichwohl hieß es aus dem Vatikan: "Der Heilige Vater zählt auf Kardinal Woelki, er anerkennt seine Treue zum Heiligen Stuhl und seine Sorge um die Einheit der Kirche."

Erzbistum Köln seit mehr als einem Jahr in der Krise

Das Erzbistum Köln steckt seit etwa einem Jahr in einer tiefen Krise, die sich unter anderem in vielen Kirchenaustritten niederschlägt. Ausgelöst wurde sie, weil Woelki ein von ihm beauftragtes Gutachten zum Umgang von Verantwortlichen im Bistum mit Missbrauchsvorwürfen nicht veröffentlichen wollte. Auf Streit darum reagierte Papst Franziskus, indem er zwei Bevollmächtigte schickte, die unter anderem einige Missbrauchsopfer befragten und einen Untersuchungsbericht schrieben.

Ein zweites Gutachten, das 75 Pflichtverletzungen im Umgang mit Fällen sexuellen Missbrauchs nachweist, brachte keine Beruhigung. Woelki selbst wurde juristisch entlastet. Kritiker legten ihm jedoch nahe, auch als langjähriger Vertrauter des früheren Kölner Kardinals Joachim Meisner, eine moralische Verantwortung für das System zu übernehmen. Einen Rücktritt lehnte Woelki aber mehrfach ab.

Umstrittene Bischöfe bleiben im Amt

Als ehemaliger Personalverantwortlicher im Erzbistum Köln hatte der heutige Hamburger Erzbischof Stefan Heße dagegen seinen Rücktritt angeboten. Dieses Gesuch lehnte der Papst vergangene Woche aber ab.

Auch die Angebote des Amtsverzichts der Weihbischöfe Dominikus Schwaderlapp und Ansgar Puff, die in der Missbrauchsaffäre wegen Pflichtverletzungen beurlaubt worden waren, lehnte Rom nun ab. Wie es hieß, wird Puff seinen regulären Dienst sofort wieder aufnehmen und Schwaderlapp auf eigene Bitte zunächst ein Jahr als Seelsorger nach Kenia gehen.

Quellen: dpa / KNA (ksc)

Zu Missbrauchsfällen in der Kirche

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 24. September 2021 | 12:30 Uhr

Mehr aus Deutschland

Meilicke 3 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Tobias Meilicke berät Menschen im Umgang mit Verschwörungsgläubigen. Er sagt, dass spezielle Beratungsangebote in Deutschland fehlen.

23.10.2021 | 06:00 Uhr

Sa 23.10.2021 06:00Uhr 02:46 min

https://www.mdr.de/nachrichten/deutschland/video-verschwoerung-corona-familie-hilfe-100.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Video