Datenerhebung Volkszählung: Im Mai startet der Zensus 2022

Wie viele Menschen leben in Deutschland? Wie groß ist zum Beispiel die Bevölkerung in Sachsen? Oder in einzelnen Kommunen? Wie viele Wohnungen gibt es in welchem Ort? Diese Daten sollen in Europa seit 2011 alle zehn Jahre erhoben und aktualisiert werden. Die große Volkszählung, der Zensus, wurde pandemiebedingt auf 2022 geschoben. Ab Mitte Mai soll es losgehen. Doch die Vorbereitungen laufen schon seit Monaten.

Zahlreiche Menschen gehen durch die Fuߟgängerzone in der Grimmaischen Straߟe in der Leipziger Innenstadt.
Am Mai soll der Zensus 2022 starten. Bildrechte: dpa

Erhebungsstellen müssen her – überall in Deutschland. Federführend verantwortlich dafür sind die Statistischen Landesämter. Beim Statistischen Landesamt Sachsen ist Annett Kirschke zuständig für den Zensus 2022: "Erhebungsstellen richten wir in 48 Kommunen ein. Gegenwärtig hat der Freistaat Sachsen 419 Kommunen, das bedeutet, in etwa jeder zehnten Kommune wird es eine Erhebungsstelle geben. Dazu zählen unter anderem die drei kreisfreien Städte."

Den Zensus beschreibt Kirschke als eine Art große Inventur. Die Bevölkerung wird genauso durchgezählt wie Gebäude- und Wohnungen. In Deutschland ist der Zensus "registergestützt". Die Fachfrau erklärt: "Registergestützt heißt, dass wir zunächst auf Verwaltungsdaten aus verschiedenen Quellen zurückgreifen, das sind zum Beispiel die Einwohnermelderegister. Daten, die nicht in Verwaltungsquellen auftauchen, müssen dann durch zusätzliche Befragung ermittelt werden."

Neues Personal und viele Freiwillige

Mit der Vorbereitung der Befragungen haben die Kommunen alle Hände voll zu tun, zum Beispiel im Landratsamt Gotha in Thüringen. Die IT muss aufgebaut, Dienstanweisungen zum Datenschutz müssen geschrieben werden. Sprecher Adrian Weber sagt: "Also die Vorbereitungen für den Zensus 2022 laufen schon knapp ein ganzes Jahr. Ganz konkret wurde es dann in der zweiten Jahreshälfte. Da ging es auch darum, das tatsächliche Personal für die sogenannte Erhebungsstelle zu finden."

Im Landratsamt Gotha wurden für den Zensus vier Stellen ausgeschrieben. Hinzu kommt eine Schar von freiwilligen Interviewerinnen und Interviewer. "Diese Freiwilligen zu schulen, auf diese Aufgaben mit vorzubereiten, sie zu gewinnen, das wird am Ende alles zu den Management-Aufgaben zählen, die die vier hauptamtlichen Personen sozusagen zu wuppen haben", erklärt Weber.

40.000 Interviews allein in Leipzig

Vor ähnlichen Aufgaben, nur in größeren Dimensionen, sieht sich aktuell Christian Schmitt. Er leitet das Amt für Statistik und Wahlen bei der Stadt Leipzig. Auch die pandemiebedingte Verschiebung des Zensus um ein Jahr hat nach seinen Worten für Mehrarbeit gesorgt. So müsse die Stadt auch erstmal die notwendigen Räume finden und zur Verfügung stellen: "Es geht um Büroräumlichkeiten, um Schulungsräumlichkeiten. Insofern war die Verschiebung um ein Jahr schon eine logistische Herausforderung." Schmitt konnte aber auch im zweiten Anlauf wieder passende Räume finden und anmieten.

Zwölf feste Stellen sind für den Zensus in Leipzig zu vergeben. 400 Freiwillige müssen für die Befragung gefunden werden. Amtsleiter Schmitt rechnet vor: "Von diesen 400 ehrenamtlichen Erhebungsbeauftragten soll jeder 100 Interviews durchführen. Das heißt, es sind 40.000 Interviews, die wir brauchen. Das ist eine gehörige Zahl, und das ist auch eine große Aufgabe, die uns einigen Respekt macht."

Trotzdem ist Schmitt optimistisch, dass am Ende alles gut gelingen wird. Es ist ja nicht der erste Zensus – aber der erste unter Pandemie-Bedingungen.

Quelle: MDR

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | 03. Januar 2022 | 06:55 Uhr

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