Nachhaltigkeit "Urban Jungle"-Trend: Zimmerpflanzen belasten die Umwelt

Die Deutschen geben jährlich mehr als 100 Euro für Blumen und Pflanzen aus. Das hat eine Studie der Agrarmarkt Informationsgesellschaft herausgefunden. Zwar lassen Zierpflanzen die eigene Wohnung schön grün und heimelig wirken, gleichzeitig stellen sie eine ziemliche Belastung für die Umwelt dar, weil sie oft von weither kommen und damit alles andere als nachhaltig sind.

Eine Frau gießt Zimmerpflanzen.
Die grünen Pflanzen werten ein Zimmer optisch auf – für die Umwelt sind sie aber weniger gut. Bildrechte: imago images/Westend61

Je grüner und exotischer, desto besser – das denken viele, die sich einen "Urban Jungle" zulegen, also dem Trend folgen, die Wohnung mit möglichst vielen und außergewöhnlichen Zimmerpflanzen zuzustellen. Doch viele dieser Pflanzen haben einen langen und schmutzigen Weg hinter sich, bis sie im Wohnraum ihrer Käufer oder ihrer Käuferin landen.

Eine kurze Umfrage in der Leipziger Innenstadt zeigt, dass die Passantinnen und Passanten beim Pflanzenkauf kaum auf eine umweltfreundliche Zucht und Herkunft achten und sich darüber auch noch gar keine Gedanken gemacht haben. Einige gingen davon aus, dass sich Pflanzen und Nachhaltigkeit nicht in die Quere kommen würden.

Lange Transportwege, Pestizide, Torf

Doch die meisten tollen grünen Zierpflanzen sind eine echte Belastung für die Umwelt. Marisa Becker, eine freie Journalistin mit dem Schwerpunkt Nachhaltigkeit, die sich bereits intensiv mit der Thematik auseinandergesetzt hat, beschreibt die zentralen Faktoren der Problematik: "Im Prinzip gibt es drei große Probleme. Einmal natürlich den langen Transportweg, weil langer Transportweg gleich großer CO2-Rucksack. Auf der anderen Seite die Pestizide, die im Anbau eingesetzt werden. Und drittens spielt Torf in der Erde auch noch eine Rolle, weil Torf eben auch ein Stoff ist, der besser in Moore und in die Umwelt gehört, als in Blumenerde." Denn durch die Torfgewinnung würden ganze Moorflächen und somit wichtige Lebensräume zerstört.

Um herauszufinden, wo eine Pflanze herkommt, gibt es den sogenannten Pflanzenpass. Doch Vorsicht, auf diesem ist nur das Land angegeben, aus dem die Pflanze nach Deutschland eingeführt wurde. Will man also wissen, wo die Pflanze wirklich herkommt, hilft nur das Nachfragen beim Verkäufer oder der Verkäuferin.

Handel mit Ablegern und Second-Hand Pflanzen

Da die meisten Pflanzen, egal ob im Baumarkt oder Blumenladen, jedoch auf dem Großmarkt gekauft werden und dementsprechend nicht aus einem regionalen Anbau stammen, gibt Marisa Becker folgende Tipps, wie man sich nachhaltig Pflanzen zulegen kann: "Einmal wäre natürlich der Ableger-Tausch mit Freunden und Familie zu nennen, einfach weil das die einfachste und kostengünstigste Variante ist. Dann gibt es inzwischen auch Plattformen, wo man Pflanzen tauschen kann und eben Ableger, aber auch fertig gewachsene, große Pflanzen."

Ansonsten kann man Becker zufolge auch ganz unkompliziert nach Second-Hand Pflanzen schauen. Es gebe Plattformen wie Ebay-Kleinanzeigen, wo man großgewachsene Pflanzen finden könne, die ein neues Zuhause suchen.

Wer jedoch den Pflanzenkauf vor Ort bevorzugt, kann auch in einer der mehr als 200 deutschen Bio-Gärtnereien fündig werden. Die sind zertifiziert und ziehen die Pflanzen ohne schädliche Pestizide oder lange Transportwege groß. Allerdings kostet die Pflanze dann aber auch etwas mehr als im klassischen Blumenladen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 29. Oktober 2021 | 06:00 Uhr

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