Sensible Sprache "Zonengrenze" – Laschet irritiert mit Wortwahl

Armin Laschet wollte sich im Pro-Sieben-Interview wohl vor allem von den Grünen abgrenzen, als er davon sprach, Kurzstreckenflüge nicht verbieten zu wollen. Im Gespräch rutscht ihm dann folgender Satz zu Bahnverbindungen raus: "Wenn Sie von Köln nach Berlin fahren, dann können Sie ab der früheren Zonengrenze ganz schnell fahren." Frühere Zonengrenze? Ist das noch ein zeitgemäßer Begriff? Und was halten die Menschen im Osten davon, wenn der CDU-Kanzlerkandidat so spricht?

CDU-Kanzlerkandidat Armin Laschet vor dem Partei-Logo
Die SPD und die Linke kritisieren Armin Laschet für seine unbedachte Wortwahl. Bildrechte: dpa

"Zonengrenze", Zone – das sei ein Begriff, der immer mehr sage, als man meine, erklärt Alexander Lasch, Professor für germanistische Linguistik und Sprachgeschichte an der TU Dresden. Damit ist die ehemalige sowjetische Besatzungszone gemeint: "Der Begriff der Zonengrenze akzeptiert die Eigenstaatlichkeit und Souveränität der Deutschen Demokratischen Republik nicht, sondern hebt immer auf die Besatzung durch die Sowjetunion ab, obwohl man selbst besetzt war und zwar durch die Amerikaner, Franzosen und Briten."

Typischerweise sei der Begriff von Menschen aus den alten Bundesländern benutzt worden und negativ besetzt. Der Linguist glaubt nicht, dass Armin Laschet die Wortwahl absichtlich getroffen habe, aber: "Auf alle Fälle hat er da einen schwachen Moment gehabt." Ein Politiker in dieser Position sollte sich darüber im Klaren sein, was so ein Begriff, ein Wort im Sprachgebrauch triggern könne: Alte Verletzungen, Ablehnung. Auch Passantinnen und Passanten in Leipzig finden, der Begriff sei fehl am Platz. Gerade nach einer so langen Zeit der Einigkeit stören sie der Fokus auf die Unterschiede.

CDU verteidigt Laschets "Zonen"-Äußerung

Bei der CDU im Osten versteht man die Aufregung dagegen nicht. Alexander Dierks, Generalsekretär der sächsischen Union: "Ich bin mir sehr sicher, dass Armin Laschet das in keiner Form geringschätzig oder abwertend gemeint hat." Auch Christian Hirte, CDU-Landesvorsitzender in Thüringen sagt, er habe noch von niemandem gehört, dass die Äußerung problematisch gesehen werde. Eher im Gegenteil, nämlich dass man in Armin Laschet jemanden sehe, "der als Ministerpräsident eines Landes, das die ganze Bandbreite aufweist – nämlich auch mit besonders strukturschwachen Regionen, wo es auch Brüche gab –, am ehesten noch Verständnis für die neuen Bundesländer hat."

Kritik von SPD und Linken: Nicht alte Grenzen aufreißen

Anders sieht das Katja Pähle, SPD-Spitzenkandidatin für die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt: "Wenn man das so unbedarft sagt, dann hängt die Zonengrenze anscheinend noch sehr, sehr tief in der eigenen Gedankenwelt fest." Es zeige, dass man noch immer mit westdeutschem Blick auf den Osten schaue. Auch Ralph Lenkert, Sprecher der Linken-Landesgruppe Thüringen im Bundestag, bezeichnet die Wortwahl Laschets als bitter. Für die Beschreibung innerdeutscher Zugstrecken hat er einen Alternativvorschlag für den Kanzlerkandidaten: "Wieso spricht er es überhaupt an? Also ich kenne Schnellfahrtstrecken der Deutschen Bahn zwischen Berlin und München, die sind zwischen Wittenberg und Berlin nicht besonders schnell und sehr schnell zwischen Nürnberg und München." Das solle man konkret benennen, sagt Lenkert, "und nicht die alten Grenzen – auch unbedacht – einfach wieder aufreißen."

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 19. Mai 2021 | 07:56 Uhr

177 Kommentare

Storch Heiner vor 9 Wochen


nur "Pappnasen" gluben die Mär des unglücklichen Ausdrucks; ein U-Ausschuss sollte Klären warum ehem. Zonengrenze nicht gerade sondern "zackig" angelegt wurde und sogar manch Orte teilte

Bernd1951 vor 9 Wochen

Vielleicht war es doch kein Lapsus oder "altes Denken", sondern ein dezenter Hinweis darauf, dass mit "unserem" Geld jenseits der "früheren Zonengrenze" eine bessere Infrastruktur aufgebaut wurde. Und wenn ich dann Kanzler bin wird das anders. Damit verliert er in den östlichen Bundesländern zwar einige Stimmen, doch in den Bundesländern mit der "schlechteren" Infrastruktur gewinnt er viel mehr dazu als er in der "Zone" verliert. Schließlich wohnen in Nordrhein-Westfalen mehr Wähler als in der "Zone". Er nimmt ja bestimmt umfangreiche Unterstützung durch im Wahlkampf erfahrene Unternehmen in Anspruch.

Bernd1951 vor 9 Wochen

Hallo Wessi,
über "sehr viel sehr gut" bin ich leider anderer Meinung. Mit "relativ viel relativ gut" könnte ich mich anfreunden. Hoffentlich sind wir das nächste Mal besser vorbereitet.

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