Bilanz 2021 Mehr als 4.600 Zwangsräumungen in Mitteldeutschland

Jedes Jahr werden zehntausende Wohnungen in Deutschland zwangsgeräumt – im vergangenen Jahr waren das bundesweit mehr als 29.000. Das geht aus einer Statistik des Bundesjustizministeriums hervor. Die Linke im Bundestag fordert, Mieterinnen und Mieter vor Wohnungslosigkeit zu schützen. Caren Lay, wohnungspolitische Sprecherin der Linken, forderte ein "Winterpaket für warmes und sicheres Wohnen".

Ein Gerichtsvollzieher überprüft den Schlüssel vor der Räumung einer Wohnung
Zehntausende Wohnungen in Deutschland werden jedes Jahr zwangsgeräumt. (Symbolbild) Bildrechte: imago/Uwe Steinert

Im vergangenen Jahr sind mehr als 29.000 Wohnungen in Deutschland zwangsgeräumt worden. Insgesamt sind die Zahlen zuletzt leicht gesunken – im Jahr 2020 lag die Zahl noch bei 30.731. Das geht aus einer Statistik hervor, die das Bundesjustizministerium auf eine Frage der Linken im Bundestag herausgab und die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt.

Sachsen im bundesweiten Vergleich auf Platz drei

Das Bundesland mit den meisten Räumungen war Nordrhein-Westfalen – das mit 17,9 Millionen Menschen auch das bevölkerungsreichste ist – mit mehr als 8.600, gefolgt von Bayern mit 3.432.

Sachsen liegt auf Platz drei mit 2.667 Zwangsräumungen. In Sachsen-Anhalt sind im vergangenen Jahr 1.173 Wohnungen zwangsgeräumt worden. Damit liegt das Land im bundesweiten Vergleich auf Rang acht. Thüringen rangiert mit rund 850 Räumungen auf Rang 13. Dahinter lagen Bremen mit 455 Räumungen und das Saarland mit 286. Aus Schleswig-Holstein lagen keine Daten vor. Zu den Gründen der Räumungen machte das Justizministerium keine näheren Angaben.

Linke im Bundestag fordert Schutz vor Wohnungslosigkeit

"Jede Zwangsräumung ist eine zu viel", sagte die Wohnungspolitik-Expertin der Linken, Caren Lay. "Wenn die Bundesregierung nicht handelt, werden noch mehr Menschen ihre Wohnungen und ihr Zuhause verlieren." Wer die Corona-Pandemie finanziell gerade so überstanden habe, solle jetzt nicht während der Energiekrise auf die Straße gesetzt werden. Die Politikerin forderte ein "Winterpaket für warmes und sicheres Wohnen". Kündigungen aufgrund von Zahlungsschwierigkeiten müssten ausgeschlossen und Räumungen in die Wohnungslosigkeit verboten werden.

Lay wies darauf hin, dass entgegen dem leicht rückläufigen Gesamttrend die Zahl der Zwangsräumungen in Bayern von zuvor 2.867 deutlich gestiegen sei. Gemessen an der Einwohnerzahl gelte: "Sachsen ist Räumungsmeister Ostdeutschlands." Aus einer Wohnung geräumt zu werden, bedeute bei den derzeit angespannten Wohnungsmärkten nicht selten Wohnungslosigkeit. Die Corona-Pandemie hatte jedoch zu weniger Räumungen geführt als befürchtet.

dpa/MDR (kar/jan)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 04. Dezember 2022 | 07:00 Uhr

20 Kommentare

hinter-dem-Regenbogen vor 9 Wochen

# "Kündigungen aufgrund von Zahlungsschwierigkeiten müssten ausgeschlossen .."

Diese Forderung gefällt mir. Nur sollte diese auf alle Lebensbereiche anwendbar sein.
Es scheint, dass alles zu haben ist im Regenbogenland, hinter den 7 Bergen ..

Da fragt man doch besser bei den Linken, wer denn das Geld eingeführt hat in unserem schönen Land und zu welchem Zweck. Danach könnte man auch über die Folgen und Nöte philosophieren, die der Strom des Geldes im täglichen Leben und eben nicht nur bei den aller Ärmsten so mit sich bringt... Aber da kneifen dann die Experten, Ursachen und Wirkung für jedermann sichtbar zu machen.
Wer sich einzig auf das Prinzip der Umverteilung eingestellt hat, hat seine Glaubwürdigkeit verwirkt. Die überwiegende Mehrheit der Menschen geht immer noch einer Arbeit, zum Zwecke des Lebensunterhalt seiner selbst oder seiner Familie nach.
Und die Geier auf dieser Welt, die glauben, dem arbeitenden Menschen das Leben schwer machen zu müssen, da sollte man ansetzen

Kritische vor 9 Wochen

Ich konnte es mir auch nicht vorstellen, dass es das gibt, aber seit ich meine Wohnung einmal vermietet hatte, weiß ich es. Es gibt tatsächlich Menschen, die wissentlich ihre Miete nicht zahlen und auf Zeit spielen. Zeitgleich wurde die schöne Wohnung derart ruiniert, dass sie kaum wiederzuerkennen war. Man muss zu halb illegalen Methoden greifen, um solche Leute rauszubekommen. Vermieter sind auch nicht alle Monster, sondern arbeitende Menschen. Ich war völlig fertig damals. So etwas darf nicht noch unterstützt werden, das macht dann Schule und findet Nachahmer.

astrodon vor 9 Wochen

@Ralf G: "Mancher Kleinvermieter dürfte sich [...] entscheiden zu verkaufen" - oder einfach nicht mehr zu vermieten, das kann unterm Strich billiger sein.

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