Verdienstvergleich nach Berufsgruppen Welche Gehälter im Handwerk gezahlt werden und wie groß die Unterschiede sind

Manuel Mohr
Bildrechte: MDR/Manuel Mohr

Auch wenn immer mehr Berufszweige des Handwerks unter Fachkräftemangel leiden, sind die gezahlten Gehälter oftmals eher unterdurchschnittlich. Welche Gründe das hat und wie sich die Bezahlung in den vergangenen Jahren entwickelt hat.

Zwei Hände halten Euro-Scheine in die Kamera.
Im Handwerk spielen viele Faktoren eine Rolle für die Höhe des Gehalts. Neben Qualifikation und Branche ist auch die Größe des Betriebs entscheidend. Bildrechte: MDR/Unsplash/Christian Dubovan

Die Frage danach, welche Gehälter im Handwerk in Sachsen-Anhalt, Sachsen oder Thüringen gezahlt werden, ist keine Einfache. Denn die Handwerkskammern – die unter anderem die wirtschaftspolitischen Interessen der Handwerksbetriebe ihrer jeweiligen Region vertreten – teilen auf MDR-Anfrage mit, dass ihnen diesbezüglich keine detaillierten Informationen vorliegen. Und auch die Daten der Bundesagentur für Arbeit können nicht für jeden einzelnen Handwerksberuf genaue Gehälter liefern, wohl aber für etwas allgemeinere Berufsgruppen.

Der Grund: Die Berufseinteilung in der Handwerksordnung ist sehr kleinteilig, weshalb nicht für jeden einzelnen Beruf genügend vergleichbare Gehaltsangaben existieren. Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) – eine besondere Dienststelle der Bundesagentur für Arbeit – hat daher für den MDR alle handwerkstypischen Berufsgruppen aus Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen analysiert, in denen in den vergangenen Jahren mindestens 500 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte gemeldet waren.

Viele Berufsgruppen im Handwerk verzeichnen unterdurchschnittlichen Lohn

Ergebnis: In den meisten Berufen liegt das Entgelt unter dem jeweiligen Landesdurchschnitt. Besonders deutlich wird dies bei den Reinigungsberufen und den Berufen der Lebensmittel- und Genussmittelherstellung. Die Berufe der Energie- und Elektrotechnik werden dagegen überdurchschnittlich entlohnt:

Über das Ausklappmenü "Bundesland wählen" können die Werte des jeweiligen Bundeslands aufgerufen werden.

Wichtige Einordnung zu den dargestellten Entgelten

In den Werten sind alle laufenden und einmaligen Einnahmen enthalten, also auch etwaige Sonderzahlungen oder Schichtzulagen. Zudem gelten die Angaben nur für sozialversicherungspflichtig Vollzeitbeschäftigte (ohne Auszubildende), da keine stundengenaue Erfassung bei Teilzeitbeschäftigten erfolgt.

Und: Das Entgelt der Beschäftigten wird als Medianentgelt ermittelt und dargestellt. Der Median ist derjenige Wert einer Einkommensverteilung, der genau in der Mitte aller Einzelwerte liegt. Ein Medianentgelt von 2.000 Euro etwa besagt, dass genau 50 Prozent der Beschäftigten mehr verdienen als 2.000 Euro, die anderen 50 Prozent weniger.

Lohngefälle hat vielfältige Gründe

Die Gründe für die Einkommensunterschiede – sowohl zwischen den Berufsgruppen als auch zwischen den Bundesländern – sind laut Michaela Fuchs, wissenschaftliche Mitarbeiterin beim IAB in Halle, sehr vielfältig:

Mögliche Gründe können Unterschiede in der Betriebsgrößenstruktur sein. Größere Betriebe bezahlen in der Regel höhere Löhne als kleine Betriebe, sodass in Sachsen-Anhalt zum Beispiel in den Berufen der Energietechnik das Entgelt höher ist als in den anderen beiden Bundesländern. Auch die Standorte einzelner großer Unternehmen können sich in den Entgelten pro Beruf niederschlagen.

Michaela Fuchs, IAB Sachsen-Anhalt-Thüringen

Ein weiterer Grund seien auch die Beschäftigten selbst. Zum Beispiel steigt der Lohn mit dem Alter oder auch mit der Qualifikation. Laut IAB gibt es deshalb ebenfalls Unterschiede zwischen den Ländern.

Über das Ausklappmenü "Kategorie wählen" kann für die verschiedenen Berufsgruppen ein Bundeslandvergleich vorgenommen werden.

Wichtig ist laut IAB zudem zu beachten, dass innerhalb einer Berufsgruppe, wie sie vom IAB klassifiziert wird, nicht zwangsläufig alle Beteiligten in vergleichbaren Betrieben arbeiten müssen. Für das Einkommen eines Metallbauers oder Schweißers ist es beispielsweise ein Unterschied, ob die Beschäftigung in einem kleinen Handwerksbetrieb oder aber in einem großen Industriebetrieb wie etwa der Kfz-Produktion angesiedelt ist. Denn dort kann der Bruttolohn durch Tarifabkommen, Schichtbetrieb und Unternehmensgröße deutlich höher ausfallen.

Entgelte im Handwerk spürbar gestiegen

Auch wenn viele Berufe im Handwerk noch unterdurchschnittlich entlohnt werden, so war nach IAB-Angaben die prozentuale Zunahme der Entgelte zwischen 2015 und 2020 höher als der Durchschnitt. Die deutlichen Lohnsteigerungen von teils über 20 Prozent in Berufen wie beispielsweise der Holzbe- und -verarbeitung oder Energietechnik dürften laut IAB vor allem auf die gestiegene Nachfrage zurückzuführen sein.

Über das Ausklappmenü "Kategorie wählen" kann für die verschiedenen Berufsgruppen die Entgelt-Entwicklung im Zeitraum 2015-2020 nachvollzogen werden.

Gleiches gilt auch für Klempner- und Sanitärberufe, die laut Bundesagentur für Arbeit als sogenannte "Engpassberufe" gelten. Das bedeutet, dass eine bedeutende Anzahl von Arbeitsplätzen in diesem Berufssegment nicht besetzt werden kann, weil auf dem Arbeitsmarkt nicht genügend qualifizierte Fachkräfte zur Verfügung stehen. In den schlecht bezahlten Berufen der Reinigung kann außerdem die Einführung des Mindestlohns zu einem überdurchschnittlichen Lohnanstieg beigetragen haben.

Manuel Mohr
Bildrechte: MDR/Manuel Mohr

Über den Autor Manuel Mohr arbeitet seit 2017 als Datenjournalist bei MDR SACHSEN-ANHALT in Magdeburg. Sein Aufgabenschwerpunkt liegt in der Recherche und Analyse von Daten, aus denen Geschichten für Online, Radio und Fernsehen entstehen. Vor der Rückkehr in seine Heimatstadt war Manuel Mohr für mehrere Jahre beim Bayerischen Rundfunk in München.

Seit Beginn der Corona-Pandemie informiert er regelmäßig über Fallzahl-Statistiken, Studien und Analysen und ordnet diese Daten ein.

Quelle: MDR/Manuel Mohr

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 18. Oktober 2021 | 19:00 Uhr

5 Kommentare

Matthi vor 6 Wochen

Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, es ist nicht nur der geringe Lohn gegenüber Großkonzernen, Öffentlichen Dienst, Beamten, sondern Arbeitsbedingungen, Arbeitszeiten und die Spätere mickrige Rente wenn man es überhaupt Körperlich schafft sind wichtige Punkte. Wertschätzung ist auch so ein Thema. Ich persönlich würde auch keine Bauberufs Ausbildung mehr machen, Öffentlichen Dienst würde ich machen gute Tarifverträge regelmäßige Gehaltserhöhungen gleitzeit 37 Stundenwoche warmes trockenes Büro und in der Corona Krise von Zuhause arbeiten ohne Fahrkosten zur Arbeit.

Kritiker vor 6 Wochen

Es wurde wohl nicht als wichtig erachtet die einzelnen Löhne in oberer Übersicht als das zu bezeichnen was diese sind? ES SIND BRUTTO-Löhne. Was bleibt am Ende denn davon als NETTO-Löhne übrig?

Rotti vor 6 Wochen

Ich kann mir nicht vorstellen, dass der sogenannte Mindestlohn irgendwas mit der Lohnentwicklung im Handwerk zu tun hat.
Hier kommt es darauf an, wie pfiffig der Inhaber seinen Betrieb entwickeln kann.
Seine Leistungen und Produkte müssen nachfragt und gekauft werden. Das ist die große Klammer.
Ein guter Unternehmer bezieht auch seine Mitarbeiter in den Erfolg des Unternehmens mit ein. Und das geht halt nun einmal nur mit dem, was sich zwischen Daumen und Zeigefinger bewegt.
Wenn der Kopf des Unternehmens fit ist dann wirkt das positiv auf alles.

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