Folgen der Pandemie Das große Hotel- und Kneipensterben bleibt aus

Max Schörm
Bildrechte: MDR/Sarah Peinelt

Die Corona-Pandemie und die Einschränkungen der Lockdowns haben bisher nicht zu einem verstärkten Kneipen- und Gastrosterben geführt. Zwar wurden in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen mehr Betriebe geschlossen als eröffnet, diesen Trend gibt es jedoch seit mehr als zehn Jahren.

Ein Schild mit der Aufschrift "Schön, dass Sie da sind" steht am Eingang eines Biergartens in Magdeburg. 2 min
Bisher haben die Lockdowns nicht zu so vielen Schließungen geführt, wie befürchtet. Bildrechte: dpa

Die coronabedingten Lockdowns im vergangenen Jahr und im Frühjahr 2021 haben bisher zu weniger Pleiten in der Gastronomie geführt als befürchtet. Das belegen Zahlen der Statistischen Landesämter in Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt. Vergleicht man die Gewerbeab und -anmeldungen, so ergibt sich für das Jahr 2020 zwar ein Rückgang der Gastronomie-Betriebe in allen drei Bundesländern – allerdings passt dieser Rückgang in den Trend, der sich seit mindestens 2010 ablesen lässt.

Für das erste Halbjahr 2021 zeigen die Zahlen sogar in Sachsen und Sachsen-Anhalt einen leichten Zuwachs in der Gastronomie.

Unterstützung für die Gastronomie

Die Aussagekraft der bisher vorliegenden Erhebung ist allerdings noch eingeschränkt, da Hilfen der Bundes- und Landesregierung mögliche Pleiten nicht verhindern, sondern nur verzögern könnten. Außerdem wurde kurzzeitig die Insolvenzantragspflicht ausgesetzt.

Unterstützt werden Unternehmen vor allem finanziell. Wer seit November 2020 in mindestens drei Monaten einen Umsatzeinbruch von jeweils mehr als 50 Prozent erlitten hat, hat Anrecht auf einen Eigenkapitalzuschuss zwischen 25 und 40 Prozent.

Allerdings wurden diese sogenannten "Novemberhilfen" (später "Dezemberhilfen") oft nicht so schnell ausgezahlt, wie es die Betriebe benötigten. Daher wurde zwischen dem 1. Januar und dem 30. April 2021 die Insolvenzantragspflicht für Unternehmen ausgesetzt, bei denen die Auszahlung der staatlichen Hilfeleistungen noch ausstanden.

Auch das ist ein Grund, weshalb sich die Insolvenzzahlen im Jahr 2021 noch deutlich steigen könnten.

Gestapelte Geldmünzen 2 min
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MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir Di 12.10.2021 12:00Uhr 01:48 min

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Lockdowns haben keine direkte Auswirkung auf Schließungen

Um festzustellen, ob der Lockdown direkte Auswirkungen auf die Schließungen hatten, muss man den Zeitraum zwischen November 2020 bis einschließlich April 2021 betrachten – als im Zuge des "Lockdowns light" die Gastronomie schließen musste und später als die "Corona-Norbremse" in Kraft trat. Im Mai durften die meisten Gastro-Betriebe zumindest teilweise wieder öffnen.

Dabei wird deutlich, dass in Thüringen, diesmal aber auch in Sachsen und Sachsen-Anhalt in diesem Zeitraum mehr Betriebe schließen mussten, als neu eröffnet oder übernommen wurden.

Allerdings zeigt sich auch hier, dass dieser Rückgang durchaus im Trend der letzten Jahre liegt und nicht deutlich über dem Rückgang in den vergangenen Zeiträumen. Tatsächlich liegt der Wert für Sachsen-Anhalt deutlich unter dem durchschnittlichen Rückgang.

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Beherbergungsbetriebe stärker von Corona-Maßnahmen betroffen

Die Auswirkungen der Lockdowns werden aber bei den Beherbergungsbetrieben in Sachsen-Anhalt und Thüringen besonders deutlich. Während der sechs Monate von November 2020 bis April 2021 mussten hier mehr Betriebe als im gleichen Zeitraum in anderen Jahren schließen.

Weil in Thüringen einige Daten nicht angegeben werden, damit keine Rückschlüsse auf einzelne Personen, Unternehmen oder Institutionen möglich sind, lassen sich lediglich die Daten aus Sachsen-Anhalt weiter aufschlüsseln. Hier wird deutlich, dass vor allem Ferienunterkünfte schließen mussten. Dagegen mussten bei Hotels, Gasthöfen und Pensionen weniger Unternehmen schließen als im Vorjahr. Dasselbe gilt im Bereich Gastronomie für Restaurants, aber auch für Gewerbe, die nur Getränke ausschenken, etwa Diskotheken oder Trinkhallen.

In der Grafik kann über "Kategorie auswählen" zwischen den einzelnen Bereichen des Gastgewerbes in Sachsen-Anhalt gewählt werden.

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Quelle: MDR/Max Schörm

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 13. Oktober 2021 | 19:00 Uhr

2 Kommentare

Fakt Gestern

@Peter:

Genau das, was aus allen Prophezeiungen der Truppe geworden ist: Nichts. ;-)

Peter Gestern

Was ist eigentlich aus der Prophezeiung der AfD geworden, die Corona-Maßnahmen der Regierenden würde das Land ruinieren?

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