Verfassungsschutz-Affäre V-Mann offenbar in Mordplan verwickelt

In einen geplanten Mordanschlag auf einen tschetschenischen Oppositionellen ist offenbar ein Verfassungsschutz-Spitzel verwickelt. Der mutmaßliche Waffenbeschaffer soll ein V-Mann des Verfassungsschutzes Mecklenburg-Vorpommern sein.

Eine vorgehaltene Pistole
Zu einem geplanten Mord an einem Oppositionellen aus Tschetschenien gibt es neue Entwicklungen. (Symbolfoto) Bildrechte: colourbox.com

Walid D. sitzt seit Ende des vergangenen Jahres in Untersuchungshaft. Die Bundesanwaltschaft wirft ihm vor, hinter der Planung eines Mordanschlags auf den tschetschenischen Oppositionellen Mochmad Abdurachmanov zu stehen. Nun berichtet der Spiegel, dass D. offenbar auch für den Verfassungsschutz in Mecklenburg-Vorpommern arbeitet. Er soll V-Mann für den Geheimdienst sein. Nach Angaben des Magazins wollte sich das Innenministerium in Schwerin zu den Informationen nicht äußern, ebenso wie Walid D.s Anwalt.

Mutmaßlicher Waffenbeschaffer

Für die Behörden in Mecklenburg-Vorpommern könnte der Fall unangenehm werden. Vor einer Woche hatten der MDR und der Spiegel die Pläne für den Mordanschlag auf Mochmad Abdurachmanow öffentlich gemacht. Dabei wurde auch bekannt, dass bei einer Razzia der Polizei in D.s Wohnung eine Waffe gefunden worden ist. Die Makarow mit Schalldämpfer sollte für den geplanten Mord an Abdurachmanow bei München eingesetzt werden. Walid D. bestreitet, etwas mit den Plänen zu tun zu haben. Wie die Waffe in seine Wohnung gekommen sei, könne er nicht sagen, ließ er über seinen Anwalt ausrichten. Nun stellt sich die Frage: Haben die Verfassungsschützer in Mecklenburg-Vorpommern von den Plänen gewusst oder zumindest Hinweise gehabt? Das Innenministerium schweigt dazu.

Tschetschenischer Oppositioneller Mochmad Abdurachmanow
Gegen den tschetschenischen Oppositionellen Mochmad Abdurachmanow, der mit seiner Familie in Deutschland lebt, sollte ein Mordanschlag verübt werden. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Neues Asylverfahren für Anschlagsopfer

Inzwischen gibt es für Mochmad Abdurachmanow und seine Familie Grund zur Hoffnung auf mehr Sicherheit in Deutschland. Bisher musste der Kritiker des tschetschenischen Regimes um Machthaber Ramsan Kadyrow fürchten, aus Deutschland wieder in seine Heimat abgeschoben zu werden. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) hatte einen erneuten Antrag auf ein Asylverfahren abgelehnt. Abduchrachmanow und seiner Familie drohte zudem die Abschiebung nach Russland, wo er aber auch nicht sicher gewesen wäre. Denn immer wieder werden tschetschenische Oppositionelle von dort in ihr Heimatland entführt oder in Russland ermordet. Nun hat das Verwaltungsgericht Augsburg entschieden, dass das Bamf ein neues Asylverfahren einleiten muss. Das geht aus dem Urteil vom 6. April hervor, das dem MDR vorliegt.

Richter erkennen Bedrohung

In diesem stellen die Richter fest, dass Abdurachmanow bei einer Abschiebung nach Tschetschenien oder Russland Repressalien drohen. Zudem berücksichtigt das Gericht auch den geplanten Mordanschlag auf ihn im Dezember 2020 bei München. In dem Urteil heißt es: "Neue Tatsachen, die eine günstigere Entscheidung möglich erscheinen lassen, sieht das Gericht in den Anschlägen auf den Bruder des Klägers im Februar 2020 sowie in der versuchten Anstiftung zum Mord zum Nachteil des Klägers." Weiter heißt es: "Diese (Tatsachen, Anm.d.Red) lassen eine erhebliche Bedeutung des Bruders des Klägers und seiner Angehörigen für das Kadyrow-Regime und einer erheblich gesteigerten Verfolgungsintensität der tschetschenischen Regierung auch gegenüber den Klägern jedenfalls möglich erscheinen."

Blogger und tschetschenischer Oppositioneller Tumso Abudrachmanow
Der Oppositionelle und Blogger Tumso Abdurachmanow ist aus Tschetschenien geflüchtet. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Mordanschlag auf Bruder

Bei dem Bruder handelt es sich um Tumso Abdurachmanow, einem bekannten jungen Blogger und Kritiker des tschetschenischen Regimes. Auf ihn wurde im Februar 2020 in Schweden ein Anschlag verübt, den er nur knapp überlebte. Ein Killer hatte versucht, ihn mit einem Hammer zu erschlagen. Tumso gelang es, ihn zu überwältigen und der schwedischen Polizei zu übergeben. Nur neun Monate später sollte dann sein Bruder Mochmad in der Nähe von München von einem Killer erschossen werden. Die Bundesanwaltschaft geht davon aus, das Walid D. dafür die Waffe besorgt haben soll. Der angeheuerte Täter, Tamirlan A., nahm aber Kontakt zu Mochmad Abdurachmanow auf und stellte sich der Polizei. Seitdem laufen die Ermittlungen von Bundeskriminalamt und Bundesanwaltschaft in dem Fall.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 23. April 2021 | 14:00 Uhr

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