ÖPNV Der Nahverkehr in Mitteldeutschland wird teurer, aber nicht überall

Nutzer des Öffentlichen Nahverkehrs in Mitteldeutschland müssen sich auf steigende Tarife einstellen, denn die meisten Verkehrsunternehmen erhöhen im nächsten Jahr ihre Preise. Allerdings betrifft das nicht alle.

Eine Hand hält an einer StrŸaßenbahn-Haltestelle in Stuttgart eine 2-Euro-Münze in einen Fahrkartenautomaten.
In vielen Regionen Mitteldeutschlands müssen Bus- und Bahnnutzer ab 2022 mehr bezahlen. (Symbolbild) Bildrechte: dpa

Sprit- und Strom kosten deutlich mehr, die Fahrgastzahlen nahmen und nehmen durch die Corona-Pandemie ab: Viele Verkehrsverbünde sehen sich gezwungen, ihre Preise zu erhöhen. Wie stark und wo, das fällt regional sehr unterschiedlich aus. So erhöhen in Sachsen-Anhalt fast alle Verkehrsunternehmen die Fahrkartenpreise, in Thüringen dagegen nur einzelne.

Auch Bahnfahren wird teurer

Die großen Verkehrsverbünde wie der Verkehrsverbund Mittelthüringen und der Mitteldeutsche Verkehrsbund erhöhten die Tarife bereits im Sommer um durchschnittlich zwei Prozent. Auch Bahnfahren in der Regionalbahn wird teurer. Hier werden die Preise zum 12.12.2021 mit dem Fahrplanwechsel um durchschnittlich 1,7 Prozent erhöht.

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MDR THÜRINGEN JOURNAL Di 05.10.2021 19:00Uhr 02:10 min

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In Thüringen planen die meisten Verkehrsunternehmen keine Erhöhung, vereinzelt steigen die Preise jedoch deutlich. So hatte der Eisenacher Stadtrat erst im Juli eine Erhöhung der Tarife des Verkehrsunternehmens Wartburgmobil abgelehnt, nun kommt die Preissteigerung doch. Eine Einzelfahrkarte im Wartburgkreis soll ab dem 1.2.2022 1,80 Euro statt 1,60 Euro kosten. Das entspricht einer Steigerung um 12,5 Prozent.

Ersatzteile sind deutlich teurer geworden und der Dieselpreis ist exorbitant gestiegen.

Horst Schauerte, Vorstand des Verkehrsunternehmens Wartburgmobil

"Wir reagieren damit auf die regelmäßigen Kostensteigerungen wie zum Beispiel Personalkosten", sagt Horst Schauerte, Vorstand des Verkehrsunternehmens Wartburgmobil. Die allgemeine Kostensteigerung durch die Corona-Krise komme noch erschwerend hinzu. "Ersatzteile sind deutlich teurer geworden und der Dieselpreis ist exorbitant gestiegen", sagte Schauerte weiter.

Die Buspreise in der Region seien drei Jahre lang stabil gewesen, mit der jetzigen Erhöhung liege man im regelmäßigen Turnus, nach dem es alle drei Jahre eine Preissteigerung gebe. Auch im Eichsfeld steigen die Preise, das erste Mal seit drei Jahren. Ab dem 1.1.2022 müssen ÖPNV-Nutzer rund 6,6 Prozent mehr für eine Fahrkarte zahlen, der Einzelfahrausweis kostet dann 1,60 Euro.

Eine Preiserhöhung wäre momentan das falsche Signal an die Fahrgäste. Es geht jetzt vor allem darum, wieder mehr Leute in die Busse zu bringen.

Omnibus Verkehrsgesellschaft Sonneberg

In den meisten anderen Regionen ist vorerst keine Tariferhöhung geplant, hier bleiben die Preise stabil. So heißt es etwa von der Omnibus Verkehrsgesellschaft Sonneberg: "Eine Preiserhöhung wäre momentan das falsche Signal an die Fahrgäste. Es geht jetzt vor allem darum, wieder mehr Leute in die Busse zu bringen".

Eine Straßenbahn steht im Bahnhofstunnel in Erfurt
Während der Corona-Pandemie fuhren weniger Menschen mit dem Öffentlichen Nahverkehr. Bildrechte: MDR/Samira Wischerhoff

In Sachsen planen der Verkehrsverbund Oberelbe und der Verkehrsverbund Mittelsachsen eine Tariferhöhung. Allerdings ist hier noch nichts beschlossen. So heißt es vom Verkehrsverbund Oberelbe: "Über Zeitpunkt und Höhe entscheidet am 1. Dezember die Verbandsversammlung."

Busfahrer und Zugführer müssen bezahlt werden

Auf die Frage "Warum verzichten Sie nicht auf die Anhebung und versuchen, durch konstante Tarife mehr Fahrgäste anzuziehen und damit Mehreinnahmen zu generieren?" antwortete der Verkehrsverbund Mittelsachsen: "Weil Busfahrer und Zugführer bezahlt, die Fahrzeuge fahren müssen. Die Formel Umsatz gleich Preis mal Menge findet zudem in Coronazeiten schnell ihre Grenzen, weil zurzeit weniger Fahrgäste den ÖPNV/SPNV nutzen." Nur der Verkehrsverbund Oberlausitz Niederschlesien behält die Fahrpreise bei.

Geplante Preiserhöhungen bei Verkehrsunternehmen Mitteldeutschlands

Verkehrsverbund Mittelthüringen (VMT): Preiserhöhung zum 1.8.2021 um durchschnittlich 1,87 Prozent
Mitteldeutscher Verkehrsbund (MDV): Preiserhöhung zum 1.8.2021 um durchschnittlich 2,4 Prozent, aktuell ist keine weitere Erhöhung geplant, wird aber nicht ausgeschlossen
Eisenbahn-Nahverkehr (außerhalb der Verkehrsverbünde): erhöht den Preis zum Fahrplanwechsel am 12.12.2021 um durchschnittlich 1,7 Prozent

Thüringen

Städtische Nahverkehrsgesellschaft mbH Suhl, Zella-Mehlis (SNG): keine Tariferhöhung geplant
Omnibus Verkehrsgesellschaft mbH Sonneberg (OVG): keine Tariferhöhung geplant
Meininger Busbetriebs GmbH: keine Tariferhöhung geplant
Moveas GmbH: keine Tariferhöhung geplant
Personen- und Reiseverkehrs GmbH Greiz (PRG): keine Tariferhöhung geplant
Nordhausen: keine Tariferhöhung geplant
Regionalbusgesellschaft Unstrut-Hainich-Kreis/Kyffhäuserkreis: plant derzeit keine Tariferhöhung, das kann sich aber zeitnah ändern
Eichsfeldwerke GmbH: zum 1.1.2022 Preiserhöhung um 6,6 Prozent
Ilmkreis: keine Tariferhöhung geplant
Verkehrsunternehmen Wartburgmobil: zum 1.2.2022 Preiserhöhung um 12,5 Prozent (Einzelfahrschein von 1,60 auf 1,80 Euro)

Sachsen-Anhalt

Harzer Verkehrsbetriebe GmbH (HVB): zum 1.1.2022 Preiserhöhung um durchschnittlich 3,55 Prozent
Stendalbus GmbH: Preiserhöhung zum 1.1.2022 geplant, aber noch keine Auskunft, wie hoch
Magdeburger Regionalverkehrsbund GmbH (Marego): zum 1.1.22 Preiserhöhung um 2,4 Prozent
Verkehrsgesellschaft Südharz mbH (VGS): zum 1.1.2022 Preiserhöhung um 3,5 Prozent

Sachsen

Verkehrsverbund Oberelbe (VVO): hat Preiserhöhung für 2022 vor
Verkehrsverbund Oberlausitz Niederschlesien GmbH: keine Tariferhöhung geplant
Verkehrsverbund Mittelsachsen GmbH (VMS): Preiserhöhung zum August 2022 geplant

Auch die Mehrzahl der Verkehrsunternehmen in Sachsen-Anhalt plant Preiserhöhungen. So hebt der Magdeburger Regionalverkehrsbund (Marego) den Fahrpreis zum 1.1.2022 um durchschnittlich 2,4 Prozent an und schreibt: "Von überproportional steigenden Energiepreisen sind auch die Verkehrsunternehmen im Verbund betroffen. Benzin- und Dieselpreise bewegen sich derzeit auf Rekordniveau".

Die Harzer Verkehrsbetriebe und die Verkehrsgesellschaft Südharz erhöhen zum 1.1.2022 ebenfalls die Preise, beide um durchschnittlich 3,5 Prozent. Man bitte um Verständnis, heißt es von den Harzer Verkehrsbetrieben. "Trotz Entgeltanpassung: Wir sind immer noch deutlich günstiger und umweltfreundlicher als das Auto."

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Quelle: MDR

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 20. November 2021 | 07:00 Uhr

7 Kommentare

part vor 2 Wochen

Der Bahnkilometer kostete früher einmal 8 Pfennige, natürlich staatlich subventioniert. Die Fahrt in der Straßenbahn bis 1975 oftmals nur ein paar Hosenknöpfe, als es die Locher zur Entwertung der Fahrscheine für 18 Pfennige noch nicht gab. Es gab einheitliche Beförderungsentgelte und keine Kleinstaaterei im ÖPNV mit verminderter Verkehrsanbindung. Um wie viel Prozent ist nun das Beförderungsentgelt gestiegen, wenn man nicht die statistischen Einkommen der Normalverdiener zur Berechnung nimmt, die ohnehin Auto fahren, sondern die Einkommen der unteren Bevölkerungsschichten? Mobilität sollte wieder als Grundrecht angesehen werden und nicht als Abschöpfungsquelle für Privatunternehmen oder Kommunen mit zu wenig staatlicher Zuwendung.

Arbeitende Rentnerin vor 2 Wochen

Soviel zum Kampf gegen den Klimawandel. Bin selbst seit Jahrzehnten Abonnent einer Nahverkehrskarte, benutze die fast täglich, keine schlechte Sache in Städten, aber um Kunden zum Umsteigen zu animieren das falsche Signal, nur Reden vom Klimawandel bringt nichts.

MDOssiland vor 2 Wochen

Die Gründe für Fahrpreiserhöhungen sind immer die gleichen. Erhöhte Personalkosten, höhere Preise für Strom, Gas, Diesel. Ja aber muss man immer alle Mehrkosten an die Fahrgäste weiter geben, wenn man für mehr Fahrgäste werben tut. Der Bund, die Städte und die Länder sollten endlich mal dazu Übergehen, den Verkehrsunternehmen mehr Gelder zur Verfügung zu stellen damit diese Lukrative und vor allem Fahrgastfreundliche Angebote machen können. Wenn man fast jedes Jahr die Preise Erhöht funktioniert das aber nicht, denn die Menschen die mit Bus und Straßenbahn und Zug fahren bekommen auch nicht immer jedes Jahr mehr Geld um diese Fahrpreiserhöhungen Abzufedern.

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