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Audio: Medizinstudium: Werden Abiturienten aus Ostdeutschland benachteiligt? Bildrechte: Sarah Rinka/UMMD

Studienplatzvergabe Abiturnoten der Bundesländer bei Medizin-Studienplatzvergabe gleichwertig

27. Juni 2024, 07:28 Uhr

In Deutschland warten gerade viele Abiturienten auf die Zusage für einen Studienplatz. Vor allem im Studiengang Medizin sind die Plätze heiß begehrt. In einem Interview mit MDR AKTUELL sagte Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow kürzlich, dass Abiturienten aus ostdeutschen Bundesländern bei der Auswahl benachteiligt seien, da Abiture aus westdeutschen Bundesländern höher gezählt würden. Das stimmt nicht wirklich.

Die Studienplätze für Medizin werden in Deutschland in einem zentralen Verfahren vergeben. Die Abi-Note ist in 90 Prozent der Zusagen wesentlich. Zuständig für die Vergabe der Plätze ist die Stiftung für Hochschulzulassung. Geschäftsführerin Bibiana Kemner erklärt, dass es bei den Abiturnoten zwar Unterschiede zwischen den verschiedenen Bundesländern gebe, die Noten bei der Zulassung aber nicht unterschiedlich gewertet würden. "Die ostdeutschen Abiture, wenn man das überhaupt so nennen möchte, sind gegenüber den anderen Abituren erstmal komplett gleichwertig."

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Ausgleichsmechanismus in allen Bundesländern

Hundertprozentig vergleichbar sind die Abiturnoten aber nicht. Deshalb schreibt der entsprechende Staatsvertrag aller Bundesländer einen Ausgleichsmechanismus vor. Für jedes Bundesland wird zunächst eine eigene Rangliste erstellt. Davon bekommen dann die Besten ein Angebot für einen Studienplatz. Wie viele das pro Land sind, wird mit einer Quote ermittelt. In die fließt die Anzahl der Bewerber im eigenen Bundesland ein und wie viele 18 bis 21-Jährige dort leben. "Das muss man sich vorstellen, wie bei der Platzvergabe bei Wahlen. Jedes Land hat einen bestimmten Platzanteil. So ist das hier auch. Jedes Land hat einen bestimmten Anteil an den zur Verfügung stehenden Medizin-Plätzen", sagt Kemner.

Weniger Bewerber aus neuen Bundesländern für Medizinstudium

Der Ausgleichsmechanismus gilt erst seit 2020, nach einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts. Mit dem neuen Verfahren gelinge es, die Abiturnoten weiter anzugleichen, erklärt die Medizinerin Brigitte Müller-Hinke, die das Verfahren in einer Studie untersucht hat. Dabei hat sie allerdings auch einen negativen Nebeneffekt entdeckt, der sämtliche ostdeutsche Bundesländer betrifft. "Dadurch, dass sich gerade in den neuen Bundesländern weniger Menschen für das Medizinstudium bewerben, bekommen die Bundesländer auch weniger Studienplätze zugeteilt", sagt Müller-Hinke.

Denn nach dem neuen Verfahren gilt: Je mehr Bewerber aus einem Bundesland kommen, desto mehr Plätze gibt es für die Landesliste. Dabei spielt es auch keine Rolle, wie gut die Abiturnote der Bewerber ist.

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Viele Abiturienten wollen nah am Heimatort studieren

Unverändert ist aber der Wunsch vieler angehender Medizinstudenten, in der Nähe ihres Heimatortes studieren zu wollen. Das zeigt die Studie und wird auch von Bibiana Kemner bestätigt. "Es kommen immer mehr, die regional verbunden sind. Das heißt, jemand aus Bayern bewirbt sich eher in Bayern. Jemand aus Thüringen bewirbt sich eher in Thüringen", so Kemner.

Das zeigen auch die Zahlen aus dem vergangenen Wintersemester. Da wurden an der Universität Jena, der einzigen an der man in Thüringen Medizin studieren kann, 300 Plätze neu besetzt. Die hätten komplett an Thüringer vergeben werden können. Denn fast 350 Bewerber aus Thüringen hatten die Uni Jena als eines ihrer Wunschziele angegeben. Am Ende gingen knapp 15 Prozent der Plätze an Bewerber aus Thüringen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL – Das Nachrichtenradio | 24. Juni 2024 | 06:19 Uhr

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