Hörer machen Programm Diesel: "AdBlue" fast sechsmal teurer – warum?

Vor allem Kraftfahrzeuge der Logistik-und Transportbranche sind auf "AdBlue" angewiesen – und von einem exorbitanten Preisanstieg des Ammoniakgemischs betroffen. Unser Hörer Jörg Krenkel aus Hartmannsdorf möchte wissen, was die Ursache für diese Kostenentwicklung ist.

AdBlue Einfüllstutzen
AdBlue ist die technische Voraussetzung für den emissionsfreien Betrieb von modernsten Euro-6-Nutzfahrzeugen. Bildrechte: dpa

"AdBlue" ist eine geruchsfreie, durchsichtige Lösung aus destilliertem Wasser und Harnstoff. Der wird als Syntheseprodukt aus Ammoniak gewonnen. Für den Herstellungsprozess wiederum wird Erdgas benötigt. Das Chemie-Unternehmen BASF stellt Ammoniak in Ludwigshafen und Antwerpen her.

Auf eine Anfrage von MDR AKTUELL verweist BASF schriftlich auf eine Presse-Information: "Aufgrund des jüngsten Anstiegs der Erdgaspreise in Europa haben sich die Bedingungen für den wirtschaftlichen Betrieb einer Ammoniakanlage in der Region erheblich verschlechtert. Aus diesem Grund hat BASF die Ammoniakproduktion an den Standorten Antwerpen und Ludwigshafen gedrosselt. BASF wird die Entwicklung der Gaspreise stetig beobachten und die Ammoniakproduktion entsprechend anpassen."

AdBlue-Preis fast sechs mal so hoch

Das bedeutet: Wird weniger Ammoniak produziert, gibt es auch weniger Harnstoff für AdBlue, welches sich dadurch verknappt und teurer wird. Im ersten Quartal 2022 ist der AdBlue-Preis von ursprünglich rund 13 Euro pro 100 Liter auf jetzt rund 76 Euro pro 100 Liter angestiegen.

Zu spüren bekommen die Preiserhöhung Dieselfahrer, aber vor allem auch die Transport- und Logistikbranche. Frank Huster ist Hauptgeschäftsführer beim Bundesverband Spedition und Logistik und blickt besorgt auf die Situation: "Durch die weltweite Drosselung der Ammoniak-Produktion als Folge steigender Energie-Preise in der zweiten Hälfte des Jahres 2021 hat sich der Preis nun vervielfacht." Die aktuellen Russland-Sanktionen hätten den Engpass noch einmal verschärft. Wichtig sei besonnenes Handeln der Markteilnehmer. "Vorrats-Haltungen und Hamsterkäufe würden die ohnehin angespannte Situation nur noch verschärfen", sagt Huster.

AdBlue-Preis stehe nicht in Verbindung mit hohen Spritpreisen

AdBlue wird in einem separaten Tank in der Nähe des Dieseltanks mitgeführt. Ohne AdBlue bewegt sich beim Transportgewerbe kein Rad, erklärt Huster: "AdBlue ist die technische Voraussetzung für den emissionsfreien Betrieb von modernsten Euro-6-Nutzfahrzeugen. Das entspricht etwa 90 Prozent sämtlicher Lkw-Bewegungen in Deutschland. Bei vielen Nutzfahrzeugen erlaubt die Motorsteuerung bei leerem AdBlue-Tank keinen Neustart mehr."

Flächendeckende AdBlue-Lieferengpässe sieht der Hauptgeschäftsführer allerdings bisher nicht. Der Verband der deutschen Mineralölwirtschaft weist darauf hin, dass der AdBlue-Preis nichts mit der Preis-Entwicklung an den Zapfsäulen zu tun habe.

Die Tankstellen würden AdBlue lediglich vom Produzenten an die Kunden durchreichen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 12. April 2022 | 06:12 Uhr

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