Krankheit breitet sich aus Affenpocken: Mehr Fälle erwartet – aber keine Pandemie

Die Weltgesundheitsorganisation warnt vor einer Ausbreitung des Affenpockenvirus – auch in Deutschland gibt es erste Fälle. Dennoch: Experten sehen keine neue Pandemie.

Diese elektronenmikroskopische Aufnahme aus dem Jahr 2003, die von den Centers for Disease Control and Prevention zur Verfügung gestellt wurde, zeigt reife, ovale Affenpockenviren (l) und kugelförmige unreife Virionen (r), die aus einer menschlichen Hautprobe im Zusammenhang mit dem Präriehundeausbruch von 2003 stammt.
Elektronenmikroskopische Aufnahme von Affenpockenviren. Die Aufnahme stammt aus dem Jahr 2003. Bildrechte: dpa

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) fordert eine Reihe von Maßnahmen gegen die weitere Ausbreitung der Affenpocken. Es sei "dringend notwendig", das Bewusstsein für die Virenerkrankung zu erhöhen, hieß es von der UN-Organisation in Genf. Außerdem müssten Fälle umfassend ausfindig gemacht und isoliert sowie Ansteckungswege rückverfolgt werden.

Affenpocken: Fälle auch in Deutschland

Die Erkrankungen, die bisher in Europa, Nordamerika und Australien bekannt wurden, betrafen laut WHO hauptsächlich – aber nicht nur – Männer, die gleichgeschlechtlichen Sex haben. Wegen der noch eingeschränkten Beobachtungslage sei es sehr wahrscheinlich, dass Fälle in weiteren Bevölkerungsgruppen und Ländern auftauchen. Mit Stand von Samstag ging die WHO von rund 90 bestätigten Infektionen und 30 Verdachtsfällen aus. In Deutschland sind inzwischen drei Fälle der Viruserkrankung bestätigt, einer in München und zwei in Berlin.

Alexander Kekulé 5 min
Bildrechte: MDR/Stephan Flad

Das Affenpockenvirus ruft meist milde Symptome wie Ausschlag, Fieber und Pusteln hervor, kann aber auch schwere Verläufe nach sich ziehen. Gefährdet sind vor allem immungeschwächte Menschen. Reisebeschränkungen oder Absagen von Veranstaltungen in betroffenen Ländern sind aus Sicht der WHO derzeit nicht notwendig. Die Organisation wies zwar darauf hin, dass es bei Massenveranstaltungen zu Ansteckungen kommen kann, betonte aber auch, dass Vorsichtsmaßnahmen gegen Covid-19 auch gegen Affenpocken wirken.

Experte zu Affenpocken: Keine Pandemie in Sicht

Experten warnen trotz der Ausbreitung vor Beunruhigung. Der Chemnitzer Infektiologe Thomas Grünewald sagte dem MDR, derzeit sei "keine Pandemie in Sicht". Ähnlich äußerte sich der Virologe Gerd Sutter von der Ludwig-Maximilians-Universität München bei "Zeit Online". Er sagte: "Eine neue Pandemie haben wir nicht zu befürchten." Affenpockenviren seien andere Erreger als die Auslöser der Menschenpocken.

Die Krankheit gehöre zu den Zoonosen, also Krankheiten, die immer wieder vom Tier auf den Menschen übergehen und sich kaum zwischen Menschen übertragen würden. "Da wir kaum mehr Immunität gegen die klassischen, seit über 40 Jahren in der Natur ausgerotteten Pockenviren haben, breiten sich aber auch die Affenpocken immer mal aus, aber lediglich punktuell. Das machen sie bei Weitem nicht so effizient wie die Grippe oder Sars-CoV-2", sagte der Pockenvirologe.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 21. Mai 2022 | 22:53 Uhr

14 Kommentare

Ilse vor 4 Wochen

Freude sollte jetzt bei Lauterbach aufkommen, kann er doch erstmal den Coronaknochen fallen lassen u. bei serienmäßiger Talkshowrunde in den nächsten wieder festbeißen.

DER Beobachter vor 4 Wochen

In der Tat wieder u.a. gern mehr Pockenimpfung. Weiss auch nicht, warum sich die Verweigererszene der Einsicht in den Pieks gegen die letzte große Heimsuchung der Menschheit mit 6,23 Mio Toten, davon "nur" 138 000 in D, aber überdurchschnittlich in Sa. und Th. so konsequent unsinnig verhält und daraus ein überaus dümmliches Politikum macht(e)...

mattotaupa vor 4 Wochen

"Hm ich habe nie verstanden, warum nicht mehr gegen Pocken geimft hat, ... Auch wenn die Affenpocken relativ harmlos sind, ich würde wieder gegen Pocken impfen,..."
eine bevölkerung, welche bei nem real existierenden virus mit weltweit millionen todesopfern, die impfung zu großen teilen ablehnt, würde sich wohl kaum gegen ein nicht mehr existierendes virus ohne oder mit wirklich wenigen todesopfern impfen lassen.

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