Urteil Fans dürfen aus Altersgründen von Musik-Festival ausgeschlossen werden

Der Bundesgerichtshof sieht keine Diskriminierung, wenn jemand aus Altersgründen von einer Party ausgeschlossen wird. Der BGH erklärte, der Fall sei nicht vom Benachteiligungsverbot erfasst. Geklagt hatte ein Mann, der 2017 im Alter von 44 Jahren von einem Musikfestival ausgeschlossen wurde. Nun muss vielleicht das Bundesverfassungsgericht entscheiden.

Menschen feiern auf dem Musikfestival Parookaville eine Schaumparty.
Besucher eines Musikfestivals können laut Bundesgerichtshof ein homogenes Publikum bilden, das lieber unter sich bleibt. Bildrechte: dpa

Menschen dürfen unter Umständen aufgrund ihres Alters von bestimmten Veranstaltungen ausgeschlossen werden. Das entschied der Bundesgerichtshof (AZ: VII ZR 78/20) am Mittwoch. Eine Altersdiskriminierung liege nicht vor, wenn die Veranstaltung mit höchstens 1.500 Personen kein "Massengeschäft" darstellt und der private Veranstalter nur eine definierte Zielgruppe ansprechen will, befanden die Karlsruher Richter.

Am Eingang war Schluss

Im konkreten Fall ging es um ein Open-Air-Festival für Elektromusik, das im August 2017 in München stattfand. Ein damals 44-Jähriger Mann sowie seine 36- und 46-jährige Begleitung kamen dort nicht hinein. Der Veranstalter hatten dem Personal am Einlass die Weisung gegeben, nur Gäste zwischen 18 und 28 Jahren einzulassen. Geprüft wurde das allerdings nur vom Aussehen her. Der Kläger fühlte sich wegen seines Alters nach dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz diskriminiert und verlangte eine Entschädigung in Höhe von 1.000 Euro.

Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes überwachen den Einlass beim Technofestival "Nature One".
Einlass bei einem Musik-Festival. Bildrechte: dpa

Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz Das Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz ist umgangssprachlich auch als Antidiskriminierungsgesetz bekannt. Es ist seit 2006 in Kraft. Es regelt den Schutz vor Diskriminierung aus rassistischen Gründen oder wegen der ethnischen Herkunft, des Geschlechts, der Religion oder Weltanschauung, einer Behinderung, des Alters oder der sexuellen Identität durch private Akteure, zum Beispiel Arbeitgeber, Vermieter, Anbieter von Waren und Dienstleistungen.

Seit Inkrafttreten gab es bei der Antidiskriminierungsstelle des Bundes erst sechs Anfragen von Menschen, die sich wegen ihres Alters beim Einlass in Diskotheken oder Clubs diskriminiert sahen. Viel häufiger ging es um Diskriminierung wegen der ethnischen Herkunft beziehungsweise aus rassistischen Gründen (320 Anfragen) und wegen des Geschlechts (73).

Quelle: dpa/Antidiskriminierungsstelle des Bundes

Homogenes Publikum

Bereits das Landgericht München I erteilte dem Mann eine Abfuhr. Eine Entschädigung nach dem Gleichbehandlungsgesetz sei auf "Massengeschäfte" beschränkt. Beim "Isarrauschen", so der Name des Festivals, finde sich hingegen ein bestimmtes, nach Alter und Aufmachung homogenes Publikum ein, das unter sich bleiben wolle. Einem privaten Veranstalter müsse es bei einem Event mit höchstens 1.500 Personen erlaubt sein, den Zutritt zu beschränken.

Die Einschätzung bestätigte nun auch der Bundesgerichtshof. Es sei bei solch einem Event nicht "Verkehrssitte" dass jedem "Eintritt ohne Ansehen der Person gewährt wird". Der private Veranstalter habe die Zielgruppe seiner Kunden definieren und die Vertragspartner individuell auswählen dürfen. Als weitere Beispiele nannte das Gericht auch Theater- und Sportveranstaltungen.

Kläger sieht ungleiche Maßstäbe

Der Kläger nannte die Entscheidung "ein katastrophales Signal". Dass der BGH zwischen Alter auf der einen und Rasse beziehungsweise ethnische Herkunft auf der anderen Seite unterscheide, könne er nicht nachvollziehen. Hier werde mit zweierlei Maß gemessen. Das Thema Alter und der Schutz dieses Diskriminierungsmerkmals würden ein großes Problem. "Vielleicht ist die Sensibilität noch nicht da, sei es in der Bevölkerung oder sei es auch bei den Gerichten."

Vielleicht ist das letzte Wort aber noch nicht gesprochen. Der ausgeschlossene Festivalgänger will sich die Urteilsbegründung ansehen und eventuell vor das Bundesverfassungsgericht ziehen. Das Thema sei größer angelegt. "Es geht ja hier um wesentliche gesellschaftliche Probleme: dass Ältere möglicherweise aus der Gesellschaft ausgestoßen werden, ihre Teilhabe nicht gewährleistet ist für alle Bereiche des Lebens."

Quellen: dpa/epd

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 05. Mai 2021 | 16:00 Uhr

Mehr aus Panorama

Ein Auto, dass bis zum Dach unter Wasser steht. Davor zwei Feuerwehrleute. 1 min
Heftige Gewitterfront hinterlässt viele Schäden in Ulm und im Alb-Donau-Kreis in Süddeutschland Bildrechte: extremwetter TV

Mehr aus Deutschland