Studie bis Mitte 2022 Hoffnung auf Medikament gegen Alzheimer?

Die US-Gesundheitsbehörde FDA hat jetzt dem Medikament Gantenerumab den Status "Therapiedurchbruch" verliehen. Es könne die Alzheimer-typische Anlagerung eines Eiweißes im Gehirn verhindern. Hoffnung also für alle Betroffenen? Das MDR Magazin "Hauptsache Gesund" hat dazu mit Alzheimer-Experten gesprochen.

Ein älterer Mann sitzt auf dem Sofa
Bisher gibt es noch kein Medikament, dass gegen Alzheimer hilft. Bildrechte: Colourbox.de

Die Alzheimererkrankung ist eine Form der Demenz und betrifft in Deutschland ca. eine Millionen Menschen. Medikamente, die diese Krankheit heilen, gibt es bisher nicht. Zwei krankhafte, körpereigene Eiweiße spielen eine zentrale Rolle, sie lagern sich im Gehirn ab, bilden dort sogenannte Plaques und führen so zur Erkrankung des Gehirns.

Studie zu Gantenerumab läuft bis Mitte 2022

Genau dort versucht das Medikament Gantenerumab anzusetzen. Es enthält einen Antikörper, der die Ablagerung eines der beiden Eiweiße im Gehirn verhindern soll. Seit zwei Jahren laufen die Studien der Firma Roche zu dem Medikament, mit mehr als 2000 Teilnehmern. "Man muss die Euphorie dämpfen", sagt Prof. Dorothee Saur, Neurologin an der Universitätsklinikum Leipzig . "Der Antikörper führt zwar zu einer Verringerung der Eiweißablagerungen. Es fehlt aber noch der Nachweis, dass der Antikörper auch eine Verbesserung beim Patienten bewirkt." Dazu müsse man zuerst das Ende der randomisierten Phase 3-Studien abwarten, so Prof. Saur. Die Studie endet Mitte 2022.

Es fehlt aber noch der Nachweis, dass der Antikörper auch eine Verbesserung beim Patienten bewirkt.

Prof. Dorothee Saur, Neurologin am Universitätsklinikum Leipzig

Gleicher Stand beim Medikament Aducamurab

Bereits im Sommer wurden Studienergebnisse zu einem weiteren Alzheimer Medikament mit Namen Aducamurab bekannt. Dieser Antikörper wirkt gegen das andere Alzheimer-verursachende Eiweiß. Doch auch bei diesem Medikament fehlt bislang das für die Patienten entscheidende Kriterium.

"Auch Aducamurab hat noch keinen klinischen Nutzen – Patienten sind bei Gedächtnisleistung weiter schlechter geworden. Es ist die gleiche Situation wie jetzt bei Gantenerumab, nur mit einem zweiten Antikörper. Daher ist es für mich noch kein großer Durchbruch", betont Prof. Saur.

Erklärungsbedarf bei Prädikat "Therapiedurchbruch"

Ihr Kollege Prof. Markus Donix, Direktor des DemenzCentrums am Uniklinikum Dresden, weist darauf hin, dass der englische Begriff "Breakthrough Therapy" richtig eingeordnet werden muss. Der Status "Therapiedurchbruch" bedeute, dass die Forschung zu dem Medikament jetzt beschleunigt werden kann.

"Mit dem Label 'Breakthrough Therapy' ermöglicht die FDA, dass die Entwicklung und Erprobung einer potenziell aussichtsreichen Substanz schneller vorangetrieben werden kann. Das Label beschreibt aber keine jetzt schon gesicherte überlegene klinische Wirksamkeit, die Studien zu Gantenerumab laufen ja noch. Der englische Begriff und die deutsche Übersetzung haben in diesem Fall unterschiedliche Bedeutungen", so Prof. Markus Donix.

Ob und inwieweit das Medikament also wirklich vor einem "Durchbruch" steht und tatsächlich einen Behandlungserfolg bei Alzheimerpatienten erreichen kann, muss sich erst noch zeigen.

Mehr zum Thema Alzheimer

Zahnersatz 3 min
Bildrechte: PantherMedia / Melica

Paradontitis-Prävention ist, einer Untersuchung der Universität Greifswald zufolge, gleichzeitig eine gegen die Alzheimer-Erkrankung - der häufigsten Form der Demenz.

MDR KULTUR - Das Radio Mo 07.06.2021 17:37Uhr 02:55 min

https://www.mdr.de/wissen/audios/zahnfleischschwund-demenz-100.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Audio

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 21. September 2021 | 19:00 Uhr

Mehr aus Panorama

Sturmtief "Ignatz" sorgt für Schäden in Mitteldeutschland 1 min
Bildrechte: Dreifilm

Mehr aus Deutschland