Neue Details Anschlag in Wien offenbar Tat eines Einzeltäters

Nach dem Anschlag von Wien mit vier Toten gehen die Behörden inzwischen von einem Einzeltäter aus. Der IS-Sympathisant war 2019 vorzeitig aus der Haft entlassen worden. Unter den Toten ist auch eine Frau aus Deutschland.

Sebastian Kurz (ÖVP,M), Bundeskanzler von Österreich, nimmt mit weiteren hochrangigen Regierungsmitgliedern an einer Kranzniederlegung am Tatort nach dem Terroranschlag teil.
Am Dienstagnachmittag legte Kanzler Sebastian Kurz mit weiteren hochrangigen Regierungsmitgliedern Kränze an einem der Tatorte nieder. Bildrechte: Arno Melicharek/BKA/APA/dpa

Der Terroranschlag in Wien mit vier Toten und 22 Verletzten ist vermutlich die Tat eines einzelnes Mannes gewesen. Innenminister Karl Nehammer erklärte, es gebe keine Hinweise auf einen zweiten Täter. Die bisherigen Ermittlungen und Auswertungen von Videos von Bürgern hätten dafür keine Anhaltspunkte ergeben.

14 Festnahmen im Täterumfeld

Zunächst hatte die Polizei nicht ausgeschlossen, dass an dem Schusswechsel weitere Täter beteiligt gewesen sein könnten.

Noch unklar ist aber, ob der getötete Schütze Unterstützer im Hintergrund hatte. So ist zum Beispiel noch offen, wie er sich die Waffen besorgen konnte. Nehammer zufolge wurden 14 Personen aus dem Umfeld des Mannes festgenommen und verhört. Nach dem Anschlag seien 18 Wohnungen durchsucht worden, die Wohnung des Täters sei aufgesprengt worden.

IS reklamiert Anschlag für sich

Inzwischen reklamierte die Miliz Islamischer Staat (IS) den Anschlag für sich. Ein "Soldat des Kalifats" sei für die tödlichen Schüsse in der Nähe einer Synagoge und der Oper verantwortlich, hieß es in einer am Dienstag im Messengerdienst Telegram veröffentlichten Erklärung. Das IS-Propagandaorgan Amaq veröffentlichte eine weitere Erklärung zu "einem Angriff mit Schusswaffen", der "gestern von einem Kämpfer des Islamischen Staats in der Stadt Wien" begangen worden sei, und veröffentlichte zudem ein Foto des bewaffneten Angreifers.

Täter als "deradikalisiert" vorzeitig aus Haft entlassen

Minister Nehammer machte derweil auch weitere Angaben zu dem 20-Jährigen: Dieser sei 2019 wegen der versuchten "Ausreise zum Dschihad" und des versuchten Anschlusses an die Terrororganisation "Islamischer Staat" zu 22 Monaten Haft verurteilt worden, habe an einem Deradikalisierungsprogramm teilgenommen und sei danach wegen einer günstigen Prognose Ende vergangenen Jahres vorzeitig entlassen worden.

Wahllos auf Passanten geschossen

Schwerbewaffnete Einsatzkräfte kontrollieren in der Wiener Innenstadt eine Person.
Der Polizeieinsatz in Wien am Montag. Bildrechte: dpa

Der Mann mit österreichischem und nordmazedonischem Pass hatte sich am Montagabend in die Innenstadt nahe der Wiener Hauptsynagoge begeben. Er war mit einem Sturmgewehr, einer Pistole und einer Machete bewaffnet und trug eine Sprengstoffgürtel-Attrappe.

Gegen 20 Uhr begann er, wahllos auf Passanten und in Lokale zu feuern. Zwei Frauen und zwei Männer starben, unter ihnen eine Frau aus Deutschland. Etliche weitere Menschen wurden zum Teil lebensgefährlich verletzt. Nehammer zufolge erschossen Polizisten einer Spezialeinheit den Mann knapp zehn Minuten später.

Trauerbekundungen aus aller Welt

Nach dem Anschlag haben viele Länder ihr Mitgefühl und ihre Unterstützung bekundet. Von Bundeskanzlerin Angela Merkel hieß es bei Twitter: "Der Kampf gegen diese Mörder und ihre Anstifter ist unser gemeinsamer Kampf."

Auch in Russland, Israel, Großbritannien und Frankreich wurde der Anschlag verurteilt. Russlands Präsident Wladimir Putin sprach von einem "grausamen und zynischen Verbrechen". Israels Präsident Reuven Rivlin erklärte, sein Land verfolge "die verabscheuungswürdige Terrorattacke" mit Sorge.

Der britische Premierminister Boris Johnson schrieb, man stehe geeint mit Österreich gegen den Terror. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hatte bereits am Montag erklärt, die Franzosen teilten den Schock und die Trauer nach dem Angriff in Wien.

In Österreich wurde eine dreitägige Staatstrauer angeordnet.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL FERNSEHEN | 03. November 2020 | 19:30 Uhr

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