Therapien gefragt Alkoholmissbrauch bei Jugendlichen stark angestiegen

Die Zahl der Fälle von Alkoholmissbrauch bei Minderjährigen ist seit der Jahrtausendwende drastisch gestiegen. Rund 14.500 Kinder und Jugendliche mussten 2019 stationär behandelt werden. Rund ein Fünftel waren noch keine 15 Jahre alt. Zudem werden immer mehr Kinder und Jugendliche psychotherapeutisch betreut.

Alkohol Jugendliche
Immer mehr Jugendliche brauchen eine Psychotherapie. Bildrechte: IMAGO

In Deutschland sind 2019 rund 14.500 Minderjährige wegen akuten Alkoholmissbrauchs im Krankenhaus stationär behandelt worden. Das teilte das Statistische Bundesamt mit. Die Zahlen bei den Kindern und Jugendlichen seien zwar rückläufig, aber immer noch mehr als doppelt so hoch wie zur Jahrtausendwende, hieß es. Im Jahr 2000 waren knapp 7.000 Kinder und Jugendliche wegen Alkoholmissbrauchs stationär in Behandlung. Den Höchstwert gab es 2012 mit rund 18.800 Fällen.

Betroffene jünger

Zuletzt wurden die Betroffenen wieder jünger: So waren 2019 insgesamt 3.200 der mit einer Alkoholvergiftung im Krankenhaus behandelten Kinder und Jugendlichen zwischen 10 und unter 15 Jahren alt. Das war ein Anstieg um 8,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die Zahl der schwer betrunken in Krankenhäusern behandelten Jugendlichen im Alter von 15 bis unter 18 ging dagegen um 2,2 Prozent auf 11.200 zurück. Rund ein Fünftel der Kinder und Jugendlichen, die deshalb stationär behandelt werden mussten, waren somit noch keine 15 Jahre alt. Zwischen den Geschlechtern gab es den Angaben zufolge nur leichte Unterschiede.

Immer mehr Minderjährige brauchen therapeutische Hilfe

Zudem sind  immer mehr Kinder und Jugendliche in Deutschland in psychotherapeutischer Behandlung. Dies geht aus dem Barmer-Arztreport hervor. Innerhalb von elf Jahren hat sich die Zahl der Patienten mehr als verdoppelt. Im Jahr 2019 benötigten rund 823.000 Kinder und Jugendliche psychotherapeutische Hilfe. In Thüringen sind es rund 15.200, in Sachsen rund 36.000 und in Sachsen-Anhalt rund 15.900 Minderjährige. Anlass für eine solche Therapie sind dem Bericht zufolge häufig Reaktionen auf schwere Belastungen und Anpassungsstörungen, etwa nach Trauererlebnissen oder Mobbing, Depressionen, Angststörungen sowie emotionale Störungen des Kindesalters.

Corona als Motor

Die Corona-Pandemie dürfte nach Einschätzung der Experten die Situation weiter verschärfen. Unter den bei der Barmer versicherten Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen bis einschließlich 24 Jahren stiegen die Zahlen für Akutbehandlungen sowie die Anträge für eine erstmalige Therapie und deren Verlängerung im vergangenen Jahr um sechs Prozent auf mehr als 44.000 im Vergleich zum Vorjahr.

Regionale Unterschiede

Am größten war im Jahr 2019 der Bedarf in Berlin mit 5,19 Prozent aller Kinder und Jugendlichen, gefolgt von Nordrhein-Westfalen und Hessen. Den geringsten Anteil verzeichnete Mecklenburg-Vorpommern mit 3,33 Prozent aller jungen Menschen. Allerdings war hier die Steigerungsrate bei der Inanspruchnahme seit dem Jahr 2009 mit 239 Prozent am größten, gefolgt von Sachsen-Anhalt und Brandenburg. Die niedrigste Steigerungsrate verzeichnete Bremen mit 52 Prozent.

Therapie oft langwierig

Zudem dauert die Therapie oft Jahre. Bei knapp 41 Prozent beschränkten sich die Psychotherapiesitzungen auf maximal ein Jahr, mehr als ein Drittel (36,4 Prozent) erhielten auch mehr als zwei Jahre nach Start der Behandlung noch Psychotherapien. Bei 62,5 Prozent aller Betroffenen wurden auch noch fünf Jahre nach Therapiebeginn psychische Störungen diagnostiziert.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 02. März 2021 | 10:00 Uhr

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