Anti-Terror-Razzia Offenbar Entführung von Karl Lauterbach geplant: Ermittler zerschlagen Chatgruppe

Polizei und Staatsanwaltschaft sind gegen Mitglieder einer Chatgruppe vorgegangen, die Sprengstoffanschläge und Entführungen geplant haben soll. Wie die Generalstaatsanwaltschaft Koblenz mitteilte, wurden gestern in mehreren Bundesländern insgesamt 20 Objekte durchsucht, auch in Sachsen und Thüringen. Die Beschuldigten werden der Reichsbürgerbewegung zugeordnet.

Karl Lauterbach
Die Chatgruppe soll auch die Entführung von Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach geplant haben. Bildrechte: dpa

Polizei und Staatsanwaltschaft sind gegen Mitglieder einer Chatgruppe vorgegangen, die Sprengstoffanschläge und Entführungen geplant haben soll. Wie die Generalstaatsanwaltschaft Koblenz mitteilte, wurden gestern in mehreren Bundesländern insgesamt 20 Objekte durchsucht, auch in Sachsen und Thüringen. Bei der Razzia wurden Waffen, Munition, Bargeld, Goldbarren und Silbermünzen sichergestellt. Vier Beschuldigte wurden festgenommen, Haftbefehle wurden beantragt.

"Bürgerkriegsähnliche Zustände" geplant

Die Beschuldigten, Deutsche im Alter von 41 bis 55 Jahren, werden der Corona-Protestszene und der Reichsbürgerbewegung zugeordnet. Die Gruppe mit dem Namen "Vereinte Patrioten" soll vorgehabt haben, Einrichtungen der Stromversorgung zu zerstören und einen bundesweiten Stromausfall herbeizuführen. Die Chatgruppe soll zudem auch die Entführung von Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) geplant haben. Insgesamt werden der Telegram-Chatgruppe den Ermittlern zufolge rund 70 Mitglieder zugerechnet.

Bereits am Mittwoch hatten die Ermittler die Zerschlagung der Gruppe bekannt gegeben; nun teilten sie Details mit. Insgesamt gelten demnach fünf Menschen als Hauptbeschuldigte. Ein Hauptziel der Gruppe soll gewesen sein, Einrichtungen der Stromversorgung zu zerstören, um einen länger andauernden bundesweiten Stromausfall herbeizuführen. Damit habe nach Vorstellung der Gruppenmitglieder "bürgerkriegsähnliche Zustände" verursacht werden sollen, um das demokratische System in Deutschland zu stürzen. 

Razzien auch in Sachsen und Thüringen

Unter insgesamt 20 Objekten, die am Mittwoch durchsucht wurden, seien auch zwei in Sachsen gewesen, nämlich in Flöha (Landkreis Mittelsachsen) und Olbernhau (Erzgebirgskreis), teilte die federführende Generalstaatsanwaltschaft Koblenz mit. Unter den vier Beschuldigten, die festgenommen worden seien, sei keiner aus Sachsen gewesen. Bei den Durchsuchungen in den beiden Orten seien auch Beweismittel sichergestellt worden, sagte der Koblenzer Generalstaatsanwalt Jürgen Brauer. "Die Personen waren in der Chatgruppe und wussten von den Plänen." Die weiteren Ermittlungen müssten ergeben, inwiefern sie diese auch unterstützt hätten.

In Thüringen fanden offenbar Razzien in Eisenach und Meiningen statt. Waffen oder Sprengstoffe seien aber keine gefunden worden. Mindestens einer der Thüringer wird der Reichsbürgerszene zugeordnet. Nach MDR THÜRINGEN-Informationen war der Thüringer Verfassungsschutz seit längerem in die Operation eingebunden. Präsident Stephan Kramer wollte sich dazu auf Anfrage nicht äußern. Er sagte aber, dass die Verfassungsschutzämter bereits seit Monaten vor solchen Chatgruppen mit ihren Umsturzplänen und Bürgerkriegsszenarien gewarnt hätten.

Katharina König-Preuss Die Linke in der 52. Plenarsitzung des Thüringer Landtags im Thüringer Landtag
Katharina König-Preuss im Thüringer Landtag. Bildrechte: imago images/Jacob Schröter

Katharina König-Preuss von der Linken-Fraktion im Thüringer Landtag, erklärte, Teile der Gruppierung hätten sich mehrfach in Thüringen getroffen, unter anderem im Januar 2022 in einem Landgasthof in Hohenbergen (Unstrut-Hainich-Kreis) und im März bei Meiningen. Von Anfang an sei in diesen Telegram-Gruppen eine Vermischung mit sogenannten Querdenkern, Reichsbürgern, Verschwörungstheoretikern und Neonazis feststellbar gewesen, die zusätzlich zu einer Radikalisierung führten, sagte König-Preuss. Die Abgeordnete hat zu den Razzien und den Verbindungen nach Thüringen eine Anfrage an die Landesregierung eingereicht.

Lauterbach will sich nicht beirren lassen

In einer Reaktion auf die Entführungspläne sagte Lauterbach, er wolle sich nicht einschüchtern lassen. "Manchen Covid-Leugnern geht es nicht um den Kampf gegen Impfungen oder Corona-Auflagen. Sie kämpfen gegen unsere demokratische Grundordnung", sagte der SPD-Politiker der "Bild am Sonntag". "Damit werden sie aber keinen Erfolg haben. Ich lasse mich dadurch nicht beirren, sondern setze mich weiter für die gesamte Bevölkerung ein."

AFP/dpa (jan)

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 11. April 2022 | 11:00 Uhr

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