Covid-19 Wie wirksam sind Antikörper-Medikamente gegen Corona?

In letzter Zeit wurde ziemlich viel über das Impfen gesprochen. Dabei gibt es noch eine Hoffnung: Medikamente, die Corona-Erkrankten helfen sollen. 200.000 Antikörper-Medikamente hatte der Bund sich Ende Januar von den USA gesichert. Angewendet werden können sie von Krankenhäusern und Kliniken, obwohl die Medikamente hier noch nicht zugelassen sind. Wie steht es um die Verteilung? Und: Helfen die Medikamente auch?

Ein Pharmazeut zeigt das Anti-COVID-Medikament Bamlanivimab
Bamlanivimab ist ein Antikörper-Medikament. Bildrechte: dpa

Achtung, es folgen Zungenbrecher: Bamlanivimab, Casirivimab und Imdevimab – so heißen die "monoklonalen Antikörper-Medikamente", die der Bund Ende Januar in den USA eingekauft hat.

Antikörper-Medikamente bislang selten im Einsatz

Wie sie Corona im Körper bekämpfen, erklärt Virologe Alexander Kekulé: "Man hat künstlich einen bestimmten Antikörper hergestellt. Darum heißen die monoklonal, denn die passen nur an eine einzige Stelle dieses Spike-Proteins vom Sars-Cov-2 Virus. Und die ist so designt worden, dass man hofft, dass dieser Antikörper neutralisiert, das heißt, das Virus an der Infektion hindert."

400 Millionen Euro hat der Bund für 200.000 Verabreichungen ausgegeben. Spezialisierte Krankenhäuser können auf die Medikamente zurückgreifen. Doch nur rund 1.500 Anwendungen seien bisher von ausgewählten Apotheken abgegeben worden, teilte das Bundesgesundheitsministerium MDR AKTUELL schriftlich mit. Hubert Wirtz leitet die Pneumologie am Universitätsklinikum Leipzig. Er sagt: "Wir haben es angefordert, wenn es nötig war und haben es dann bekommen. Wir hatten für fünf Patienten, glaube ich, einen Vorrat da und haben den noch nicht mal wirklich ausgenutzt, weil wir das gar nicht so sehr oft machen."

Antikörper helfen nur in speziellen Situationen

Die Antikörper helfen nämlich nur in einem frühen Stadium der Erkrankung. Im Krankenhaus landen Corona-Patientinnen und -Patienten meist erst später. Am Uniklinikum Leipzig seien es bisher also eher spezielle Situationen gewesen, in denen das Antikörper-Medikament eingesetzt wurde, sagt Wirtz, etwa bei einer Patientin, die durch eine andere Krankheit keine Antikörper bilden konnte. Oder bei einem immun-geschwächten Tumorpatienten. Zwei Erkrankte hätten die Therapie damit auch abgelehnt.

Wie sehr das Medikament aber zur Genesung beigetragen hat, kann Wirtz nur schwer sagen, da parallel auch andere Medikamente gegeben wurden, wie zum Beispiel Remdesivir. Wirtz sagt deshalb: "Die Antikörper waren eine gewisse Hoffnung, die sich so nur zum Teil erfüllt hat, und werden nicht die Lösung des Problems sein."

Positiv Getestete müssten theoretisch sofort auf Risikofaktoren wie Übergewicht oder Vorerkrankungen untersucht werden, um dann ein Antikörper-Medikament zu bekommen. Ein anderes Problem: Bei neuen Virus-Varianten könnte die Wirksamkeit eingeschränkt sein. Das Bundesgesundheitsministerium hält dennoch an den Antikörper-Medikamenten fest: Derzeit prüfe man die Beschaffung eines weiteren solchen Medikaments.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 15. April 2021 | 06:05 Uhr

2 Kommentare

hansfriederleistner vor 4 Wochen

Wenn diese Medikamente nicht benutzt werden, kann man auch kein Urteil dazu abgeben. Bei Impfstoffen wurde auch ohne ausreichende Untersuchungen und Prüfungen sofort zugegriffen. Liegt es vielleicht auch daran, daß beide Medikamente aus der Schweiz kommen und die große Reklametrommel fehlt?

Der Lauch vor 4 Wochen

sorry, das ich hier schreibe. aber wenn 400 geimpfte trotzdem erkranken, scheint keine diskussion gewollt. die ausgangssperre wird es retten. #planlos#hilflos#wahlkampf

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