Wegen freibleibender Impftermine Sächsischer KV-Chef: Astrazeneca-Impfstoff für alle zugänglich machen

Zuletzt gab es Berichte über freibleibende Impftermine mit dem Astrazeneca-Impfstoff. Eine Lösung könnte laut dem sächsischen KV-Chef in der Aussetzung der Priorisierungsregelung liegen.

Ampulle mit Astrazeneca Impfstoff wird in die Kamera gehalten.
Das Vakzin von Astrazeneca wird bisher nur an unter 65-Jährige und Personen mit höchster Priorität verimpft. Bildrechte: imago images/IP3press

Der Vorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung in Sachsen plädiert für eine Abschaffung der Prioritätsgruppen für den Astrazeneca-Impfstoff. "Ich halte es für richtig, ohne Priorisierung zu impfen und den Astrazeneca-Impfstoff damit für alle zugänglich zu machen", sagte Klaus Heckemann dem MDR.

Auslöser sind Meldungen über nicht wahrgenommene Impftermine mit dem Astrazeneca-Impfstoff auf Grund von Skepsis in der Bevölkerung. Bisher ist das Vakzin nur für Menschen unter 65 Jahren zugelassen – und derzeit nur für Personen mit der höchsten Impfpriorität zugänglich, zum Beispiel für Pflegepersonal in Notaufnahmen oder Altenheimen.

Mit einer Aussetzung der Priorisierungsregelung könnten sich auch Menschen um eine Impfung bemühen, die weniger skeptisch gegenüber dem Astrazeneca-Impfstoff sind und nicht zur höchsten Priorisierungsstufe gehören.

KV-Chef Heckemann sagte dazu: "Wenn wir diesen Impfstoff nicht für alle öffnen, können wir ihn auch gleich vom Markt nehmen." Bei den Impfstoffen von Biontech und Moderna solle die Terminvergabe anhand der Priorisierungsregelungen hingegen beibehalten werden.

Heckemann forderte zudem, die Impfungen mit allen einfach zu händelnden Impfstoffen ausschließlich in den Arztpraxen durchzuführen. Derzeit seien das die Impfstoffe von Astrazeneca und Moderna. Angesichts inzwischen großer Liefermengen des Biontech-Impfstoffes könnten die Kapazitäten der Impfzentren sonst schnell ausgeschöpft sein, sagte der KV-Chef.

Köpping hofft auf Freigabe

Auch Sachsens Gesundheitsministerin Petra Köpping (SPD) hatte am Donnerstag eine Öffnung der Priorisierung beim Astrazeneca-Impfstoff gefordert – allerdings mit Einschränkungen. "Mir ist wichtig, die Priorisierung zu öffnen und Erzieher, Lehrer, aber eben auch den öffentlichen Gesundheitsdienst und vielleicht auch Polizisten höher zu priorisieren", sagte sie. Dass Impfstoff da sei, aber man diesen nicht verimpfe, könne man sich schlicht nicht leisten. Köpping hoffe, dass die Bundesländer bei einer Schaltkonferenz am heutigen Freitagnachmittag mit Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) die Freigabe für eine Öffnung der Priorisierung beim Astrazeneca-Impfstoff erhielten.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 18. Februar 2021 | 06:09 Uhr

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