Impfstopp in Dänemark und Norwegen Sachsen impft weiter mit Astrazeneca-Vakzin

Nach Berichten von Thrombosen bei mit Astrazeneca Geimpften wird es in Österreich, Dänemark und Norwegen nicht mehr eingesetzt. Sachsen bekräftigte, weiter damit zu impfen. Wir haben Apotheker Friedemann Schmidt zu den möglichen Risiken befragt.

Eine Krankenschwester zeigt den AstraZeneca-Impfstoff
Ob wirklich ein erhöhtes Tromboserisiko nach einer Astrazeneca-Impfung besteht, wird derzeit in Dänemark und Norwegen geprüft. Bildrechte: dpa

Berichte von Thrombosen bei Astrazeneca-Geimpften

Dänemark und Norwegen haben heute bekannt gegeben, dass Impfungen mit dem Astrazeneca-Impfstoff vorerst ausgesetzt werden. Auch in Österreich wird seit einigen Tagen nicht mehr mit diesem Vakzin geimpft. Auslöser für den Impfstopp sind Berichte über Thrombosen bei Geimpften.

In Dänemark gibt es einen Todesfall, auch in Österreich hatte es vor einigen Tagen einen Todesfall sowie einen weiteren Thrombosefall gegeben. Ob ein Zusammenhang zwischen der Impfung und der Thrombosebildung besteht, wird derzeit von den zuständigen Impfkommissionen der Länder untersucht. 

Sachsen impft weiter

In Sachsen wird mit dem Vakzin weiterhin geimpft. Das bestätigte Dr. Thomas Grünewald, Infektiologe und Vorsitzender der sächsischen Impfkommission auf Anfrage gegenüber  "Hauptsache Gesund". Das MDR-Gesundheitsmagazin sprach dazu auch mit Friedemann Schmidt, dem Präsidenten der sächsischen Landesapothekerkammer.

Interview mit Friedemann Schmidt, Präsident der sächsischen Landesapothekerkammer

Herr Schmidt, wie bewerten Sie den heutigen Impfstopp?

Friedemann Schmidt: Dass die Behörden in Norwegen und Dänemark jetzt erstmal die Bremse gezogen haben, ist ein normaler und richtiger Vorgang, der allerdings keinen Grund zur Besorgnis darstellt.

Friedemann Schmidt, 2014
Friedemann Schmidt ist der Präsident der sächsischen Landesapothekerkammer. Bildrechte: dpa

Inwiefern?

Friedemann Schmidt: Gerade bei einem neuen Impfstoff sehen die Behörden natürlich ganz genau hin, ob es unbeabsichtigte Nebenwirkungen oder Komplikationen gibt. So wie jetzt in Dänemark: Da ist bei einer geimpften Person eine Thrombose aufgetreten. Allerdings sind dort auch schon mehr als 100.000 Personen mit dem Astrazeneca-Vakzin geimpft worden, sodass die Wahrscheinlichkeit auch sehr hoch ist, dass so etwas passiert! Denn jeden Tag erkranken ja Menschen an Thrombosen. Jetzt muss einfach überprüft werden, ob es auch einen Zusammenhang mit dem Impfstoff gibt, oder ob die Person vielleicht auch noch andere Medikamente genommen hat, die so etwas auslösen können. All das muss jetzt erstmal untersucht werden.

Sind denn Thrombosen als Nebenwirkungen der Impfstoffe in den Studien aufgelistet?

Friedemann Schmidt: Die beschriebenen Thrombosen bzw. Embolien sind in den klinischen Studien zu Astrazeneca nicht als Nebenwirkungen aufgetreten. Die Anzahl dieser Ereignisse unter den Geimpften in Europa ist nicht höher als unter der Gesamtbevölkerung. Aktuell gibt es 30 gemeldete Fälle unter fünf Millionen Impflingen.

Wie geht es denn jetzt weiter?

Friedemann Schmidt: Nach den Untersuchungen müssen die Behörden eine Risikoabwägung treffen. Es muss geprüft werden, ob es einen kausalen Zusammenhang gibt, wie häufig die Nebenwirkung auftritt und wie dann weiter verfahren wird. In Deutschland wird das das Paul Ehrlich-Institut übernehmen. Die werden sich die Daten aus allen Ländern und auch aus Deutschland angucken und auswerten.

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hauptsache Gesund | 11. März 2021 | 21:00 Uhr

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