Astrazeneca-Impfstopp Experte: Zeitplan der Impfkampagne wird nicht zu halten sein

Der Leipziger Infektiologe Michael Borte kritisiert den Astrazeneca-Impfstopp als unverhältnismäßig. So werde sich die Impfkampagne weiter hinauszögern und der gesetzte Zeitrahmen nicht zu halten sein.

Durch den vorübergehenden Astrazeneca-Impfstopp wird der von Bundesgesundheitsminister Spahn und Kanzlerin Merkel angedachte Zeitraum für die Impfkampagne nicht zu halten sein – das sagte Prof. Michael Borte dem MDR-Gesundheitsmagazin "Hauptsache Gesund". Der Infektiologe vom Klinikum St. Georg in Leipzig ist zudem skeptisch, ob die aus seiner Sicht folgenschwere Entscheidung für den Stopp auf wissenschaftlichen Grundlagen beruht.

Kritik: Impfstopp wegen weniger Thrombosefällen unverhätnismäßig

Hintergrund des Impfstopps waren Berichte über schwerwiegende Vorfälle, die im nahen zeitlichen Zusammenhang nach einer Impfung mit Astrazeneca aufgetreten sind. Dazu zählen Thrombosen. Prof. Borte, der Mitglied der sächsischen Impfkommission ist, stellt aber den Vergleich an, dass auf eine Million Frauen, die die Antibabypille einnehmen, 1.100 Fälle von Thrombosen kommen. Das sei wissenschaftlich gesichert.

Jeder kenne die Nebenwirkungen der Pille, aber deswegen sei sie nicht vom Markt genommen worden, sagte Borte. Und jetzt hätten wir 1,25 Millionen Menschen in Europa mit dem Vakzin von Astrazeneca geimpft und es seien lediglich sieben thrombotische Ereignisse aufgetreten.

Leipziger Infektiologe fordert mehr Aufklärungsarbeit

Eine bessere Aufklärung der Bevölkerung über die möglichen Nebenwirkungen und eine sorgfältige Anamnese vor der Impfung wären im Vergleich zum Impfstopp bessere Maßnahmen gewesen, so Borte weiter. Nun werde man beim Impfplan in starken Zeitverzug kommen, den man nicht wieder aufholen könne.

Nach den bereits vielen öffentlich geführten Diskussionen um den Impfstoff von Astrazeneca wird der Impfstopp den bereits vorhandenen Vertrauensverlust der Menschen gegenüber dem Vakzin weiter anfeuern. „Es ist fraglich, wenn der Impfstoff wieder zugelassen wird, wie dann die Bereitschaft von der Bevölkerung ist, sich mit diesem Impfstoff impfen zu lassen“, so Borte.

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hauptsache Gesund | 18. März 2021 | 21:00 Uhr

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